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120 Flüge pro Stunde sollen mit einer 3. Startbahn möglich sein.

3. Startbahn: Beginn des Erörterungsverfahren

Die Hoffnung stirbt zuletzt

München - Auch hartnäckige Gegner haben ihre Zweifel, dass die 3. Startbahn durch das heute beginnende Erörterungsverfahren zur 3. Startbahn gekippt werden kann. Aber sie hoffen auf ein neues Gutachten, das den Bedarf für die Piste am Flughafen München untersucht.

Es ist kein Faschingsscherz: Heute, am 11.11., beginnt die Erörterung zur 3. Startbahn im riesigen, 3500 Besucher fassenden Ballhaus-Forum in Unterschleißheim (Kreis München) – nicht um 11.11 Uhr, sondern schon um 9.30 Uhr. Schon ab 8 Uhr demonstrieren die Bürgerinitiativen und der Bund Naturschutz. Flughafen-Chef Michael Kerkloh sowie der Leiter des Luftamts Südbayern, Uwe Büchner, werden sich zur Einstimmung wohl auf Pfiffe einstellen müssen. Bis in den April hinein soll die geplante 4000 Meter lange und weit über 700 Millionen Euro teure 3. Startbahn untersucht werden – ein Mammutverfahren.

Beginnen will Luftamt-Chef Büchner gleich mit einem Punkt, den Landrat Michael Schwaiger (FW) „als A und O der Auseinandersetzung“ einstuft: Bedarf und Prognose. Die Flughafen München GmbH (FMG) will durch den Bau der Piste mindestens 120 Starts und Landungen pro Stunde ermöglichen. Das derzeitige Maximum liegt bei 90 Flugbewegungen, „schon eine Anhebung um drei Flugbewegungen“ je Stunde erhöhe „die Störanfälligkeit und die Verspätungsgefährdung erheblich“, argumentiert die FMG. Sie rechnet für das Jahr 2020 mit 607 000 Flügen jährlich – heute sind es etwa 370 000.

Doch die Gegner machen eine andere Rechnung auf: „Finanzkrise, Emissionshandel, Kerosinpreis, der jüngste Einschnitt beim Winterflugplan – da muss man noch mal nachfassen“, sagt Landrat Schwaiger. „Wenn wir ein neues Prognosegutachten erreichen würden, wäre schon einiges erreicht.“

„Es geht um eine Verdoppelung der Flugzahlen“, betont auch der Freisinger OB Dieter Thalhammer (SPD), der sich auch die neue CSU/FDP-Koalition vorknöpft. Die neue Staatsregierung wolle die Erweiterung des Flugplatzes Oberpfaffenhofen „wegen 10 000 Flügen jährlich“ bremsen, unternehme aber bei der 3. Startbahn keinerlei Kurskorrektur. „Da ist die Verhältnismäßigkeit nicht gegeben.“

59 191 Bürger – mehr als doppelt so viele wie beim Transrapid – wehren sich mit unterschiedlichen Argumenten gegen die Startbahn. Ihre Einwendungen werden erst ab dem 12. Januar beraten. Zuvor sollen, gegliedert nach Sachthemen, die Widersprüche von Landkreisen, Kommunen, Bürgerinitiativen und selbst die von Wasserzweckverbänden abgehakt sein.

Allein die Behörden haben die Regierung von Oberbayern mit 123 Stellungnahmen schier bombardiert – der Landkreis Freising zum Beispiel mit der Forderung, dass das kreiseigene Förderschulzentrum Freising-Pulling nicht mit einem Dauerschallpegel über 60 Dezibel belastet werden dürfe. OB Thalhammer wäre bei all dem lieber gewesen, die Einwender nach Alphabet aufzurufen, statt die Veranstaltung nach Themen zu gliedern. „Wer bei der Erörterung persönlich vertreten sein will, muss fünf, sechs oder sieben Mal hinfahren.“ Selbst Thalhammer kann nicht immer selbst nach Unterschleißheim kommen – er wird seinen Stadtdirektor als Vertreter schicken.

Schon jetzt ist klar, dass sich die Einwender für juristische Finessen wappnen sollten. Einwände nach dem Muster „Ich lehne die 3. Startbahn ab, weil ich gegen die Ausweitung des Flugverkehrs bin“, seien schlicht „nicht verfahrensrelevant“, heißt es in einer jüngst erschienenen Argumente-Sammlung der FMG.

Dirk Walter

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