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Odyssee der kleinen Elisa (12): Fahrer fährt gehörloses Mädchen fast nach Köln - und nicht nach Hof

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Von: Markus Christandl

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Eigentlich sollte die 12-jährige Elisa zu ihrem Großvater nach Hof gebracht werden sollen. Ihr Fahrer fuhr aber Richtung Köln.
Eigentlich sollte die 12-jährige Elisa zu ihrem Großvater nach Hof gebracht werden sollen. Ihr Fahrer fuhr aber Richtung Köln. © Boris Roessler/dpa/Symbolbild

Als ihre gehörlose Tochter (12) nicht wie vereinbart nach Hause kommt, schlägt ihre verzweifelte Mutter Alarm. Ein Fahrdienst sollte das Kind eigentlich in Hof abliefern.

Hof/München – Rund 300 Kilometer sind es über die A9 oder A93 von München nach Hof in Oberfranken. Eine Strecke, die die zwölfjährige Schülerin Elisa alle 14 Tage absolviert. Das Mädchen ist gehörlos, in München besucht es die 5. Klasse auf der für Gehörlose spezialisierten Samuel-Heinecke-Realschule, hier ist sie im Internat.

Jeden zweiten Freitag wird Elisa kurz nach 13 Uhr nach der Schule abgeholt – von einem Fahrdienst. Doch vor gut zwei Wochen ging dabei etwas gründlich schief: Elisa, in Hof gegen 17 Uhr erwartet, kam nicht an. „Man kann sich nicht vorstellen, welche Sorgen wir uns um sie machten“, sagt ihr Großvater Klaus Hoyer (75). Erst um 22.10 Uhr traf das Kind endlich ein – Stunden später als geplant, denn ihr Fahrer hatte eine Odyssee durch Deutschland unternommen und stand zwischen Frankfurt am Main und Köln.

Die Irrfahrt der kleinen 12-jährigen Elisa.
Die Irrfahrt der kleinen 12-jährigen Elisa. © Grafik MM

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München: Es ist ein Rätsel, warum der Fahrer hinter Frankfurt unterwegs war

Elisa macht die Angehörigen stolz, sie schreibt gute Noten, ist ein ruhiges, beliebtes Mädchen. Dank des Cochlea-Implantats ist Elisas Hörfähigkeit verbessert, auch die Gebärdensprache beherrscht sie. Und ihr Großvater achtet auf sie, so auch am Freitag, dem 3. Dezember. Er freut sich aufs Wochenende und will mit ihr Plätzchen backen. Doch Elisa kommt nicht. Ihre Mutter, wie die Tochter gehörlos, bekommt über Handy Kontakt zu dem Mädchen, zutiefst beunruhigt informiert die Mutter den Opa. „Elisa, sie befindet sich hinter Frankfurt am Main!“

Elisa wurde von ihrer Mutter und ihrem Opa vermisst.
Die vermisste 12-jährige Elisa. © privat

Die Angehörigen malen sich die schlimmsten Dinge aus. Das Kind so weit entfernt mit einem Unbekannten im Auto. Die Polizei wird informiert, diese erreicht den Fahrer. Weshalb er hinter Frankfurt herumfährt, bleibt aber ein Rätsel. Womöglich kam er mit dem Navi nicht zurecht. Jedenfalls dreht er endlich in die richtige Richtung um, Elisa wird nun nach 22 Uhr erwartet.

München: Eine Polizeistreife nahm den Fahrer des Mädchens ins Gebet

Zuvor traf eine Streife beim Großvater ein, um den verschollenen Fahrer ins Gebet zu nehmen. „Sie redeten dann draußen mit ihm“, sagt Hoyer. Eine Straftat war jedoch nicht erkennbar. Doch für den Fahrer hatte die Odyssee Konsequenzen, er war für einen Subunternehmer, mit dem es nie Probleme gegeben habe, für den Fahrdienst unterwegs. Die Tour soll nun wieder der Dienst selbst bestreiten. Man bedauere den Vorfall, stehe aber selbst vor einem Rätsel: „Was sich da ereignet hat, können wir selbst nicht nachvollziehen“.

Elisa selbst wirkte mitgenommen beim Eintreffen. Wie auch Klaus Hoyer, der so viel Angst um seine Enkelin hatte. Er will in Zukunft wissen, wer Elisa chauffiert und wie der Fahrer zu erreichen ist.

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