Auf der Strecke München-Rosenheim

Meridian: Holpriger Start mit neuen Zügen

München - Das wird eine Reise ins Ungewisse für Bahnpendler der Strecke München-Rosenheim. Zum Start des neuen Meridians sind nur 20 der eingeplanten 35 Fahrzeuge einsatzbereit. Das Unternehmen Veolia greift in der Not auf Züge anderer Unternehmen zurück.

Schick sieht er aus, der neue Niederflur-Triebzug des Typs „Flirt“, der da auf Gleis 1 am Rosenheimer Hauptbahnhof zur Besichtigung abgestellt ist: Er hat 333 Sitzplätze und maximal 365 Stehplätze (wenn man wie branchenüblich damit rechnet, dass sich vier Personen einen Quadratmeter teilen können). Es gibt vier WCs, eines davon behindertengerecht, ferner ein Mini-Bistro, ein kleines Erste-Klasse-Abteil. Außerdem ist der Zug klimatisiert. Fritz Czeschka nimmt gleich mal auf einem der grau melierten Sitze Platz. „Passt“, sagt der Leiter der Bayerischen Eisenbahngesellschaft zufrieden. Die Polsterung ist „etwas straff“, die Beinfreiheit geht so. Aber besser als die durchgesessenen alten Wagen der Deutschen Bahn, so scheint’s, ist das allemal.

Zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember soll der „Flirt“ auf die Strecke zwischen München und Salzburg/Kufstein geschickt werden. Dann übernimmt der französische Konzern Veolia den Bahnbetrieb von der DB.

Doch es gibt Probleme: Die Züge, hergestellt von der Firma Stadler in Berlin-Pankow, werden nur zum Teil rechtzeitig fertig. 15 der 35 bestellten Züge werden fehlen, bestätigte gestern der Geschäftsführer von Stadler, Michael Daum. Er führt das auf eine erschwerte Zulassung zurück. Zur Stunde hat noch kein einziger Zug die Fahrgenehmigung. Zuletzt habe das Eisenbahn-Bundesamt mitten in der Bauphase neue Nachweise für die Festigkeit von Achsen gefordert, was den Zeitplan durcheinander gewirbelt habe.

Der politisch Verantwortliche, Bayerns noch amtierender Verkehrsminister Martin Zeil (FDP), hatte von lokalen Mandatsträgern, etwa dem CSU-Abgeordneten Klaus Stöttner, noch im Sommer warnende Briefe erhalten. Zeil ließ sich gestern in Rosenheim nicht blicken. Dafür Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, der die Klagen über das EBA nicht zum ersten Mal hörte. Da müsse man an kleinen, aber entscheidenden Stellschrauben drehen – etwa der, dass im neuen „Handbuch Eisenbahnfahrzeuge“ Normen „eingefroren“ werden. Das heißt: Ist die Baufertigung einmal angelaufen, darf der Hersteller nicht mit nachträglichen neuen Anforderungen traktiert werden.

Die täglich rund 10 000 Pendler, die allein zwischen Rosenheim und München unterwegs sind, werden sich für solche Feinheiten des Zulassungsprozesses wenig interessieren. Viel mehr aber für das, was der neue Meridian-Geschäftsführer Kai Müller-Eberstein nun bewerkstelliggen muss: ein Ersatzkonzept für die noch fehlenden Züge. Gleich mehrere Bahnunternehmen sollen einspringen: Zwei, eventuell sogar vier Züge kommen von der DB, einer von der Österreichischen Bundesbahnen ÖBB, einer von einer anderen Veolia-Tochtergesellschaft und zwei von der ODEG – der Ostdeutschen Eisenbahn GmbH. Ein kunterbunter Mix also, der da, zusammen mit einigen Flirts, zumindest einige Monate lang zwischen Salzburg und München verkehren wird. Auf den anderen Strecken – also Holzkirchen-Rosenheim und München-Kufstein – werden nur die sechsteiligen Flirts fahren, versicherte Müller-Eberstein.

Die fehlenden Züge haben auch für den neuen Fahrplan Folgen – nicht alle versprochenen Verbesserungen wie Expresszüge zwischen München-Ost und Rosenheim oder mehr Verbindungen im Berufsverkehr werden ab 15. Dezember kommen. Was genau angeboten wird, und was (noch) nicht, wissen die Verantwortlichen derzeit selber nicht genau. Parallel dazu muss Meridian den Vertrieb organisieren. Über 60 Fahrkartenautomaten werden aufgestellt – nicht alle bis 15. Dezember. Und es entstehen Kunden-Center etwa am Münchner Hauptbahnhof. Diese immerhin, versichert Meridian, würden rechtzeitig fertig.

Dirk Walter

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