Hohe Durchfallquote - G8 weiter in der Kritik 

München - Nachdem der zweite G8-Jahrgang sein Abitur abgelegt hat, erntet das System herbe Kritik. Wegen hoher Durchfallquoten is die Rede von einer "verpfuschten Reform".

Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) muss wegen der diesjährigen Abiturprüfungen des zweiten G8-Jahrgangs herbe Kritik einstecken: Mehr als 10 Prozent der bayerischen Abiturienten müssen laut dem Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) in die mündliche Nachprüfung. Verbandspräsident Klaus Wenzel kritisierte das Kultusministerium am Freitag scharf: „Es mutet den Heranwachsenden eine unausgegorene und verpfuschte Reform zu und ist bis heute nicht in der Lage, den dadurch verursachten Stress abzubauen und das Gymnasium zukunftsfähig zu gestalten.“

Das Ministerium wehrte sich gegen die Kritik: Spaenles Sprecher konnte die Nachprüflingsquote von zehn Prozent nicht bestätigen. Die diesjährigen etwa 38 000 Abiturienten legten derzeit noch ihre Prüfungen ab, daher könnten noch keine gesicherten Schlüsse dazu gezogen werden. Außerdem hätten im vergangenen Jahr sogar 15 Prozent der Schüler in die Nachprüfung gemusst. Aber nur knapp 3 Prozent hätten das Abitur anschließend nicht bestanden.

Der schulpolitische Sprecher der Grünen, Thomas Gehring, schloss sich der BLLV-Kritik dennoch an: „Beim ersten G8-Abiturjahrgang hat der Kultusminister aus politischen Gründen die Ergebnisse noch geschönt, der zweite Jahrgang aber muss die grundsätzlichen Konstruktionsfehler ausbaden.“ Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Martin Güll, fügte hinzu: „Die Schülerinnen und Schüler sind nicht gut vorbereitet auf die Prüfungen und damit ist die Aufgabe des Ministeriums klar formuliert: Das G8 muss neu aufgestellt werden.“ Entlastung für die Schüler bringe vor allem eine flexible Oberstufe und neue pädagogische Konzepte zu einem Abitur im eigenen Takt.

Auf der anderen Seite gebe es deutlich mehr Einser-Abiturienten. Auch dies ist für Grüne und BLLV ein Indiz für die Schwäche des neuen Schulsystems: „Weil Bildungserfolg vom Geldbeutel der Eltern abhängt, werden starke Schüler immer stärker, schwache Schüler bleiben dagegen auf der Strecke“, sagte Wenzel.

Auch laut der Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern (LEV) zeichnen sich einige „wunde Punkte“ bei den diesjährigen Abiturprüfungen ab. „Es gibt Schulen mit unauffälligen Ergebnissen, aber auch Gymnasien, bei denen ein erheblicher Teil der Abiturienten die Nachprüfung ablegen muss, um zu bestehen“, teilte die LEV-Vorsitzende Susanne Arndt mit. Viele Schüler nutzten die Nachprüfung jedoch auch als Möglichkeit, um ihren Abi-Schnitt noch zu verbessern. Die LEV vertritt nach eigenen Angaben etwa eine halbe Million Mütter und Väter in Bayern.

dpa

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