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Die moderne Fassade des Oberstdorfhauses in Oberstdorf . Der Ferienort im Allgäu ist mit rund 60 Millionen Euro verschuldet.

Hoch verschuldetes Oberstdorf in Finanznöten

Oberstdorf - Der international bekannte Ferienort Oberstdorf spielt für den Tourismus im Allgäu eine herausragende Rolle. Doch das "Aushängeschild der Region" ist hoch verschuldet.

Um für Urlaubsgäste stets neue Anreize zu schaffen und die bestehende Infrastruktur zu erhalten, hat die Gemeinde in den vergangenen Jahren viel Geld investiert und sich offensichtlich übernommen. Jetzt sitzt der Ferienort auf einem Schuldenberg von rund 60 Millionen Euro, den er schleunigst abbauen will. So hat die Gemeinde für das laufende Jahr bereits eine Haushaltssperre verhängt. "Damit setzen wir ein Zeichen an die Einheimischen, dass derzeit nicht alle Wünsche erfüllt werden können", sagte Bürgermeister Laurent Mies (Freie Wähler).

Durch die Haushaltssperre, die nach Angaben des Gemeindesprechers Wolfgang Ländle nur den Kernhaushalt betrifft, soll eine Neuverschuldung vermieden werden. "Es dürfen nur die Ausgaben geleistet werden, zu denen die Gemeinde verpflichtet ist oder die für den Betriebsablauf zwingend nötig sind. Alles andere wird auf nächstes Jahr verschoben." Mit Sparen allein scheint den Oberstdorfern aber nicht geholfen zu sein. Zur Reduzierung der Schulden hat die Gemeinde bereits Grundstücke verkauft. Dennoch sieht Ländle keinen Grund zur Sorge. "Es ist nicht so, dass Oberstdorf pleite ist."

Über Jahrzehnte hinweg wurde am Fuße des Nebelhorns viel Geld investiert. So wurden etwa in den 1970er Jahren die Skisprungschanze und Therme, in den 80er Jahren das Eissportzentrum und in den 90er Jahren ein neues Wasserkraftwerk gebaut. Hinzu kamen die Neugestaltung der Ortseinfahrt und der Ausbau der Fußgängerzone. Zu den dicken Brocken der jüngsten Zeit zählt laut Ländle die Sanierung des Oberstdorf-Hauses als Kurhaus samt Kurpark, die allein 14 Millionen Euro kostete. 10 Millionen Euro flossen 2005 in die Beseitigung von Hochwasserschäden. Mit 1,7 Millionen Euro beteiligte sich die Gemeinde an den 23 Millionen Euro teuren Sportanlagen, die anlässlich der Nordischen Ski-WM 2005 gebaut wurden.

"Hier sind Werte geschaffen worden, die weit über 60 Millionen Euro liegen", sagt Ländle. Zwar könne man im Nachhinein darüber diskutieren, ob zum Beispiel das Oberstdorf-Haus in anderer Form hätte gebaut werden können. "Aber zum jeweiligen Zeitpunkt waren alle Entscheidungsträger der Meinung, das richtige für Oberstdorf zu tun." Profitiert hätten davon sowohl die Urlaubsgäste als auch die Bürger. "Schließlich leben über 90 Prozent der Oberstdorfer direkt oder indirekt vom Tourismus."

Bürgermeister Mies hatte bei der Kommunalwahl im März überraschend den CSU-Bürgermeister Thomas Müller abgelöst. Dieses Ergebnis sieht der 42-Jährige auch als Auftrag der Bürger an, Dinge anders anzupacken als seine Vorgänger. "Nachdem mir die Oberstdorfer Bürger fast 60 Prozent ihrer Stimmen gaben, wollten sie eine Änderung." An seinen traditionellen und hochkarätigen Wintersportveranstaltungen wie die Vierschanzentournee und das Skifliegen wolle die Gemeinde jedoch festhalten, sagt Mies. "Andere Großveranstaltungen werden wir hinsichtlich des nachhaltigen Nutzens für Oberstdorf hinterfragen."

Damit der Ferienort nichts von seiner Beliebtheit einbüßt, hofft Alfons Zeller, Vorsitzender des Tourismusverbands Allgäu, darauf, dass Oberstdorf trotz der Schulden seinen Weg finden wird. Ähnlich wie in Garmisch-Partenkirchen oder Berchtesgaden werde man auch im Oberallgäu stets am Image arbeiten müssen, um im Gespräch zu bleiben. "Die Konkurrenz ist groß", weiß Zeller. Was die sportlichen Großveranstaltungen wie das Skispringen angeht, sieht der Tourismus- Experte die Oberstdorfer in gewisser Weise in der Pflicht. "Um im Alpintourismus bestehen zu können, könnten sie es sich gar nicht leisten, darauf zu verzichten."

Birgit Klimke, dpa

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