Einsatzkräfte am Höhleneinstieg. Höhlen-Experte Andreas Kücha (l) weiß, wie man sich da unten fühlt.

Erfahrener Höhlenforscher im Interview

"Da unten ist es absolut Finster"

Heidenheim - Andreas Kücha ist einer der erfahrensten Höhlenforscher Deutschlands - nur durch Zufall ist er nicht mit in die Unglückshöhle gestiegen. Er hatte aus Zeitmangel abgesagt.

Der Heidenheimer Höhlenforscher Andreas Kücha kennt den in der bayerischen Riesending-Schachthöhle verunglückten Kollegen gut und verfolgt das Drama um seine Rettung aufmerksam. Der 48-Jährige ist passionierter Höhlenforscher und Extremtaucher. Er beschäftigt sich seit 1982 mit Höhlen - vor allem dem Blauhöhlensystem in seiner Heimat, der Schwäbischen Alb. Der Nachrichtenagentur dpa beantwortet der Experte Fragen zu Gefahren und Problemen bei dieser Höhlen-Expedition.

Was war denn das Ziel dieser Expedition?

Ziel war vor allem, 150 Meter Seil in sogenannten Schleifsäcken für künftige Abstiege in die Riesending-Höhle zu bringen. Weil diese Schachthöhle sehr tief und sehr lang ist, transportiert man gerade dorthin immer neues Material. Außerdem ist natürlich Ziel jeder Tour, neue Passagen und Wege zu entdecken.

Bilder von der Rettungsaktion am Untersberg

Bilder von der Rettungsaktion an der Riesending-Schachthöhle am Untersberg

Was sind die größten Gefahren, die bei einer solchen Expedition in dieser Tiefe drohen?

Bei einer Höhle im alpinen Bereich sind die größten Gefahren sicherlich der Steinschlag, so wie es jetzt den Verunglückten erwischt hat, und Wassereinbruch. Hochwassergefahr ist in solchen Höhlen mit tiefen Schächten durchaus vorhanden. Das ist dann, wie wenn man einen Wasserhahn aufmacht: Das Wasser kommt innerhalb von Minuten ganz plötzlich runter und kann schlimmstenfalls so kalt sein, dass man am Kälteschock stirbt. Der verunglückte Höhlenforscher aber befindet sich auf einer sogenannten Horizontalebene und ist dort wohl erstmal sicher. Von Luftdruckschwankungen wegen des erwarteten Wetterumbruchs droht keine Gefahr.

Was erwartet einen Höhlenforscher in 1000 Meter Tiefe und was sollte er mitnehmen?

Eine Tour in solch anspruchsvolle Höhlen wird akribisch vorbereitet und hat einen langen Vorlauf. Unten ist es absolut finster und ohne Stirnlampe sieht man dort nichts. Es herrscht eine Temperatur zwischen drei und acht Grad. Üblicherweise zieht man einen Unteranzug und einen Overall als Schutzanzug an, nimmt sich ähnlich wie bei Bergbesteigungen Müsliriegel oder kalorienreiche Kost wie Chili Con Carne mit. Da die Riesending-Höhle schwieriges Terrain und der Abstieg anspruchsvoll ist, muss man sich bei der Ausrüstung auf ein Minimum beschränken.

Was raten Sie dem Verunglückten jetzt?

Panik bekommen so erfahrene Experten wie er üblicherweise nicht. Psychisch gesehen ist er ein Höhlenprofi. Das wichtigste ist jetzt die persönliche Betreuung. Er sollte sich schöne Gedanken machen und auf seine Rettung vertrauen.

Schweizer Spezialisten vor Ort

Fotos: Höhlen-Drama - Schweizer Spezialisten eingetroffen

Interview: dpa

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