Billionen Liter Regen prasselten Ende Mai vom bayerischen Himmel. So sah es am Schliersee aus.

Hochwasser-Rückblick

400 Liter Regen in 94 Stunden

München - 22 750 000 000 000 – so viele Liter Regen sind vom 26. Mai bis zum 2. Juni auf Deutschland gefallen. Diese enorme Zahl ist nicht die einzige beeindruckende, die in den Bericht des Deutschen Wetterdienstes zum Hochwasser 2013 eingeflossen ist.

Es hat geregnet und geregnet – vier Tage ununterbrochen. Deutschlandweit prasselten 22,75 Billionen Liter Wasser auf den Boden, in Süddeutschland ist die kleine Gemeinde Aschau im Chiemgau Spitzenreiter. 400,4 Liter pro Quadratmeter wurden dort binnen 94 Stunden gemessen. „Durch die Lage am Alpenrand ist es nicht ungewöhnlich, dass in Aschau der meiste Regen gefallen ist“, sagt Gabriele Malitz, eine der Autoren der Studie des Deutschen Wetterdienstes (DWD). „Aber 400 Liter an vier Tagen sind ungewöhnlich viel.“

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Das Fazit des Berichts: Nicht die große Regenmenge war fatal, sondern dass es bayernweit tagelang aus Kübeln schüttete. Der Dauerregen war der Auslöser der Flut, doch einige Faktoren gibt es, die dazu beigetragen haben, dass es in vielen Regionen so schlimme Überschwemmungen gab. In den vergangenen Jahren hatten die Landwirte mit Dürren zu kämpfen – dieses Jahr war in weiten Teilen Deutschlands das andere Extrem der Fall. Denn schon vor den Regentagen Ende Mai hatten sich die Böden überdurchschnittlich vollgesaugt mit Regenwasser. Ende Mai wiesen rund 40 Prozent aller Flächen in Deutschland so hohe Bodenfeuchtwerte auf wie noch nie seit Beginn der Messungen 1962. Am 31. Mai wurden absolute Rekordwerte erreicht, berichtet Saskia Pietzsch vom DWD. „Die Böden waren schon untypisch nass, bevor der Regen eingesetzt hat.“ Während einige Landwirte zu dieser Jahreszeit ihre Felder in der Regel beregnen müssen, fiel in der letzten Mai-Dekade 2013 in Deutschland statt der üblichen 25 Liter pro Quadratmeter die dreifache Menge Niederschlag. Selbst Bodenschichten in 60 Zentimeter Tiefe waren überversorgt mit Wasser – und konnten die enormen Wassermassen am ersten Juni-Wochenende nicht mehr aufnehmen. „Inzwischen haben sich die Böden erholt und sind sogar wieder zu trocken“, berichtet Pietzsch. „Der Mais ist beispielsweise dieses Jahr so mit Wasser verwöhnt worden, dass er keine tiefen Wurzeln ausgebildet hat und bei langen Trockenphasen nicht genug Wasser bekommt.“

Nur bedingt hat laut DWD-Bericht die Schneeschmelze die Jahrhundertflut beeinflusst. Vom 26. Mai bis 2. Juni wurden im deutschen Teil des Donau-Einzugsgebiets Niederschläge in Höhe von etwa 6,76 Billionen Liter gemessen. Die Schneeschmelze hat in diesem Gebiet zusätzlich 334 Milliarden Liter Wasser freigesetzt – und die gesamte Wassermenge damit um etwa fünf Prozent erhöht. „Damit spielt sie bei der Jahrhundertflut eine vergleichsweise geringe Rolle“, sagt Gabriele Malitz.

Was das Warnmanagement angeht, zieht der Deutsche Wetterdienst ein positives Fazit: Wetterentwicklung und Dauerregen wurden frühzeitig vorausgesagt. In den Gebieten mit Unwetterwarnung regnete es innerhalb von 24 Stunden zwischen 30 und 60 Liter pro Quadratmeter, am Alpenrand sogar bis zu 71 Liter – das sind Wassermengen, die deutlich unter den vorhergesagten Spitzenwerten liegen.

kwo

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