Das Hitzewochenende

Sahara dahoam: So geht's weiter

Grafing/Andechs – Uffz, ist das heiß hier. Bayern erlebt das wärmste Wochenende des Jahres. Der Wärmerekord wurde nicht gebrochen. Die Leute stürmten dennoch Seen und Bäder.

Auch auf der Autobahn ging es rund. Nur in Andechs, da gab’s ausgerechnet jetzt Trinkwasser-Probleme.

In München macht die Hitze Probleme bei S-Bahn und Tram

Hitze ist der Hammer. Sahara-Hitze macht Spaß. Vor allem, wenn man wie Fred Stautner, 53, im Freibad arbeitet. „Je mehr Gäste, desto lieber hab ich’s“, sagt der Grafinger Bademeister. Am Wochenende waren jeden Tag um die 2000 Gäste in seinem Bad im Kreis Ebersberg. Stautner macht den Job schon seit 25 Jahren. Er ist so was wie Bayerns Hitze-Oberprofi. Sein Mittel gegen die Wahnsinnstemperaturen: die Arme mit kaltem Wasser einreiben, gute Laune und viel Flüssigkeit. Am Tag trinkt er bis zu sieben Liter. „Nur Wasser oder ungezuckerten Tee. Bloß kein Spezi – sonst bappt ma zam.“ Ein weiterer Vorteil der oberprallen Sonne: „Den Bienen“, sagt Stautner, „denen ist’s zu heiß.“ Heißt: keine Stiche, die versorgt werden müssen. Den Bademeister freut’s. Da kann man richtig gute Laune kriegen. Bayern am Wochenende – für viele das Hitzewunderland unterm weiß-blauen Sonnenhimmel.

So hat Deutschland geschwitzt

Gluthitze über Deutschland: Ab ins kühle Nass!

Allerdings: Der Hitzerekord von 1983 mit 40,2 Grad, der wurde am Wochenende nicht geknackt, sagt Jan-Bernd Schröer vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in München. Bayerns heißestes Dorf war am Samstag Möhrendorf im Kreis Erlangen-Höchstadt mit 37,5 Grad. Auf der Zugspitze hatte es immerhin noch 14,4 Grad.

Nur in Andechs im Kreis Starnberg, da dürften sie über das Supersommer-Wochenende ein bisserl geschimpft haben. Ausgerechnet am heißesten Tag des Jahres konnten mehrere Hundert Bewohner das Leitungswasser in ihrer Gemeinde nicht trinken. Das Landratsamt hatte die Bewohner in zwei Gemeindeteilen aufgefordert, das Trinkwasser abzukochen. Der Grund: Bakterien im Brunnen. Auch auf dem Herzogstand im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen ist das Wasser plötzlich knapp geworden. Hunderte Wanderer hat es bei dem Wetter auf den Berg gelockt. Wirt Sigi Zauner jun. hat mit dem Unimog extra 5000 Liter Wasser auf seinen Berggasthof gefahren. Denn bei solchen Temperaturen, da ist Wasser das letzte, das ausgehen darf.

So wird das Wetter die nächsten Tage

Wer mit dem Auto unterwegs war, dem konnte die Hitze schnell mal die Laune verderben. Von Holledau bis nach Salzburg war am Wochenende Dauerhochbetrieb. Sagt Diana Noé vom ADAC, die das Wochenende auf Oberbayerns Autobahnen verbracht hat, genauer gesagt: in ihrem mobilen Staustudio. Immer wieder musste sie bei Notfällen, bei Hitzenotfällen eingreifen. Und Autofahrer mit Getränken versorgen. Nach Unfällen, erzählt sie, waren die Menschen manchmal so geschockt, dass sie eine Stunde und länger in der prallen Sonne standen und bedrohlich auf einen Sonnenstich zusteuerten. Zudem machten die Temperaturen die Autofahrer unvorsichtiger: Es gab weitaus mehr Auffahrunfälle als an kühleren Tagen.

In Starnberg kam der Verkehr am Wochenende teilweise sogar ganz zum Erliegen. Tausende von Badewilligen brachen gen See auf, steckten aber erstmal im Stau fest. Aber wenn man es dann geschafft hatte, dann war man der glücklichste Mensch der Welt. Denn so ein Sprung ins kühle Wasser – es gibt kaum was Schöneres bei diesen Supertemperaturen.

Am Wochenende gab es allerdings auch ein prominentes Hitze-Opfer: Beim Commerzbank-Cup in Weilheim bekam Ex-Fußballprofi Jimmy Hartwig, 59, am Sonntag einen Kreislaufkollaps. Er musste vorsorglich in die Klinik.

Die schönsten Badeseen in Oberbayern finden Sie hier

Und wie geht’s weiter? Bleibt die Hitze? Nach einer kurzen Abkühlung am heutigen Montag geht die Hitzepause in Bayern Mitte der Woche schon wieder zu Ende: Zum Start der Sommerferien sind wieder Temperaturen von mehr als 30 Grad möglich. Der DWD rechnet zudem mit mittelschweren Unwettern. Unwetter mit allem Drum und Dran: mit Starkregen, stärkeren Böen, vereinzelt sogar orkanartige Böen mit Windstärken bis zu 120 km/h.

sts/zip

Rubriklistenbild: © dpa

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