200 Einsatzkräfte vor Ort

Hotelschiff rammt Brücke: So ereignete sich das Unglück

Erlangen - Nach dem tragischen Ende einer Flusskreuzfahrt kurz nach dem Start in Erlangen bleibt vor allem eine Frage offen: Warum veränderte das Führerhaus seine Position nicht?

181 Passagiere, die meisten davon US-Amerikaner, und 49 Besatzungsmitglieder waren in der Nacht auf Sonntag in Erlangen mit dem Hotelschiff „Viking Freya“ unter Schweizer Flagge aufgebrochen. Sie wollten komfortabel in die ungarische Hauptstadt Budapest reisen, für Abwechslung an Bord sollten eine Minigolf-Anlage und ein Kräutergarten sorgen. Bei Tageslicht hätten bodentiefe Restaurantfenster beste Aussicht ermöglicht.

Doch weit kamen die Urlauber in dieser Nacht nicht. Noch auf Erlanger Flur streifte das Schiff ersten Erkenntnissen zufolge eine Straßenbrücke, die über den Main-Donau-Kanal führt, dann rammte es gegen 1.30 Uhr eine etwas niedrigere Eisenbahnbrücke aus grünem Stahl. Bei dem Aufprall wurde das Führerhaus zertrümmert, zwei Crew-Mitglieder ungarischer Herkunft wurden in der Schiffsbrücke eingeklemmt. Der 49-jährige Schiffsführer, der das Steuer in Vertretung des Kapitäns in der Hand hatte, und der 33-jährige Matrose konnten nur noch tot geborgen werden. Alle anderen Personen an Bord kamen mit dem Schrecken davon.

Kurioses Bild für die Einsatzkräfte vor Ort

Wie es zu dem Unglück kommen konnte, ist der Polizei bislang ein Rätsel. Offen bleibt die Frage, warum das Führerhaus seine Position nicht verändert hatte. „Das Führerhaus kann man absenken, um unter Brücken durchzufahren“, erklärt Michael Petzold vom Polizeipräsidium Mittelfranken. Doch diesmal war es nicht auf das Level des Decks angepasst worden. „Vielleicht war es menschliches Versagen, vielleicht ein technischer Defekt oder eine Kombination aus beidem“, mutmaßt er.

Den 200 Einsatzkräften, die zur Unfallstelle eilten, bot sich ein kurioses Bild. Mitten in der Nacht warteten die Passagiere im hell erleuchteten Bord-Restaurant an weiß gedeckten Tischen oder in ihren Kabinen. Über das Deck verteilt lagen Glassplitter, Kunststoff- und Stahltrümmer. Zunächst vertauten die Einsatzkräfte das Schiff am Ufer, damit es nicht abtreiben konnte, mit Leitern gelangten die ersten Notfallseelsorger an Bord und versuchten, sich mit den meist nur englischsprachigen Gästen zu verständigen. Zur Bergung der beiden Leichen musste schweres Gerät eingesetzt werden. Doch die Evakuierung der Passagiere und Seeleute war erst Stunden später möglich. „Zunächst musste das Technische Hilfswerk einen Metallsteg bauen, eine Art Baugerüst“, erklärt der Polizeisprecher.

"Alles lief sehr geordnet ab"

Über diese Notbrücke gelangten gegen 6 Uhr die Reisenden an Land. „Alles lief sehr geordnet ab“, berichtet Daniel Bösch von der Feuerwehr Erlangen. „Wir können von großem Glück sprechen, dass es keine Verletzten gab.“ Laut Bösch brachten Stadtbusse die Evakuierten in das Gemeindezentrum im benachbarten Frauenaurach, wo sie registriert und auf Hotels verteilt wurden. Nach Angaben der Reederei können sie nun wählen, ob sie nach Hause zurückkehren oder die Reise fortsetzen wollen. Über die Geschehnisse zeigte sich das Schiffsunternehmen betroffen. „Es zerreißt uns das Herz“, sagte ein Sprecher von Viking River Cruises. Mitarbeiter seien nach Nürnberg entsandt worden, um mit den Behörden die Details des Unfalls zu ermitteln.

Das Unglück mit der „Viking Freya“, einem Motorfahrgastschiff Baujahr 2012, war heuer nicht der einzige Schiffsunfall in Bayern. Im Juni waren zwei Passagierschiffe havariert. Nahe Bad Abbach stieß ein Flusskreuzfahrtschiff auf der Donau bei starker Strömung gegen einen Brückenpfeiler; bei Riedenburg prallte ein mit 500 Personen besetztes Kabinenschiff auf dem Main-Donau-Kanal gegen ein Baugerüst.

Corinna Erhard

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