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Das Gymnasium soll reformiert werden. Ministerpräsident Horst Seehofer bezeichnete das alte G8 als "Quickie".

Reform der Mittelstufe

Seehofer bezeichnet G8 als "Quickie"

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München - Die CSU-Fraktion will am Mittwoch die Reform des Gymnasiums beschließen. Die von Kultusminister Spaenle angekündigte verlängerte Mittelstufe lässt Spielraum für Interpretationen. Horst Seehofer qualifiziert hingegen das G8 eindeutig ab.

Der Bayerische Philologenverband, die Standesvertretung der Gymnasiallehrer, gibt nicht auf. In einem Brief an den CSU-Landtagsabgeordneten wirbt Verbandschef Max Schmidt erneut für „eine grundsätzliche Rückkehr zum G9“. Das sei „nach wie vor der bessere Weg“, heißt es am Ende des zweiseitigen Schreibens.

Doch Schmidt ist Realist genug, um zu wissen, dass es dazu nicht kommen wird. Die „Mittelstufe plus“ ist die einzige Konzession, zu der die CSU bereit ist. „Mittelstufe plus“ bedeutet, dass es am Gymnasium nach der siebten Klasse eine Wahlmöglichkeit geben wird: Der Schüler darf die 8. bis 10. Jahrgangsstufe wie gehabt in drei oder aber – das ist neu – in vier Jahren absolvieren.

Regulär eingeführt werden soll die verlängerte Mittelstufe wohl im Schuljahr 2017/18. „Ich möchte sie vorher aber in einer Pilotphase erproben“, sagte Kultusminister Spaenle (CSU) unserer Zeitung.

Einige Konditionen der „Mittelstufe plus“ sind noch unklar. Etwa die Kosten. Mit „400 zusätzlichen Klassen, vielleicht sogar noch mehr“ rechnet Philologenchef Schmidt. Da sind mehr Lehrer nötig. Zur Frage, wie attraktiv die neue Mittelstufe sein darf, gibt es entgegengesetzte Erwartungen: Wenn sie am Ende alle Schüler wählen, dann wäre durch die Hintertür ein G9 eingeführt.

Seehofer bezeichnet G8 als Schnellschuss

Genau das haben die Philologen im Sinn. Sie warnen vor einem „Ansehensverlust“ der Mittelstufen-Schüler. „Das Angebot sollte keinesfalls von vorneherein nur bestimmte Zielgruppen wie leistungsschwache Schüler oder Wiederholer im Fokus haben.“ Genau das aber hat der Kultusminister im Sinn: „Es geht um die Schüler, die mehr Zeit brauchen“, sagt er. Die neue Mittelstufe sei zu wählen, „wenn die Entwicklung des Kindes es notwendig macht“. Mit anderen Worten: Für die Mehrheit der Schüler soll weiterhin das G8 der Normalfall sein.

Genauso sieht es auch der Geschäftsführer der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft, Bertram Brossardt: Die Staatsregierung bekenne sich „klar zum achtjährigen Gymnasium“. Zwei Lerngeschwindigkeiten in der Mittelstufe nennt Brossardt einen „diskussionswürdigen Ansatz“.

Auch bei der Frage, wann die „Mittelstufe plus“-Schüler die Mittlere Reife haben, hat sich Spaenle festgelegt. Er antwortet darauf: „Wenn sie die 10. Jahrgangsstufe und die Inhalte erworben haben.“ Bei Schülern der verlängerten Mittelstufe also nach dem 11. Schuljahr, nicht nach dem 10., wie es die Philologen gerne hätten.

Die „Mittelstufe plus“ ist nur ein Ausschnitt, wenn auch ein wichtiger, aus einem Gesamtpaket zur Reform des Gymnasiums. Darin verabschiedet die Partei vom alten G8, das Ministerpräsident Horst Seehofer am Dienstag flapsig als „Quickie“, also Schnellschuss, abqualifizierte.

Die CSU-Fraktion, die im fränkischen Kloster Banz tagt, will trotz Einwänden etwa von Thomas Goppel oder Karl Freller am Mittwoch eine Resolution zum Gymnasium verabschieden. Darin enthalten sind auch andere „Säulen“ (Spaenle) des Gymnasiums: ein neuer Lehrplan und eine Benotung ohne unangesagte Exen.

Eine weitere Resolution soll es zur Ganztags-Grund- und Förderschule geben. Eine Arbeitsgruppe der Landtagsfraktion hat ambitionierte Ziele. So soll Ganztagsunterricht ähnlich wie die Betreuung im Kindergarten individuell buchbar sein. Im Kultusministerium fürchtet man sich schon vor den Kosten dieser schönen Idee. Auch in der CSU-Fraktion gärt es.

Dirk Walter

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