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In den 77 Apartments des Hotels Hohenaschau könnten am Juli rund 160 Flüchtlinge unterkommen. Doch die Pläne der Eigentümer, alle Zimmer zu vermieten, sind in Aschau umstritten.

Gemeinde Aschau droht mit Klage

Hotel soll Flüchtlingsheim werden

Aschau - In Aschau wird diskutiert, ein Hotel in ein Flüchtlingsheim umzuwandeln. Bereits jetzt sind elf Apartments an Asylbewerber vermietet. Die Umnutzung des gesamten Hauses ist umstritten – und könnte ein juristisches Nachspiel haben.

Heike Schillbach ist in einer schwierigen Situation. Seit neun Monaten ist sie Pächterin des Hotels Hohenaschau. Es ist eines der beiden großen Hotels in der Gemeinde Aschau, 77 Apartments stehen für Urlauber zur Verfügung. Auf seiner Internetseite wirbt das Drei-Sterne-Haus mit dem Chiemsee, der Kampenwand und dem Wellnessbereich. Doch seit einigen Tagen weiß Heike Schillbach nicht recht, was sie sagen soll, wenn potientielle Gäste sich bei ihr telefonisch nach einem Zimmer erkundigen. Denn wie es mit dem Hotel ab Juli weitergeht, wird in der Gemeinde gerade leidenschaftlich diskutiert.

Betrieben wird das Hotel von einer Gesellschaft mehrerer Eigentümer. Anfang November hatte eine Eigentümerin ihre elf Apartments im Haus an rund 20 Flüchtlinge vermietet. Zum Jahresende entschieden auch die anderen Eigentümer, die 66 weiteren Apartments zur Unterbringung von rund 160 Flüchtlingen an das Landratsamt zu vermieten. „Unser Ziel war es immer, ein funktionierendes und mit guten Bewertungen geführtes Hotel zu betreiben“, sagt Günther Wagner, dem 15 Apartments in dem Gebäude gehören. Das sei aber nicht möglich, wenn in einigen der Zimmer Asylbewerber leben. Die elf Zimmer, in denen Flüchtlinge untergebracht sind, liegen verteilt in allen Etagen des Hotels. Gäste fühlten sich von den exotischen Gerüchen aus den Kochnischen gestört. Andere reagierten irritiert, als sie auf den Gängen Flüchtlingen begegneten. Denn davon ist auf der Internetseite nichts zu lesen. Dafür haben Hotelgäste in einem Bewertungsportal bereits auf die doppelte Nutzung als Flüchtlingsheim und Hotel hingewiesen – kombiniert mit einer schlechten Bewertung. Eigentümer Günther Wagner kann das nicht nachvollziehen, er sagt: „Die Allgemeinheit sollte sich glücklich schätzen, dass Privateigentümer ihre gut ausgestattenen Hotelzimmer zur Verfügung stellen und die Flüchtlinge nicht in einer Turnhalle oder Zelten übernachten müssen.“ Heike Schillbach kann indessen nur versuchen, ihren Gästen die Situation zu erklären. Und sie hat damit begonnen, Reservierungen ab dem 30. Juni zu stornieren, um nicht erst kurzfristig absagen zu müssen. Doch noch ist keine Entscheidung gefallen. Und wann sie fällt ist noch völlig offen.

Gemeinde hat sich bereits juristischen Rat eingeholt

Denn in der Gemeinde Aschau hat sich Widerstand gegen die Pläne formiert. Juristische Auseinandersetzungen sind zu erwarten. Die Gemeinde Aschau hat sich bereits juristischen Rat eingeholt. Sie besteht auf die Hotelnutzung. Der Gemeinderat hat in Briefen an Regierungspräsident Christoph Hillenbrand und Landrat Wolfgang Berthaler darauf hingewiesen, dass der 2014 mit dem ADAC-Tourismuspreis ausgezeichnet Fremdenverkehrsort Aschau nur über zwei größere Hotels verfügt und das Hotel Hohenaschau daher unbedingt nötig sei. Zumal eine Umnutzung dem Baurecht widerspreche. Eigentlich. Denn das neue Bundesgesetz zur Beschleunigung der Asylverfahren ermöglicht in Ausnahmefällen baurechtliche Abweichungen.

Auch Heribert Lang behält sich vor, gegen die Umnutzung des Hotels zu klagen. Er ist Eigentümer eines Apartments aber auch Betreiber des Restaurants „Zur Burg“ im benachbarten Altgebäude. Wenn das Hotel zum Flüchtlingsheim umgewandelt werde, habe das für ihn existenzgefährende Auswirkungen, sagt er. „Dann kann ich zusperren.“ Hotels würden in Aschau dringend benötigt – schon um Busreisegesellschaften aufnehmen zu können, argumentiert Lang. Die Gemeinde bemüht sich tatsächlich intensiv daraum, ein weiteres Sondergebiet für ein hochklassiges, größeres Hotel auszuweisen.

Wie es mit dem Hotel Hohenaschau weitergeht, ist offen. Noch liegt keine Zusage zur Kostenübernahme seitens der Regierung von Oberbayern vor, betont Oliver Winter, der Büroleiter von Landrat Wolfgang Berthaler. Doch täglich werde mit ihr gerechnet. Sobald sie da ist, kann ein entsprechender Mietvertrag umgesetzt werden. Die Eigentümergesellschaft strebt einen Einjahresvertrag mit dem Landratsamt an. Dann solle das Haus wieder zum Hotel umgewandelt werden. Heike Schillbachs Pachtvertrag würde während dieser Zeit umgewandelt. Sie würde das Haus als „Ort der Begegnung“ leiten. Eine Aufgabe, die sie annehmen wird, betont sie. Noch hat sie in der ganzen Debatte um die Zukunft des Hauses ihren Optimismus nicht verloren. Sie sagt: „Wir sind überzeugt, dass wir einen positiven Ort der Integration schaffen können.“

Heike Duczek, Katrin Woitsch

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