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Die wegen Mordes an ihrem acht Monate alten Sohn angeklagte Angelina-Michaela H. verdeckt am Freitag (17.12.10) im Schwurgerichtssaal im Landgericht in Weiden neben ihrem Verteidiger Tobias Konze ihr Gesicht mit einem Ordner.

Horror-Mutter eiskalt: Ich fühle mich wie befreit

Weiden - Dieser Fall sorgt für Fassungslosigkeit im Gerichtssaal in Weiden. Eine 25-Jährige tötete ihr acht Monate altes Kind, weil es ihrer Ansicht nach, ihre Figur zerstört hatte.

Erst im September klagte Oberstaatsanwalt Gerhard Heindl im Weidener Schwurge­richtssaal eine Mutter an, die ihre Tochter verhungern ließ. Doch was er am Freitag gegen Angelina H. (25) vorzubringen hatte, war nochmals um einiges drastischer: „Die Angeklagte tötete ihr Kind, weil sie es nach einer ungewoll­ten Schwangerschaft … verstärkt ablehnte und hasste. Sie war der Überzeugung, dass das Kind ihren Körper durch die Schwangerschaft zerstört und ... ihre Haut gedehnt hatte.“

Fassungslosigkeit im Saal, kalte Teilnahmslosigkeit auf der Ankla­gebank. Angelina H., die ein Wei­dener Gymnasium besucht hatte und Medizin studieren wollte, saß nur mit verschränkten Armen da und grinste zwischendurch ihren Anwalt an. Sonst schwieg sie. Am Pfingstmontag 2010 hatte sie ihren Ex per Handy aufgefordert, wie immer seinen Sohn abzuho­len. Doch als Jürgen B. (37) in die Wohnung im Karl-Heimann-Block kam, sagte Angelina H. nur „the worst case“ und zeigte stumm auf die Badezimmertür. Dort lag die Leiche des acht Mo­nate alten Gero seit drei Tagen auf der Waschmaschine. Staatsan­walt Heindl: „Sie hielt ihm die Nase zu … , stopfte einen Pullover in seinen Mund … , drückte die Kehle zu.“ 30 Minuten muss Ge­ros Todeskampf gedauert haben.

„Ich fühle mich jetzt befreit“

Als kurz darauf die ersten Poli­zisten kamen, trafen sie auf eine gelöste Tatverdäch­tige: „Ich fühle mich jetzt befreit“, sagte sie. Und schob hinterher: „Ich möchte noch mal erwähnen, dass es mir nicht leid tut, dass ich meinen Sohn getötet habe.“ Wie kann eine Mutter so gefühls­kalt sein? Die Antwort ist offen­bar in Angelina H.’s Jugend zu suchen: Ihre Eltern trennten sich früh, ihre Mutter hatte wechseln­de Partner. Das Mädchen wuchs mit fünf Stiefgeschwistern auf. Offenbar keine schöne Erinner­un­g: „Kinder machen nur Lärm und Dreck“, sagte sie später.

Mit 15 begann sie, sich zu ritzen, kam mit Halluzinationen in ein Bezirkskran­ken­haus. Auch ein Suizidversuch steht in ihren Akten. Mit 22 wird sie wegen Trunkenheit und Un­fallflucht auffällig, kurz nach Geros Geburt im September 2009 randaliert sie und verletzt Polizisten.

Geros Geburt war für sie offenkundig kein Anlass, ihr Leben zu ändern. Fest steht: Das Kind war ungeplant und unge­wollt. Angelina H. wollte es „austragen“, aber dann zur Adop­tion freigeben. Als das nicht klappte, versorgte sie den Bub gerade ­mal mit dem Nötigsten. „Auf ein Kuscheln habe ich verzichtet, ich wollte das um Gottes Willen nicht“, diktierte sie den entsetzten Beamten ins Protokoll. Sie sprach von Selbstmordgedanken – aber nicht aus Verzweiflung über ihre Schuld. Ein Kripo-Beamter ges­tern im Prozess: „Ihr war es egal, ob sie ins Gefängnis muss, weil ihr Leben im zerstörten Körper keinen Sinn mehr habe.“

Nach dem Mord legte sie sich schlafen, kaufte später Bier und Zigaret­ten ein. „Ich lebte mein Leben normal weiter, hatte jetzt ja keine Verpflichtungen für das Kind mehr.“ Das Urteil soll am Tag vor Hei­ligabend fallen.

tz

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