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So sauwohl fühlen sich derzeit die wenigsten Landwirte. Sie hatten in den vergangenen zwei Jahren drastische Gewinneinbrüche zu verkraften.

Höfesterben verlangsamt sich

München - Schwierige Jahre liegen hinter den bayerischen Bauern: Einkommensverluste von 34 Prozent im Wirtschaftsjahr 2007/8 und weitere Einbußen von 9 Prozent in 2009/2010 mussten verkraftet werden.

Damit hatte wohl kaum einer gerechnet: Trotz der dramatischen Preiseinbrüche bei Agrar-Erzeugnissen und Kostensteigerungen bei der Produktion haben weniger Landwirte die Flinte ins Korn geworfen. Bayerns Agrarminister Helmut Brunner (CSU) legte gestern den Agrarbericht 2010 im bayerischen Landtag vor und betonte: „Man höre und staune – der Strukturwandel hat sich deutlich verlangsamt.“ Von 2007 bis 2009 hat die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe um 1,9 Prozent pro Jahr abgenommen – Anfang des Jahrzehnts lag die Quote noch bei jährlich rund drei Prozent.

Insgesamt wurden 2009 noch 113 000 Agrarbetriebe ab zwei Hektar im Freistaat gezählt. „Damit liegt nach wie vor jeder dritte landwirtschaftliche Betrieb Deutschenlands in Bayern“, betonte Brunner. Hoffnung macht dem Minister auch, dass sich die Zahl der Erwerbstätigen im Land- und Forstbereich stabilisiert (190 000) und vor allem 2009 doppelt so viele Berufsanfänger gestartet (750) sind als noch vor zehn Jahren. „Das spricht für sich, dass die Landwirtschaft in Bayern als Zukunftsbranche wahrgenommen wird.“

War 2008 für die bayerischen Bauern anfangs noch zufriedenstellend, stürzten die Preise im Verlauf des Jahres und vor allem 2009 drastisch ab. Bei den Haupterwerbsbetrieben (durchschnittliche Betriebsgröße 47 Hektar) wurden rund 34 100 Euro erzielt – ein Rückgang von 34 Prozent. Und auch für das Wirtschaftsjahr 2009/10 werden sinkende Gewinne erwartet – von weiteren neun Prozent gegenüber 2008/09. Wie wichtig weitere Standbeine für das Überleben der Höfe sind, zeigt die Tatsache, dass allein im Bereich „Urlaub auf dem Bauernhof“ die Einkünfte von durchschnittlich 800 Euro in 1981/82 auf nunmehr 5600 Euro erhöht haben.

Etwas besser scheinen die Öko-Betriebe durch die schwierigen Zeiten zu steuern. Sie erwirtschafteten laut Agrarbericht einen durchschnittlichen Gewinn von 41 400 Euro – rund 7300 Euro über dem Durchschnittsgewinn aller Betriebe. Für die aktiven Landwirte ist indes der Ausblick auf die agrarpolitischen Konsequenzen viel wichtiger als der Blick zurück. Zumal mit der Neuausrichtung der Europäischen Agrarpolitik ab 2013 die Karten neu gemischt werden. Minister Brunner machte deutlich, dass die Hälfte des Gewinns der Haupterwerbsbetriebe aus den EU-Direktzahlungen stammt. Um die Höhe des EU-Agraretats und die der Direktzahlungen für die einzelnen Länder wird in den nächsten Monaten eifrig gestritten werden. Albert Füracker (CSU), Vorsitzender des Agrarausschusses im Landtag, betonte denn auch ausdrücklich, dass die staatliche Förderung der Landwirtschaft gut angelegtes Geld sei: „Die Landwirtschaft zu unterstützen ist wesentlich billiger als es wäre, wenn wir die Bauern nicht hätten.“

Maria Noichl (SPD) und Ulrike Müller (FW) forderten eine Überprüfung der landwirtschaftlichen Ausbildung angesichts der Tatsache, dass immer mehr Bauern ihren Betrieb im Nebenerwerb führen. „Die klassische Ausbildung zieht ausschließlich auf Vollerwerbsbetriebe ab. In Österreich verlässt keiner die Landwirtschaftssschule, ohne noch eine weitere Berufsausbildung abgeschlossen zu haben. Hier hat man eine Verantwortung und Verpflichtung.“

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