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Krampus und Horror-Clown

Trend zu Halloween

Horror-Clown vs. Krampus: In Bayern hat das Erschrecken Tradition

München - In ganz Deutschland treiben Horror-Clowns ihr Unwesen. Ganz neu ist die Idee verkleidet durch die Straßen zu laufen und Passanten zu erschrecken nicht. In Bayern hat sie sogar eine lange Tradition.

Meldungen vermeintlicher Horror-Clowns in Bayern kursieren in den sozialen Netzwerken und in den Medien. Doch die verkleideten Clowns können einen gestandenen Bayer nicht aus der Ruhe bringen. Gruselig verkleidete Gestalten, die Passanten erschrecken, gibt es im Freistaat nämlich schon lange. Sie haben sogar Tradition. Und einen Namen. 

Der Krampus hat eine lange Tradition

Kramperl, Krampus, Krampn, Buttnmandl, Perchten oder Klausen (wie sie im Allgäu verbreitet sind) sind im alpenländischen Adventsbrauchtum fest verankert. Sie treten allerdings nicht in der Zeit um Halloween in Erscheinung.  Um die Zeit vor den 5. bis 6. Dezember - am Tag des heiligen Nikolaus - begleiten sie den Heiligen Nikolaus um die Kinder zu ermahnen brav zu sein. In anderen Orten wie in Bad Reichenhall und im österreichischen Salzkammergut ziehen sie gesammelt durch die Straßen (Krampuslauf), um Passanten mit ihren Ketten, Fellen und Ruten und furchteinflößenden, handgeschnitzten Masken zu erschrecken und sie zum Guten zu bekehren. Mancherorts stecken sie Passanten auch in einen Kartoffelsack und verschleppen sie in den Nachbarort.

Das „Kramperltratzn“ (in Teilen Österreichs: "Kramperlstauben") hat ebenfalls eine lange Tradition. Kinder und Jugendliche versuchen dabei den Krampus zu reizen (bairisch „tratzen“), ohne erwischt oder geschlagen zu werden. Wenn man in Bayern oder Österreich - vor allem auf den Land - mit diesen Traditionen aufgewachsen ist, ist man also schon einiges gewohnt. 

Auf der Facebook-Fanseite „I red boarisch und des is a guad so“ wird die Horror-Clown-Hysterie, die vor allem in den sozialen Medien kursiert, mit Humor aufgegriffen und ein Vergleich mit dem Krampus angestellt. Horror-Clowns und Krampusse stehen sich in einem Bild gegenüber: „Sie kemman! - Mir wartn!!“ lautet die Ansage. 

Horror-Clowns und der Krampus haben nichts miteinander gemeinsam

Außer ihrer gruseligen Erscheinung haben Horror-Clowns und der Krampus (oder die Perchten) allerdings gar nichts miteinander gemeinsam.

Das Wort „Krampus“ leitet sich vom altdeutschen Krampen (= „Kralle“) oder bairisch Krampn (= etwas Lebloses, Vertrocknetes, Verblühtes oder Verdorrtes) ab. Perchten sind im bayerischen-österreichischen Volksglauben ebenfalls häufig vertreten. Sie stammen jedoch aus einer anderen Tradition. 

Heimatpfleger erklärt den Perchten-Brauch

In den so genannten Rauhnächten (Anmerkung: Rauhnächte umfassen die zwölf Nächte ab dem Heiligen Abend) ziehen sie laut Karl-Heinz Spranger, Kreisheimatpfleger aus Ainring-Mitterfelden (Landkreis Berchtesgadener Land) als  „umherziehenden Geister der Toten“ umher. Bei den Perchtenläufen, bei der die maskierte Gestalten ebenfalls durch die Straßen laufen, sollen jedoch nicht kleine Kinder zum Guten ermahnt, sondern Geister (also die Perchten) verscheucht werden. 

In manchen Orten haben sich Kramperlbräuche und Perchtenbräuche stark vermischt. Laut Spranger sind Krampusse und Perchten zwei verschiedene Brauchgestalten „aus zwei völlig verschiedenen Bräuchen mit ursprünglich unterschiedlichem Aussehen“. Heute sähen sie jedoch oft gleich aus. 

Sowohl Perchten, als auch der Krampus haben in Bayern also eine lange Tradition. 

Dass der Horror-Clown, der in den Wochen vor Halloween in ganz Deutschland sein Unwesen getrieben hat, ebenfalls zu einem festen Brauch hierzulande wird, ist nicht zu hoffen. 

maw

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