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Kloster Andechs auf dem Heiligen Berg.

Hotelstreit am Heiligen Berg

Andechs - Am Heiligen Berg in Andechs wollten die Mönche einst ein Pilgerhotel bauen. Doch daraus wurde nichts. Jetzt versucht der Architekt, sein Honorar vor dem Landgericht einzuklagen.

Damals, als noch Frieden herrschte in der Abtei St. Bonifaz, da träumten die Mönche von einem Pilgerhotel mit 122 Zimmern am Fuße des Heiligen Berges in Andechs (Kreis Starnberg). Der Traum platzte: Es gab keinen Investor mehr, die Pläne verschwanden in der Schublade. Nur eines blieb übrig: Streit. Architekt Friedrich Adam Mayer verklagt die Abtei St. Bonifaz vor dem Landgericht München I auf 260 000 Euro Honorar, weil er gut ein Jahr lang an dem Hotel und zwei Häusern für das Personal geplant habe. Erst machte ihm das Gericht wenig Hoffnung – das Kloster habe ihn nicht beauftragt. Doch eine Aussage des früheren Priors von Andechs, Anselm Bilgri, macht die Sache wieder spannend. Das Kloster habe Mayer sehr wohl beauftragt.

Das Gericht war vorigen September schon drauf und dran, die Klage des Architekten aus Rottach-Egern (Kreis Miesbach) abzuweisen. Von Anfang an sei klar gewesen, dass das Kloster nur das Grundstück stelle und der Investor zahle, betonte der Vorsitzende Richter Ralf Mai. Auch wenn es „einen umtriebigen Geschäftsführer“ gab, der Aufträge erteilt haben soll, „dazu hatte er keine ausdrückliche Vollmacht“.

Diesen Stand der Dinge brachte Anselm Bilgri allerdings am Donnerstag ins Wanken. Bilgri, der als Cellerar Generalvollmacht besaß, habe Jürgen Schott, dem ehemalige Geschäftsführer der Klosterbetriebe, den Auftrag zur Planung erteilt. Schott habe dann das Projekt gestartet, also auch Architekt Mayer beauftragt. „Vorher habe ich das Einverständnis des Kapitels eingeholt“, betonte Bilgri. Das müsse nämlich bei einer höheren Summe – damals 30 000 Mark – zustimmen. Bilgri habe dem Konvent erklärt, dass ein Investor die Kosten übernehmen solle. Er habe aber gleichzeitig darauf hingewiesen, „dass Kosten auf das Kloster zukommen könnten“, wenn man keinen Investor finde. Der Konvent habe trotzdem grünes Licht gegeben.

Auch Jürgen Schott berichtete Ähnliches wie Anselm Bilgri. Das Kapitel von St. Bonifaz habe das 27 Millionen Euro teure Projekt beschlossen. Die „Befehlskette“ habe dann gelautet: „Bilgri – Schott – Mayer“. Schriftlich liegen keine Verträge vor. Doch Schott, Bilgri oder beide zusammen hätten Mayer den Auftrag erteilt. „Wir waren die Ansprechpartner für die, die mit der technischen Umsetzung betraut waren.“

Odilo Lechner, Altabt von St. Bonifaz, sagte dagegen etwas ganz anderes aus. Konventsbeschlüsse, die einen Auftrag erteilt hätten, habe es „sicher nicht“ gegeben. Er erinnere sich nicht an eine Sitzung, in der Bilgri auf eventuelle Kosten für das Kloster hinwies. „Das würde im Protokoll stehen.“ Der Tenor sei immer gewesen: Der Investor trägt die Kosten. Richter Ralf Mai zeigte sich angesichts der widersprüchlichen Zeugenaussagen etwas ratlos. Die Kammer will sich noch beraten. „Wir gehen noch ein bisschen mit der Aussage von Anselm Bilgri schwanger“, sagte Mai, „welche juristischen Folgen das hat, wissen wir noch gar nicht.“ Das Urteil wollen die Richter am 23. April verkünden.

Der Streit um das Pilgerhotel am Heiligen Berg ist auch eine neue Runde im Streit zwischen der Abtei St. Bonifaz und Anselm Bilgri sowie Jürgen Schott. Der Cellerar und der Geschäftsführer waren im Unfrieden von der Abtei geschieden. Es folgten Prozesse zwischen Schott und dem Kloster. Vielleicht sitzt auch Bilgri bald seinen ehemaligen Brüdern gegenüber. Denn das Kloster hat Bilgri und Schott eine „Streitverkündung“ geschickt. Damit drohen die Mönche, dass sie sie in Regress nehmen, sollten sie den Prozess gegen Friedrich Adam Mayer verlieren

Von Nina Gut

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