Roland Koenig beim Schnitzen.
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Roland Koenig beim Schnitzen.

Roland Koenig und seine Kunstwerke

Holzkunst für Kinder: Der Spielplatz-Schnitzer von Obing

Papageien, Affen, Drachen oder ganze Luftschlösser. Die Holzfiguren von Rolo Koenig zieren Spielplätze in ganz Europa. Ein Werkstattbesuch bei einem, der für seinen Beruf immer Kind bleiben muss. Und daran größte Freude hat.

Obing – Im Moment sieht der Wolf eher noch aus wie ein Bär. Aber das wird schon. Zwei kurze Striche mit dem schwarzen Kohlestift auf den Eichenstamm, dort, wo später mal die Vorderbeine stehen sollen, dann schmeißt Roland „Rolo“ Koenig seine Kettensäge an. Ein letzter prüfender Blick, bevor er das Sägeschwert ins Holz drückt bis die Späne fliegen – und dem Bären geht es ans Fell. „Es ist faszinierend, wie sehr man das Holz mit der Säge spüren kann“, sagt Koenig. Stück für Stück purzeln die Holzkilos heraus und der Bär speckt ab zum schlanken Wolf.

In Rolo Koenigs Werkstatt in Obing im Kreis Traunstein entstehen bunte Holzfiguren, die später einmal in Privatgärten oder auf öffentlichen Spielplätzen landen. Auf einer Leine über der Arbeitsbank hängen an Wäscheklammern seine gezeichneten Entwürfe, eine Angewohnheit aus seiner Zeit als Fotograf, die er beibehalten hat. Ein kräftiger Orang-Utan, ein bärtiger Zauberer oder ein giftgrüner Drachenkopf – bei der Gestaltung seiner Figuren sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. „Ein bisschen Kind muss man schon bleiben bei dieser Arbeit“, sagt Koenig und lacht. Für ihn könnte es nichts Schöneres geben.

„Je verwunschener, desto schöner“, findet Rolo Koenig

Der 47-Jährige ist über Umwege zu diesem Beruf gekommen. Nach einer Fotografenlehre holte er sein Abitur nach, machte seinen Zimmermeister und Hochbautechniker. Vor 15 Jahren heuerte er bei der Firma Spielplatzgeräte Maier in Altenmarkt als Spielplatz-Entwickler an – und fand nicht nur einen Beruf sondern seine Berufung. Nach einigen Jahren fragte Koenig sich, ob man die Spielplätze nicht noch persönlicher, detailreicher gestalten könnte. „Ich habe angefangen probehalber etwas zu schnitzen.“ Eine Eule. Ein Seepferdchen. Erst mit Holzschlegel und Stemmeisen, dann mit der Kettensäge. „Mit der Säge sauber zu arbeiten, das liegt mir“, sagt Koenig. Mittlerweile sind die Holzfiguren aus der heimischen Werkstatt in der ehemaligen Dorfschmiede von Obing zu seinem Markenzeichen geworden. Als Gallionsfigur auf einem Piratenschiff, als tierische Bewohner einer Palmenwelt zwischen Rutsche und Kletternetz. Oder als riesiger Drache mit mehreren, mit Seilen verbundenen Körperteilen. „Je verwunschener, desto schöner“, sagt Koenig.

Ein Spielplatz-Schiff mit Koenigs Seepferdchen.

Am Anfang einer jeden Figur steht die Comic-Zeichnung. Seine Motive mit den runden Glupschaugen hat Koenig schon in der Jugend auf seine Schulordner gekritzelt. Jetzt werden sie plastisch, am liebsten aus dem Eichenholz eines nahe gelegenen Sägewerks. „Der erste Schnitt ist der schwierigste“, sagt der Kettensägen-Künstler. Wenn er mit zu viel Schwung ansetzt, wird aus dem Drachen schnell ein Würmchen.

Bei der Entwicklung seiner Figuren kann sich Koenig austoben. „Eigentlich gibt es keine Grenzen.“ Nur spitze Ecken und Kanten dürfen die Spielplatzfiguren nicht haben, wegen der Verletzungsgefahr für die Kinder. „Ganz ohne Herausforderung geht’s aber auch auf einem Spielplatz nicht“, betont Koenig. Beim Spielen, Klettern, Balancieren und Hangeln gehört das Scheitern für die Kinder ebenso dazu wie der Spaß – „sonst fehlt der Lerneffekt“.

Koenigs Herzensprojekt: Ein echtes Luftschloss im Wildpark Poing

Überhaupt sieht Koenig in seiner Arbeit auch einen pädagogischen Sinn. „Ein Gang zum Spielplatz wirkt der digitalen Degenerierung entgegen“, sagt der Entwickler. „Heute gibt es ja nicht mehr so viele Orte, wo Kinder ihre Körperlichkeit lernen können. Der Spielplatz gehört aber dazu.“ Und die größte Freude macht es dem vierfachen Papa natürlich, wenn er die Kinder dabei beobachten kann, wie sie staunend vor seinen bunten Figuren stehen. Mit ihnen reden oder sie mit Gras füttern wollen. Wenn sie eintauchen in die von ihm geschaffene Fantasiewelt. Und sich verzaubern lassen, wie er bei seinen ersten Zeichnungen.

Die Spielplätze der Firma Maier und damit auch die Figuren von Rolo Koenig stehen mittlerweile in ganz Europa. Sogar in Israel und Zypern können sich die Kinder auf den in Oberbayern entwickelten Anlagen austoben. Eines der Herzensprojekte Koenigs liegt aber ganz nah: Es war die Neugestaltung des Abenteuerspielplatzes im Wildpark Poing (Kreis Ebersberg). Im Zentrum: ein 15 Meter hoher blauer Turm mit zwei Rutschen, der nur von Stehlen gehalten wird. Ein echtes Luftschloss – erst im Kopf, dann in der Realität.

Die Ideen gehen Koenig dabei nicht aus. „Er hat immer schon das nächste Projekt im Kopf“, sagt seine Frau Simone und lacht. Ein Kinderbuch zum Beispiel will er schon lange mal verwirklichen. Oder einen kleinen Weihnachtsshop für adventlichen Krimskrams. Die Liste ist lang. Aber eins nach dem anderen. Erst mal muss aus dem Bär ein Wolf werden. Kettensäge an. Und los geht’s.

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