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Zwei Bände, insgesamt 1966 Seiten: die Edition von Hitlers „Mein Kampf“.

Ein Jahr nach der aufsehenerregenden Veröffentlichung

Hitler-Edition 85.000 Mal verkauft

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München - Ein Jahr nach der Edition von Hitlers „Mein Kampf“ zieht das Institut für Zeitgeschichte (IfZ) eine positive Bilanz. 85.000 Exemplare wurden verkauft. Nur ein rechtsradikaler Verlag machte Ärger.

Mehrere Kilo schwer, 1966 Seiten dick – die zweibändige Edition von „Mein Kampf“ hat vor einem Jahr großes Aufsehen erregt. Als sie am 8. Januar vergangenen Jahres in München vorgestellt wurde, drängten sich über 100 Journalisten in die enge Institutsbibliothek – auch aus Japan, China, Russland, Frankreich, USA sowie vom Sender Al Jazeera. Man merkte schon: Hitler ist nach wie vor ein internationales Thema.

So viel Medienpräsenz hatte Folgen – der Absatz war weit höher als einkalkuliert. Schon eine Woche nach Erscheinen erklomm die Edition Platz 20 der „Spiegel“-Bestsellerliste, am 15. und 22. April stand sie sogar auf Platz 1. Mittlerweile ist die Edition nicht mehr auf den Spitzenrängen zu finden, aber weiterhin ein Longseller, wie IfZ-Sprecherin Simone Paulmichl gegenüber unserer Zeitung erklärt. „Bislang wurden knapp 85 000 Exemplare verkauft, es befindet sich derzeit die 5. Auflage im Handel.“ Die 6. Auflage wird ab Ende Januar ausgeliefert.

Die Edition, obwohl jahrelang sorgfältig vorbereitet, war gewissermaßen aus der Not geboren. Denn 70 Jahre nach Hitlers Tod verlor der Freistaat Bayern die Urheberrechte – Hitlers „Mein Kampf“ wäre demnach frei verfügbar und für den Nachdruck frei gewesen. Mittlerweile scheint dieses juristische Problem gelöst, denn die Justizbehörden in Deutschland sind übereinstimmend der Meinung, dass der unveränderte Nachdruck von „Mein Kampf“ als Volksverhetzung juristisch verfolgt werden kann.

Tatsächlich jedoch hat das IfZ kaum Kenntnis von derartigen Versuchen. Es habe keine Kampagnen rechtsgerichteter Verlage gegeben, unmittelbar nach Ablauf des Urheberrechts „Mein Kampf“ auf den Markt zu werfen, erklärt Paulmichl. Lediglich in Oberfranken wurde einer Online-Händlerin gerichtlich untersagt, einen offenbar in Russland hergestellten Nachdruck der Hetzschrift zu vertreiben. In Sachsen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den notorischen rechtsextremen Verlag „Der Schelm“, der neben judenfeindlichen Erzeugnissen wie einem Spiel „Trau keinem Fuchs auf grüner Heid und keinem Jud bei seinem Eid“ auch Hitlers „Mein Kampf“ feilbot – getarnt als „wissenschaftlicher Quellentext“. Das seien aber Ausnahmen. Insgesamt sei die Strategie des Instituts, das heikle Thema fristgerecht durch eine kritische Edition „zu besetzen“ und eine wissenschaftliche Auseinandersetzung zu starten, „offenkundig aufgegangen“.

Auch für die Behandlung von „Mein Kampf“ im Schulunterricht zeichnet sich jetzt eine Linie ab. Anfangs hatte es aufgeregte Stimmen gegeben, die die Edition zur Pflichtlektüre für alle Schüler machen wollten – was sich schon aufgrund der Dicke des Werkes verbietet. Der Freistaat Bayern, der nicht minder hektisch agiert hatte und sich nach einer finanziellen Erstförderung der Edition auf Geheiß von Ministerpräsident Horst Seehofer ad hoc zurückzog, will jetzt eine „Handreichung“ für Schulen anbieten. Sie enthält Tipps zum Umgang mit „Mein Kampf“ im Unterricht. Das 64 Seiten umfassende Heft wurde von Ulrich Baumgärtner, Seminarlehrer für Geschichte am Münchner Karls-Gymnasium, verfasst und wird wohl demnächst über die Landeszentrale für politische Bildung in Bayern verbreitet.

Betont zurückhaltend ist das IfZ mit der Vergabe von Übersetzungsrechten für seine Edition. Zwar erhielt das Institut mehr als 30 Anfragen – „das Interesse reichte von Italien über die Türkei bis hin nach China und Korea“, wie die Sprecherin sagt. Doch Institutsleiter Andreas Wirsching hat entschieden, vorerst keine Lizenzen zu vergeben. Nur „die Möglichkeit“ einer englischsprachigen Übersetzung solle weiterverfolgt werden, heißt es.

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