Am Schliersee versank alles im Wasser

Nach dem Hochwasser

Wo sind die Fluthilfe-Millionen?

München – Gut drei Monate ist das verheerende Jahrhundert-Hochwasser in Bayern her. Geholfen und gespendet haben viele, doch wo sind die Gelder geblieben?

Auf dem Konto der staatlichen „Hochwasserhilfe Bayern“ liegt – Stand gestern – ein Betrag von über zwei Millionen Euro. Der Bayerische Rundfunk sammelte am 24. Juni beim „BR-Fluthilfe-Tag für Bayern“ 4,70 Millionen Euro. Bei der Benefizaktion „Sternstunden“ im Bayerischen Fernsehen kamen noch einmal 6,67 Millionen Euro oben drauf. 3,5 Millionen Euro steuert das Bayerische Rote Kreuz (BRK) zum Spendentopf bei.

Von diesem Geld haben die Betroffenen bisher noch nichts bekommen. „Das ist aber das ganz normale Verfahren“, sagt Thomas Jansing, der Geschäftsführer der Sternstunden e.V. Bis spätestens Ende Oktober hofft er, dass die Schadensaufnahmeverfahren abgeschlossen sind und die Gelder fließen können. „Mich überrascht eh, wie zügig das alles geht“, sagt er. Denn die Anträge auf die Spendenmittel müssen vielerorts erst noch gestellt werden und dazu braucht es genaue Gutachten. „Es ist noch unklar, ob Häuser abgerissen oder nur saniert werden müssen“, sagt Josef Erl, der Pressesprecher des Landratsamtes Deggendorf. Außerdem stehen die Spendenorganisationen ganz am Ende einer langen Hilfskette. Zuerst müssen die Versicherungen bezahlen, dann kommen die staatlichen Hilfen. Wo es dann noch fehlt, greifen die Spenden.

Die jeweilige Stadt oder Gemeinde entscheidet vor Ort, wie und in welcher Höhe Spenden eingesetzt werden. Es ist also nicht verwunderlich, dass in Deggendorf von rund 2500 Betroffenen erst 337 Anträge auf Spendenmittel gestellt wurden.

Ganz Deutschland hatte mit Hochwasser zu kämpfen

Hochwasseralarm zum Sommeranfang in Deutschland 

Beim BR will man bis Mitte September die Gelder an gemeinnützige Vereine in Bayern weiter geben. Die Johanniter und Malteser bekommen dann zum Beispiel jeweils rund 500 000 Euro. Gibt es grünes Licht für die Auszahlung, geben die es weiter an die Bedürftigen. Einzige Ausnahme im starren Geldervergabe-System: die Caritas. Durch ein engmaschiges Netz an Pfarreien kann die Caritas auf ihr eigenes Hilfsnetzwerk zurückgreifen. „So machen wir das schon immer“, sagt Landes-Caritasdirektor Prälat Bernhard Piendl. Die Caritas fungiere fernab von den allgemeinen Spendentöpfen als direkte individuelle Hilfsaktion. „Wir unterscheiden uns da von allen anderen“, sagt Piendl. In mehreren Durchgängen gehen Summen von 500 bis 2000 Euro an die Betroffenen – je nach Schwere der Schäden und in Absprache mit den Ämtern vor Ort. Von den 5,36 Millionen Euro der Caritas-Spender allein in Bayern wurden so bisher fast 2,6 Millionen Euro ausbezahlt. Piendl: „Die andere Hälfte ist für nachhaltige Hilfe reserviert.“ Also für besonders schlimm betroffene Menschen.

Weil die Verteilung der Spendengelder so langsam vorangeht, hat sich das BRK für gestresste Flutopfer etwas einfallen lassen: „Wer möchte, kann zur Erholung in Bayern Urlaub machen“, sagt BRK-Präsidentin Christa von Thurn und Taxis.

Johanna Pfingstl

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