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Hier droht ein gewaltiger Felssturz.

Der Berg bröckelt

Am Hochnissl droht ein gewaltiger Felssturz

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Hinterriß - Der Berg bröckelt – oder zumindest Teile von ihm. Seit einem Jahr ist der Gratanstieg zum 2547 Meter hohen Hochnissl gesperrt. Denn dort, kurz hinter der bayerischen Grenze, droht ein gewaltiger Felssturz.

Vor fünf Wochen brachte sich Thomas Figl selbst auf den neuesten Stand, aus sicherer Entfernung, vom Hubschrauber aus. Trotz der Distanz sah er ziemlich genau, was am Gratanstieg des Hochnissl gerade vor sich geht. „Die dortigen Spalten haben sich massiv erweitert“, sagt der Österreicher. „Wir sprechen da von mehreren Metern.“

Figl überrascht das nicht. Als einer von fünf Landesgeologen in Tirol verfolgt er die heiklen Veränderungen des gut 2500 Meter hohen Bergs seit Monaten. Nahe der Steinkarlspitze brechen immer wieder Felsbrocken aus dem Grat, das Ergebnis sind besagte Spalten. Im letzten Sommer zogen die Behörden dann die Reißleine und sperrten sowohl den Gratweg als auch den weiter unten am Berg verlaufenden Fußweg, die Via Alpina 227. Hintergrund ist eine große Sorge: An der Stelle könnte es zu einem gewaltigen Felssturz kommen.

Das Thema ist auch für Bayern von Bedeutung, denn das Gebiet um den Hochnissl ist bei hiesigen Wanderern beliebt. Zudem liegt auf dem Weg zum Gipfel des Hochnissl die bekannte Lamsenjochhütte, die dem deutschen Alpenverein (DAV) gehört und etwa von Hinterriß – einem österreichischen Dorf an der Grenze zum Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen – aus zu erreichen ist. Die dortige Wirtsfamilie Füruter war es auch, die die Geologen auf die regelmäßigen Felsbrüche aufmerksam machte.

Inzwischen, sagt Geologe Figl, sei „der gesamte Grat so zerlegt, dass es immer wieder zu Stürzen kommen kann“. Das Ganze ist ein natürlicher Prozess, die Witterung setzt dem Gestein über die Jahrhunderte einfach zu. Erst vor zehn Jahren brachen am Hochnissl deshalb schon große Gesteinsbrocken aus dem Fels. Der vergangene Winter hat dem Gestein dann nochmal zugesetzt. Laut Figl ist der Grat auf einer Länge von etwa 50 Metern beschädigt.

Jetzt ist abwarten angesagt; denn wie sich der Fels verhält, lässt sich seriös kaum vorhersagen. Möglicherweise brechen weiterhin nur kleine Gesteinspakete ab – Figl hält das für wahrscheinlich. Es ist aber auch möglich, dass eine große Ladung auf einmal ins Stallental herabstürzt. „Das könnten mehrere zehntausend Kubikmeter sein“, sagt Figl. Auf ihrem Weg hinunter ins Tal zerreiben sich die Felsen in aller Regel zu feinem Staub. Zur Sicherheit bleibt die Via Alpina trotzdem gesperrt – jedenfalls vorerst.

Der Hochnissl ist nicht der einzige Berg, den die Zeit zerlegt. Auch um den Hochvogel in den Allgäuer Alpen steht es schlecht. Über seinen Gipfel verläuft die Grenze zwischen Deutschland und Österreich. Seit einiger Zeit ist der Zugang von Süden aus gesperrt. Zweierlei macht die Situation hier besonders schwierig: Anders als beim Hochnissl sind gleich mehrere Felsflanken betroffen. Außerdem öffnet sich das Gipfelplateau seit ein, zwei Jahren massiv. „Da geht inzwischen ein großer Riss durch“, sagt Figl, der sich auch in diesem Teil der Alpen gut auskennt.

Wann die Geologen am Hochnissl Entwarnung geben können, ist völlig unklar. Bis es soweit ist, müssen Wanderer auf den gesperrten Abschnitt der Via Alpina verzichten. Dafür ist der Fahrweg, über den auch die Lamsenjochhütte erreichbar ist, als Fußweg ausgezeichnet. Für den Gratanstieg besteht allerdings wenig Hoffnung. Dass der jemals wieder freigegeben wird, hält Geologe Figl für „sehr unwahrscheinlich“.

Marcus Mäckler

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