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Einsatzkräfte stehen am 12.11.2015 vor einem Haus in Wallenfels. Die Polizei hatte in dem Anwesen in Wallenfels sterbliche Überreste von Säuglingen gefunden.

Eigenes Sexualleben über Menschenleben gestellt

Horror-Mutter vor Gericht: Sie soll Säuglinge getötet haben  

Coburg - In Coburg beginnt am Dienstag der Prozess um eine Serie von Babymorden, die 2015 bundesweit für Entsetzen sorgte: Angeklagt ist eine 45 Jahre alte Frau, die acht Kinder geboren und dann getötet haben soll.

Mit angeklagt ist ihr Mann - die Staatsanwaltschaft sieht bei beiden "sexuellen Egoismus, Gleichgültigkeit und Gefühllosigkeit".

Über Jahre scheint in dem nur 2800 Einwohner zählenden Wallenfels niemand etwas von den ständigen Schwangerschaften der mit ihrem zehn Jahre älteren Mann mitten im Ort lebenden Andrea G. mitbekommen zu haben. Doch im November vergangenen Jahres, wenige Wochen nach dem Auszug der Frau aus ihrer Wohnung zu einem neuen Lebensgefährten, entdeckte eine Anwohnerin in dem Haus einen toten Säugling.

Die alarmierte Polizei deckte bei der folgenden Durchsuchung das ganze Ausmaß des Dramas auf, das sich über Jahre in dem Haus abspielte. An verschiedenen Stellen des Gebäudes entdeckten die Ermittler insgesamt acht in Tücher und Plastiktüten gewickelte Babyleichen. Es ist ein Fall von einem äußerst seltenen Ausmaß - 2005 wurden in Brandenburg einmal neun Babyleichen entdeckt.

Versteckte Baby-Leichen waren zum Teil schon stark verwest 

Die in Wallenfels gefundenen Leichen waren zum Teil so stark verwest, dass sich nicht mehr nachweisen ließ, ob die Säuglinge lebensfähig waren. Deshalb konnte die Staatsanwaltschaft die in Untersuchungshaft sitzende Frau nur wegen vierfachen Mords anklagen, ihr auf freiem Fuß lebender Mann wurde wegen Beihilfe zu den Taten angeklagt.

Die Anklage der Staatsanwaltschaft zeugt von einer großen Rohheit der beiden Beschuldigten, bei denen Verhütung offensichtlich nie ein Thema war. Sie hatte zwei Kinder in die Ehe gebracht, er ebenfalls, danach bekamen sie noch drei weitere gemeinsame Kinder.

Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden vor, dass sie zwar nach der Geburt des jüngsten lebenden Kinds wegen der finanziellen und zeitlichen Belastung keine weiteren Kinder mehr gewollt hätten. Dennoch hätten sie weiterhin etwa ein- bis dreimal die Woche ohne Verhütung Sex gehabt. Auch eine Sterilisation hätten sie nicht durchführen lassen.

In den Jahren 2003 bis 2013 war G. fast ständig schwanger. Alle ein- bis eineinhalb Jahre habe sie allein und ohne ärztliche Hilfe zu Hause ein Kind zur Welt gebracht. Sobald sie bemerkt habe, dass ein Neugeborenes schrie und folglich lebte, habe sie dem Kind ein Handtuch auf Mund und Nase gedrückt, bis es erstickte, und danach die Leiche entsorgt.

Ihr schon vor dem Auffliegen der Taten getrennt lebender Mann habe von den Schwangerschaften gewusst, befand die Staatsanwaltschaft. Ihm sei es aber ebenso wie seiner Frau nur darum gegangen, uneingeschränkt sexuell aktiv sein zu können. Das Handeln seiner Frau habe er billigend in Kauf genommen.

Der Wallenfelser Bürgermeister Jens Korn (CSU) hatte unmittelbar nach der Tat von "Fassungslosigkeit und Entsetzen" in dem Ort gesprochen und betont, in seinem Städtchen kenne doch jeder jeden. Gerade erst lobte der Bürgermeister seinen Ort im Stadtrat wegen der niedrigen Kriminalitätsrate als besonders friedlich. Doch ab der kommenden Woche dürfte seine Gemeinde aufgewühlt verfolgen, was mitten unter den friedliebenden Wallenfelsern geschah.

AFP

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