Honorarstreit betrifft auch Praxen in Bayern

München - Der Blick ist auf Berlin gerichtet. Scheitern die Gespräche der Ärzte mit den Krankenkassen über die Honoraranhebung, drohen auch in Bayern Patienten vor verschlossener Tür zu stehen. Lange Wartezeiten und weniger Zeit für chronisch Kranke wären die Folge.

Im bundesweiten Honorarstreit mit den gesetzlichen Krankenkassen sind Streiks der niedergelassenen Ärzte auch in Bayern wahrscheinlich. „Sollten die Gespräche an diesem Samstag scheitern, werden sich die Ärzteverbände in der kommenden Woche zusammensetzen und Aktionen besprechen“, sagte der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern, Martin Eulitz, am Freitag der Nachrichtenagentur dpa. Dann könne es auch zu Praxisschließungen kommen. Die Mediziner verhandeln mit den Kassen am Samstag in Berlin erneut über ihr Honorar. Die geplanten Steigerungen von 270 Millionen Euro für das kommende Jahr sind aus Sicht der Mediziner zu gering, sie hatten 3,5 Milliarden Euro mehr gefordert.

„Die Ärzteschaft ist kampfbereit. Sollte es keine Bewegung im Honorarstreit geben, werden weitere Eskalationsstufen besprochen“, sagte der Präsident der bayerischen Landesärztekammer, Max Kaplan, auf Anfrage. Denkbar sei zunächst ein „Dienst nach Vorschrift“ mit 20 Wochenstunden für die Patientenversorgung. Dabei blieben die Akutversorgung sowie die Notfall- und Schmerzbehandlung gewährleistet. Lediglich die Versorgung chronisch Kranker werde in diesem Fall reduziert und die Wartezeiten in den Praxen verlängert.

„Die allerletzte Stufe wären dann spontane, einzelne Praxisschließungen in Bayern“, erläuterte Kaplan. Dabei seien die Mediziner bemüht, dass die Patienten so wenig wie möglich belastet würden. In Bayern gibt es laut Landesärztekammer etwa 27 000 niedergelassene Ärzte.

Das Honorar der niedergelassenen Ärzte in Deutschland ist nach Angaben der AOK Bayern von 2007 bis 2011 um rund 18 Prozent gestiegen. In diesem Zeitraum habe sich der Verbraucherpreisindex nur um 6,5 Prozent erhöht, teilte die Krankenkasse am Freitag mit. Die Einnahmenentwicklung bei den niedergelassenen Ärzten liege somit weit über dem Anstieg des Verbraucherpreisindexes und der allgemeinen Lohnentwicklung.

Der Sicherstellungsauftrag liege bei der Kassenärztlichen Vereinigung, betonte der Sprecher der AOK Bayern, Michael Leonhart. Er sei sicher, dass es nicht zu Versorgungsengpässen kommen werde. „Die Kassenärztliche Vereinigung muss dafür sorgen, dass die Bevölkerung in Bayern zu jeder Zeit und in jeder Region versorgt wird.“

„Die Zunahme des Honorarbedarfs in diesem Zeitraum hat vor allem mit den gestiegenen Leistungen im ambulanten Bereich zu tun“, sagte Kaplan. Immer mehr ehemals stationäre Leistungen wie kleinere Operationen seien in die Arztpraxen verlagert worden. „Dadurch hat sich aber nicht das Einkommen der Ärzte erhöht“, betonte er.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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