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Die Bundesstraße B2 ist am Donnerstag bei Murnau (Kreis Garmisch-Partenkirchen) überschwemmt.

Hochwasser in Bayern geht allmählich zurück

München - Nasse Füße, überschwemmte Keller und gesperrte Straßen: Dauerregen hat vor allem den Bewohnern Süd- und Ostbayerns zu schaffen gemacht. Erst am Freitagvormittag ging das Hochwasser in weiten Teilen Bayerns allmählich zurück.

Regen, Regen und nochmals Regen. „Am schlimmsten war es in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag“, erklärte Jens Winninghoff vom Deutschen Wetterdienst in München. Die größte Menge ging in Aschau im Chiemgau nieder. „Innerhalb von 24 Stunden kam hier eine Regenmenge von 155 Litern pro Quadratmeter zusammen“, sagte der Wetterexperte.

Nach tagelangem Dauerregen geht das Hochwasser am Freitag in weiten Teilen Bayerns allmählich zurück. “Wir haben seit heute Nacht fallende Pegelstände“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Niederbayern in Straubing am Freitag. Überschwemmungen hatten am Donnerstag vor allem rund um Passau Probleme bereitet. Nach Angaben das Landesamtes für Umwelt ging das Hochwasser der Donau am Freitag auf die Meldestufen 1 und 2 zurück. Gesperrte Straßen sollen laut Polizei im Laufe das Tages freigegeben werden. Die Pegel fielen auch in den besonders betroffenen Landkreisen Traunstein, Garmisch-Partenkirchen und Berchtesgaden.

Hochwasser im Landkreis Starnberg

Hochwasser im Landkreis Starnberg

In der Nacht auf Donnerstag waren zunächst die Landkreise Traunstein und Berchtesgaden sowie Passau betroffen. In der Dreiflüssestadt mussten etliche Fahrzeuge abgeschleppt werden, weil die Halter nicht erreicht werden konnten, so ein Polizeisprecher. Besorgniserregend war auch der hohe Wasserstand der Salzach bei Laufen (Kreis Berchtesgaden). Die vorsorglich befüllten Sandsäcke kamen aber nicht zum Einsatz. In Marktschellenberg ging eine Mure ab und verschüttete eine Straße. Bei einem Gasthaus in Berchtesgaden rutschte ein Fußweg samt Stützmauer über eine Länge von 20 Metern ab.

Hochwasser in Bad Tölz

Hochwasser in Bad Tölz

Im Kreis Traunstein rückten die mehr als 30 Feuerwehren zu mehreren hundert Einsätzen aus. Nahe der Grenze zu Österreich wurden neun Straßen überflutet. Die B 305 musste zwischen Reit im Winkl und Oberwössen wegen herabstürzender Gesteinsbrocken mit einem Durchmesser von bis zu 40 Zentimetern gesperrt werden. Auf der Bahnstrecke Traunstein-Ruhpolding stürzte ein morscher Baum um, fiel in die Oberleitung und fing Feuer.

Hochwasser im Kreis Garmisch-Partenkirchen

Hochwasser im Kreis Garmisch-Partenkirchen

Im Bereich Rosenheim drohte die Mangfall bei Kolbermoor Wohngebiete zu überfluten. Feuerwehr und THW lieferten vorsorglich mehrere hundert Sandsäcke an. Unter Wasser stand auch das frisch sanierte Brucktor mit Ferstlhaus in Wasserburg. In den Morgenstunden des Donnerstags nahm dann die Einsatzhäufigkeit in den Kreisen Garmisch-Partenkirchen, Bad Tölz-Wolfratshausen, Weilheim-Schongau und Miesbach zu. Bei Geretsried (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) mussten Geröll, Gesteinsbrocken und kleinere Bäume von einer Staatsstraße entfernt werden. Ein Berghang war auf einer Länge von zehn Metern abgerutscht. Die B 2 wurde bei Murnau (Kreis Garmisch-Partenkirchen) an mehreren Stellen überflutet und musste total gesperrt werden. Bei Oberammergau wurde die B 23 überschwemmt. Auch in Mittenwald und Münsing standen Staatsstraßen unter Wasser. Bei Ohlstadt sicherten die Retter mit 8000 Sandsäcken die Murnauer Loisachauen: Der Fluss drohte dort, wo Wohnhäuser stehen, über die Ufer zu treten. Die Bahnstrecke München-Garmisch musste zwischen Oberau und Farchant gesperrt werden. Die Sperrung soll bis in die heutigen Vormittagsstunden andauern. In Eschenlohe hat sich das millionenschwere Hochwasserschutzprojekt bezahlt gemacht: „Hätten wir jetzt noch die alte Verbauung, wäre angesichts der enormen Wassermengen ziemlich sicher der Katastrophenfall eingetreten“, sagte Bürgermeister Anton Kölbl.

Hangrutsch am Gudiberg

Hangrutsch am Gudiberg

Im Kreis Miesbach ging zwischen Leitzach und Wörnsmühl eine Mure ab. Die Aufräumarbeiten dauern bis heute an. Der Tegernsee trat über die Ufer. „Bei uns steht die ganze Terrasse unter Wasser“, berichtete beispielsweise Birgit Schmalenberg vom Café Seestern. Die Feuerwehr rettete eine Kuh, die vier Kilometer in der Leitzach trieb. Ein Schaf hingegen konnte nur noch tot aus dem Tegernsee geborgen werden.

Hochwasser im Landkreis Miesbach

Hochwasser im Landkreis Miesbach

Keine freie Minute hatten die Einsatzkräfte auch im Kreis Starnberg. Die Feuerwehr kam auf rund 100 Einsätze, die Hälfte davon wegen vollgelaufener Keller. In Grafrath (Kreis Fürstenfeldbruck) stürzte ein 30-Meter-Baum auf ein Reihenhaus, weil der Boden komplett aufgeweicht war. Im Kreis Erding trat die Isen über die Ufer. In Lengdorf stand das Wasser in der Ortsmitte bis zu einem Meter hoch. In Esternbach bei Dorfen bedrohten die Wassermassen eine Mühle. Vier Feuerwehren arbeiteten in Birkach (Kreis Ebersberg) stundenlang, um den Ort vom Wasser zu befreien. Im Bereich München mussten Fahrspuren der A 94 zwischen Moosfeld und Riem gesperrt werden.

Hochwasser im Landkreis Erding

Hochwasser im Landkreis Erding

Zudem wurde in München, wie auch in vielen anderen Orten, die Fronleichnamsprozession unter freiem Himmel abgesagt. Auch die Seeprozession am Staffelsee wurde in die Kirche verlegt.

Hochwasser im Landkreis Weilheim

Hochwasser im Landkreis Weilheim

Mit dem Regen soll es heute aber vorbei sein: Der Wetterdienst erwartet fürs Wochenende Sommerwetter mit bis zu 28 Grad.

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