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Sabine Doering-Manteuffel: Seit 2011 Präsidentin der Augsburger Universität.

Papier warnt vor Investitionsstau

Hochschulen schlagen Alarm

München/Augsburg - Zum Beginn des Wintersemesters haben die bayerischen Universitäten ein Positionspapier präsentiert, das sich gewaschen hat. Der neue Minister Ludwig Spaenle steht etwas düpiert da.

Bayerns neuer Herr im „Bildungsministerium“ (so heißt das Ministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst hausintern) war gestern gerade zweieinhalb Werktage im Amt. Schon hat er die erste dicke Forderung am Hals. Nicht von den Lehrerverbänden, mit denen er sich in den vergangenen fünf Jahren reichlich herumplagen mussten. Sondern von den Präsidenten der elf Universitäten (neun staatliche, zwei nicht-staatliche) im Freistaat. „Mit Bayern an die Weltspitze“ ist ganz unbescheiden ihr Positionspapier betitelt.

Die Professoren hatten Montag vergangener Woche getagt und einen Forderungskatalog für die neue Legislaturperiode aufgestellt. Die bayerischen Universitäten „erheben ihre Stimme sehr deutlich und werden ihre Interessen auch in aller Öffentlichkeit hörbar vertreten – daran kommt auch kein Superminister vorbei“, heißt es schon im Anschreiben der Universitätenkonferenz. So als hätte Bayern zuletzt die Wissenschaftspolitik glatt verschlafen, werden in forscher Tonlage gleich mal Pflöcke eingeschlagen, an denen sich der neue Minister jetzt abarbeiten kann. „Bayern sei „in der jüngsten Vergangenheit bereits hinter Baden-Württemberg zurückgefallen“, heißt es. Empfehlungen des von der Staatsregierung eingesetzten Zukunftsrats aus dem Jahr 2010 seien nur „halbherzig“ umgesetzt worden. „Die Universitäten erwarten jetzt einen großen Wurf.“

Im Einzelnen stellen die derzeitige Vorsitzende der Universitätenkonferenz, die Augsburger Uni-Präsidentin Sabine Doering-Manteuffel, folgende Forderungen auf:

-Internationalisierung: Gefordert wird eine Art „Pool“ für 50 Professuren („Bayerische Zukunftsprofessuren“), die flexibel international besetzt werden können; ferner die Integration exzellenter Spitzenkräfte im Ruhestand, der so genannten Emeriti; sowie ein „Bavarian Research Fund Top-500“, ein Fonds für 500 Nachwuchswissenschaftler, den der Zukunftsrat „vergeblich“ vorgeschlagen habe. Außerdem sei Bayern unattraktiv für Studenten aus dem Ausland. Hier müsse der Wissenschaftsbetrieb entbürokratisiert werden.

-Bauliche Investitionen: Diese seien „überfällig“, heißt es in dem Positionspapier. Notwendig sei „ein zügiger Abbau des Investitionsstaus mit einem Finanzierungsbedarf in Milliardenhöhe für die Sanierung der Gebäude und deren Ausstattung sowie der Datennetze“. Die Bauunterhaltsmittel müssten „mindestens“ verdreifacht werden.

-Autonomie: Eindringlich warnen die Professoren vor „Denkvorgaben und bürokratiesteigernder Detailsteuerung“. Sie wollen ihre Autonomie bewahren und sprechen sich strikt gegen die Einrichtung eines Beirats für Hochschulen und Wissenschaft aus, wie er von einer CSU-Arbeitsgruppe vorgeschlagen worden war. Die Übertragung des Berufungsrechts auf die Universitäten habe sich bewährt.

-Innovationen fördern: Bayern müsse hier „neue Wege“ gehen, gefordert werden „Industry-on-Campus-Modelle“, also Forschungskooperationen mit Unternehmen. „Nordrhein-Westfalen eilt hier Bayern mit großen Schritten voraus.“

-Hochschulpolitik: Die Unis setzen sich für die Revision des Grundgesetz-Artikels 91 ein. Er verbietet bisher die Beteiligung des Bundes an der Forschungsförderung an Universitäten.

Minister Spaenle reagierte überrascht, da er sich den Uni-Präsidenten noch gar nicht vorgestellt hat „Das ist ein Strategiepapier“, sagte er unserer Zeitung. Es diene als „Gesprächsgrundlage“. Bayern investiere jährlich im dreistelligen Millionenbereich in die Wissenschaft. „Man muss schauen, dass man das dynamisieren kann.“

Dirk Walter

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