Das Hobbit-Haus von Hohenthann: Wird es wieder abgerissen?
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Das Hobbit-Haus von Hohenthann: Wird es wieder abgerissen?

Landratsamt versteht keinen Spaß

Kampf um das Hobbit-Haus von Hohenthann: Wird es wieder abgerissen?

  • Franziska Florian
    vonFranziska Florian
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Ein kleines Häuschen aus Holz und Lehm steht in Alois Riederers Garten in Hohenthann. Ein Hobbit-Haus, so wie im Auenland. Im Landratsamt ist man aber wenig erbaut vom Kunstwerk des Schreinermeisters.

Hohenthann – Von außen sieht das Grundstück wie jedes andere aus: ein großer umzäunter Garten mit Bäumen und einem großen, ganz normalen Haus mittendrin. Wer ganz genau hinsieht, entdeckt aber noch ein weiteres, nicht ganz so normales Bauwerk – das Hohenthanner Hobbit-Haus. Den Namen hat es, weil es so aussieht wie die Behausungen der Hobbits in der berühmten Fantasy-Trilogie „Herr der Ringe“.

Landratsamt will das Hobbit-Haus dem Erdboden gleichmachen

Wer vor dem unförmigen Häuschen im Landkreis Landshut steht, fühlt sich tatsächlich ein bisschen wie im Auenland, wo Frodo und Bilbo Beutlin, die Helden von Mittelerde, zu Hause sind. Ganz so friedlich wie im Auenland ist es hier aber gerade nicht. Denn das Landratsamt Landshut will das Hobbit-Haus dem Erdboden gleichmachen – weil Riederer keine Baugenehmigung dafür hat.

„Ich wollte eigentlich nur ein Dach für die Baumbar, die unten drinsteht“, sagt der 48-Jährige. Doch die Natur habe ihn geleitet, weiterzubauen. Riederer sieht sich eher als Künstler denn als Schreiner. Ein Künstler, der die Natur aufsaugt und sich von ihr handwerklich inspirieren lässt. Er sei kein Esoteriker, betont er. Aber die Natur gebe ihm vor, was er tun müsse.

Das Haus wird von einem Apfelbaum getragen

So kam es auch zum Hobbit-Haus, das von einem gewaltigen Apfelbaum getragen wird. „Ich nehme nur Material, das eh schon da war und nicht extra produziert werden muss“, sagt Riederer. Er sei eben nachhaltig. Ein echter Naturbursche. Das Dach hat er aus Holzstämmen gebastelt und begrünt. An die 300 bunte Blumen würden im Frühjahr dort oben blühen. Die Wände hat er aus Lehm gemacht.

Schwarzbau oder nicht – Riederer hat die Behörden selbst auf das Hobbit-Haus aufmerksam gemacht. „Als ich gemerkt habe, dass das wohl doch ein größeres Projekt wird, bin ich zum Landratsamt gegangen und habe gefragt, was ich denn brauche, damit ich weiterbauen kann“, sagt er. Im Jahr 2018 war das. Da kam dann auch das Landratsamt Landshut mit seinen Fachleuten, um zu schauen, ob das Hobbit-Haus genehmigungsfähig ist.

Der Abrissbescheid ist schon da

Wenn er einen schriftlichen Antrag und Gutachten zum Brandschutz und zur Statik vorlege, könne eine Baugenehmigung erteilt werden, habe man ihm gesagt, erzählt Riederer – was er als mündliche Zusage wertet. Doch als er die Unterlagen beisammen hat, wird ihm gesagt, dass das Hobbit-Haus das Landschaftsbild störe und weg muss. „Eine Juristin vom Landratsamt hat die Begründung vorgelegt“, sagt Riederer. Mit der Begründung kam auch der Abrissbescheid.

Eine Sprecherin des Landratsamts Landshut erklärt auf Nachfrage unserer Zeitung, dass „Herrn Riederers Bauantrag im Sommer des Jahres nach erneuter, eingehender Prüfung durch das Landratsamt als Baugenehmigungsbehörde abgelehnt“ wurde. Auch die Beseitigungsanordnung habe Bestand. „Da die Entscheidung durch das Verwaltungsgericht noch aussteht, können wir zu diesem laufenden Verfahren keine weiteren Auskünfte geben.“ Landrat Peter Dreier (Freie Wähler) will sich ebenfalls nicht näher äußern.

Hobbit-Haus stört das Landschaftsbild? „Totaler Schmarrn“

Nachbarin Gabi Huber mag das Hobbit-Haus. Dass es das Landschaftbild störe, sei „totaler Schmarrn“. Huber sagt: „Ich habe meinen Stall fast daneben. Sogar Hohenthanner sind vorbeigekommen und haben gefragt, wo das Hobbit-Haus denn eigentlich steht.“ Dass ein Haus, das man nicht sehe, das Landschaftsbild störe, versteht sie nicht. Gabi Huber ist ein Fan von Riederers Arbeit. „Jedes Asterl hat er hergerichtet und angeschaut, ob und wo es passen könnte.“ Bis in die Nacht hinein habe der Schreiner am Hobbit-Haus gebastelt. Teilweise mit Flutlichtstrahlern. Die umliegenden Nachbarn hätten nichts gegen das Bauwerk. Eine Begründung des Landratsamts, Riederers 2500 Quadratmeter großes Grundstück sei mit 24 Prozent genug bebaut, findet die Nachbarin haltlos: „Wir haben mehr als 30 Prozent bebaute Fläche. Das ist doch paradox.“

Riederer, ein waschechter Hohenthanner, klingt ziemlich wütend, wenn es um den Abrissbescheid geht. „Es is a Schweinerei“, sagt er. „Wir haben die größte Schweinestalldichte in Bayern und es werden immer mehr genehmigt. Und das passt dann ins Landschaftsbild, oder wie?“

Laut Landratsamt besteht Gefahr für Leib und Leben

Neben dem Hobbit-Haus stehen in seinem Garten noch weitere Kuriositäten: ein Kaffeebaum, der tatsächlich guten Kaffee macht – und ein Baum, in den ein 20-Liter-Bierfass reinpasst und durch eine Zapfanlage auch wieder rauskommt. Die Natur habe ihn zu all diesen Gegenständen inspiriert, sagt Alois Riederer stolz.

Momentan ist auf seinem Grundstück Baustopp. Der Schreiner darf weder den geplanten Schwimmteich ausheben noch an der Außensauna rumwerkeln. An das Hobbit-Haus mit seinen etwas zehn Metern Durchmesser darf er erst recht keine Hand mehr anlegen. „Es darf auch keiner reingehen, weil laut dem Landratsamt Gefahr für Leib und Leben besteht“, erzählt der Schreinermeister.

„Es soll als Treffpunkt dienen für Menschen, die die Welt besser machen möchten“

So werkelt er derzeit in seinem eigenen Haus – das kaum weniger außergewöhnlich ist wie die Werke im Garten. Eine Tür hat er mit echten Blättern verkleidet, mit einer Frauenfigur in der Mitte. Spektakulär ist auch die Küche. Über der Spüle, wo normalerweise Fliesen sind, ist bei ihm Moos. „Die Natur hat mich wieder einmal geleitet und mir gesagt, dass ich eine Moosküche machen soll.“ Im Schlafzimmer hat Riederer eine Wand aus Lehm kreiert – ovale und runde Muster in verschiedenen Farbtönen. Als Wäscheständer dienen Äste an den vier Ecken seines Betts. Und im Flur stehen große und kleine Lampen aus Schmucksteinen, deren warmes Licht eine beruhigende Wirkung hat. Ein Schreinermeister, der immer mehr zum Naturkünstler geworden ist? „Ich war auf der Suche nach mir selbst, als ich 24 war. Und irgendwie fand ich den Weg zur Natur“, erklärt er. Die Natur ist Riederers ständiger Begleiter.

Große Gedanken macht er sich nicht, wenn er arbeitet. Er macht einfach. Beim Hobbit-Haus sei es aber anders gewesen, sagt Riederer. „Es soll als Treffpunkt dienen für Menschen, die die Welt besser machen möchten und sich dem Naturschutz widmen.“ Freilich könne es sein, dass auch mal gefeiert wird. Wozu gäbe es sonst den „Bierbaum“ im Garten und die „Baumbar“ im Hobbit-Haus.

Fredl Fesl hat die Patenschaft für das „Hobbit-Haus“ übernommen

Riederer hat prominente Unterstützer. Liedermacher Fredl Fesl hat die Patenschaft für das „Hobbit-Haus“ übernommen. Neben der knorrigen Eingangstür hängt Fesls Handabdruck in einem Rahmen. „Fredl Fesl hat immer ein offenes Ohr für mich und setzt sich für Gerechtigkeit ein“, lobt Riederer. Auch die Mundart-Band „Haindling“ war schon da. „Sie haben sich gerne bereit erklärt, dieses positive Projekt mit ihrem Bekanntheitsgrad zu unterstützen“, sagt Riederer.

Im Februar oder März sollte der Fall verhandelt werden. Wegen Corona gibt es aber noch keinen Termin. Er wisse, was wirklich hinter dem Zinnober um sein Projekt stecke, sagt Alois Riederer zum Abschluss. Was, verrate er aber nicht – noch nicht. „Die Wahrheit wird nach der Gerichtsverhandlung ans Licht kommen. Da sage ich, was wirklich Sache ist.“ Es bleibt also bis zum Schluss spannend – so wie in Tolkiens „Herr der Ringe“. - Franziska Florian - *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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