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Passau am Montag, 3. Juni, eingeschlossen von drei Flüssen. Links der Inn, in der Mitte die Donau, rechts die Ilz.

Hochwasser: Frage nach der Schuld

Wurde Passau nicht richtig gewarnt?

Passau - Passau rechnete beim Jahrhunderthochwasser mit einem Höchststand von 9,50 Metern. Tatsächlich waren es drei Meter mehr. Wurde die Stadt nicht gewarnt?

„Historisch“ – das ist dieser Tage ein viel strapazierter Begriff. Historisch war schon das Hochwasser von 1954 – es erreichte 12,20 Meter. Doch die Überschwemmungen von Anfang Juni waren noch wüster – hier stieg der Pegel bis auf 12,89 Meter. Nur 1501 (13,20 Meter) und 1342 („Magdalenenhochwasser“ am 22. Juli, dem Tag von St. Magdalena) war es wohl noch schlimmer.

Passau, so schrieb OB Jürgen Dupper (SPD) jetzt an Umweltminister Marcel Huber (CSU), sei über mögliche Höchststände nicht richtig informiert gewesen. Die Stadt sei zu lange davon ausgegangen, dass die Donau höchstens 9,50 Meter erreichen werde. Sandsäcke und Flutwände wurden aufgebaut, Häuser und Lände hingegen zunächst nicht ausgeräumt. Nicht nötig, hieß es. Als dann erkannt wurde, dass das Wasser historische Pegel übertreffen würde, war es zu spät: Sandsäcke halfen nicht mehr. Aufgebaute Stege, die bei einem niedrigeren Wasserstand Fußwege ersetzt hätten, wurden sogar zum Problem: Sie gefährdeten als kantige Hindernisse in der trüben Flut die Rettungsboote. „In der Folge sind Inventarschäden entstanden, die teilweise vermeidbar gewesen, hätte man auf Sandsäcke und Stegaufbau verzichtet und stattdessen die Gebäude geräumt“, schrieb Dupper. Er forderte präzisere Prognosen.

Der Angriff saß, zumal aus Oberösterreich ähnliche kritische Töne verlauteten. Das Umweltministerium reagiert abwehrend: Der Hochwassernachrichtendienst (HND) habe schon am Samstag, 1. Juni, einen Stand von 10,64 Meter vorhergesagt, später sogar 12,28 Meter, antwortete Huber. Tatsache ist jedoch auch, dass der HND in jenen hektischen Stunden den tatsächliche Ereignissen manchmal hinterherhinkte. Noch am Samstag war für Passau ein Überschreiten der Meldestufe drei (7,70) vorhergesagt worden. Drei Tage später waren es aber fünf Meter mehr (siehe Chronologie). Ein weiteres Beispiel: Der Pegel werde am Sonntagnachmittag die 10-Meter-Marke übersteigen, hieß es am 2. Juni. Tatsächlich wurden dann schon in der Nacht elf Meter erreicht, nur Stunden später über zwölf Meter.

Großes Aufräumen in Passau

Großes Aufräumen in Passau

Der Passauer Feuerwehr-Chef Dieter Schlegl ist dennoch zurückhaltend. Er werde die Lageberichte erst noch sichten und bis dahin „keine eigene Kommentierung“ abgeben, sagte der Stadtbrandrat unserer Zeitung. „Es ist von eminenter Wichtigkeit, dass die Prognosen stimmen.“

Ohnehin muss auch der Blick auf den Inn gerichtet werden, dessen Wassermassen die Behörden offenbar ebenfalls überrascht und dessen Druckwelle das Donauwasser zurückstaute. Für den Inn, so sagte ein Geschäftsmann aus der überschwemmten oberösterreichischen Barockstadt Schärding der „PNP“, seien große natürliche Überschwemmungsflächen erforderlich. „Diese Extremflut hätte es nicht geben müssen.“

Dirk Walter

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