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Die Anforderungen an die Erzieher werden immer größer.

Höhere Anforderungen, gleiche Arbeitsbedingungen

Auch wegen Flüchtlingskrise: Grüne fordern Unterstützung für Erzieher

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München/Freising - Die Anforderungen an die Erzieher in den Kindertagesstätten wachsen kontinuierlich. Die Flüchtlingskrise bedeutet für sie eine zusätzliche Herausforderung. Doch ihre Arbeitsbedingungen haben sich nicht verbessert. Das wollen die Grünen mit einem Antragspaket ändern – Finanzierungsvorschlag inklusive.

Eva Bönig hat zwei Jahrzehnte lang eine Kindertagesstätte in Freising geleitet. Es gab Tage, an denen sie schon von einigen Müttern mit Fragen erwartet wurde, als sie um kurz vor acht die Tür aufsperrte. Und es gab Tage, an denen junge Erzieherinnen vor ihr saßen und ihr sagten, dass sie ihre Berufswahl bereuen. Dass sie umschulen möchten. Oder dass sie unter Burnout-Erscheinungen leiden.

Eva Bönig macht ihren Job lange genug, um zu wissen, dass die Anforderungen in den Kindertagesstätten nicht geringer werden. Im Gegenteil. Es werden immer mehr Kleinkinder aus Flüchtlingsfamilien in die Einrichtungen kommen. Sie haben nach drei Monaten Anspruch auf einen Platz. Die meisten von ihnen verstehen kein Wort Deutsch. „Die Sprachförderung wird ein immer wichtigeres Thema werden“, sagt Eva Bönig. Allein deshalb müssten sich die Rahmenbedingungen dringend ändern. Das fordert Bönig nicht nur als langjährige Kita-Leiterin – sondern auch als zweite Freisinger Bürgermeisterin.

Eva Bönig weiß, wovon sie spricht, wenn sie die schlechten Arbeitsbedingungen für Erzieher kritisiert. Sie hat 20 Jahre eine Kindertagesstätte in Freising geleitet. Jetzt ist die Grünen-Politikerin zweite Bürgermeisterin – und stellt sich hinter die Forderung ihrer Partei.

Und die grüne Kommunalpolitikerin bekommt Rückenwind von ihrer Partei. „Für die Erzieher in den Einrichtungen sind die zusätzlichen Aufgaben in den Bereichen Integration, Inklusion, Elternarbeit sowie der gestiegene Verwaltungsaufwand immer schwerer zu bewältigen“, sagt Christine Kamm, die Sprecherin für frühkindliche Bildung der Landtags-Grünen. Die Fraktion fordert mit einem Antragspaket bessere Rahmenbedingungen in der frühkindlichen Bildung. „Bayern hinkt beim Personalausbau in den Kitas den anderen Bundesländern deutlich hinterher“, betont Kamm. „Unsere wichtigste Forderung ist deshalb eine schrittweise Anpassung des Mindestanstellungs-Schlüssels von jetzt 1:11 auf 1:10.“ 1:10 bedeutet: Für zehn Buchungszeitstunden der angemeldeten Kinder ist jeweils mindestens eine Arbeitsstunde des pädagogischen Personals anzusetzen. Für die Betreuung von Kindern unter drei Jahren gibt es bisher keinen verbindlichen Schlüssel. Hier fordern die Grünen einen Mindestschlüssel von 1:5. Auch der Faktor, mit dem die Förderung der unter Dreijährigen berechnet wird, müsse angehoben werden, fordert Kamm. Von 2,0 auf 3,0.

Kitaträger und Fachverbände treten seit langem für eine bessere Förderung und bessere Arbeitsbedingungen in den Kindertagesstätten in Bayern ein. Zuletzt hatte sich das Forum „Bildungspolitik in Bayern“ mit einer Petition an den Bayerischen Landtag gewandt. Der Sozialausschuss hatte die Petition im Februar mit dem Votum „Würdigung“ beschlossen. „Wir hoffen, dass durch unser Antragspaket das Votum schneller umgesetzt wird“, betont Kamm.

Die Kosten dafür schätzen die Landtags-Grünen auf etwa 220 Millionen Euro. Und sie haben auch den passenden Vorschlag, wie die Anträge finanziert werden könnten. Für das Landesbetreuungsgeld sind in diesem Haushaltsjahr 160 Millionen Euro eingestellt, langfristig werde mit 230 Millionen kalkuliert, berichtete Kamm. „Diese Mittel sollte der Freistaat besser in die Kindertagesstätten stecken. Unsere Kinder und unsere Erzieher hätten es verdient.“

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