Abgewählt: Siegfried Gallus war vier Jahre lang Präsident des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands.

Hotelverband: Das Ende der „Ein-Mann-Show“

München - Es war denkbar knapp: Mit nur drei Stimmen Vorsprung hat der Hotelverband einen neuen Präsidenten gewählt. Dem alten Chef, Siegfried Gallus, wurde sein Führungsstil zum Verhängnis. Droht jetzt die Spaltung des Verbands?

Diesmal gab es kein Zurück. Diesmal zog Ulrich Brandl durch. Und gewann – knapp, mit 53 zu 50 Stimmen. Diesmal. Bereits vor zwei Jahren war er beinahe soweit. Jetzt sprechen viele von einem Denkzettel. Schon damals, im Oktober 2008, brodelte es in den Reihen des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (BHG). Heftiger Streit entbrannte über den Führungsstil des Präsidenten Siegfried Gallus. Er sei nicht teamfähig, hieß es, reiße alles an sich, fahre selbst zu jedem noch so unwichtigen Termin, könne nicht delegieren. Ulrich Brandl, ein 49-jähriger Unternehmer aus Zettisch in der Oberpfalz, wollte gegen Gallus kandidieren. Eine Kampfkandidatur. Doch der Präsident gelobte Besserung, versprach Kooperation. Brandl ließ sich beschwichtigen, zog zurück. Gallus bekam noch eine Chance. Wie sich jetzt herausstellt: seine letzte.

„Es war in erster Linie eine Frage der Führung“, erklärt Thomas Domani den Ausgang der Abstimmung. „Brandl steht für Teamfähigkeit, er ist Visionär“, schwelgt der neu gewählte Schatzmeister. „Er wird zeigen, dass Verbandsarbeit auch anders geht.“ Anders als unter Siegfried Gallus.

Denn: „Der Siggi ändert sich nie“, stellt Franz Bergmüller fest. Auch er hat für Brandl gestimmt. „Siggi hat vor zwei Jahren versprochen, die Ein-Mann-Show zu beenden. Das hat er nicht getan“, ärgert sich der Chef des Raucher-Aktionsbündnisses und BHG-Mitglied. Beide Kandidaten ließen sich auf eine einfache Formel reduzieren: „Selbstherrlichkeit kontra Kooperation.“

Und doch hat „der Selbstherrliche“ beinahe die Hälfte der Stimmen geholt. Es gibt nicht nur Zorn, es gibt auch viel Respekt. Kaum einer hat sich mit solcher Kraft eingesetzt, heißt es. „Er hat viel erreicht“, lobt ihn der Sieger, der neue Präsident Brandl. „Es war keine Kampfabstimmung, sondern ein normaler, demokratischer Vorgang“, betont BHG-Sprecher Ulrich John. Keine Kampfabstimmung, bei 53 zu 50 Stimmen?

Der neue Präsident weiß, was er jetzt zu tun hat. Er muss die 50 Gegenstimmen hinter sich bringen, sonst droht die Spaltung. „Er muss sie wieder ins Boot holen“, mahnt auch Schatzmeister Domani. Vermutlich deswegen war es auch Brandls Vorschlag, Gallus zum Ehrenpräsidenten zu ernennen. „Natürlich in Absprache mit dem Präsidium“ betont Brandl. So ist er eben, sein neuer Führungsstil. Und der beinhaltet auch, die Basis wieder einzubinden. Brandl will Mittler sein, nicht nur Entscheider. Und Themen warten reichlich auf ihn: Zum Beispiel der anhaltende Streit über den reduzierten Mehrwertsteuersatz für die Branche. „Wir haben investiert, jetzt brauchen wir Planungssicherheit“, sagt Brandl. Oder die Idee des Innenministers Joachim Herrmann, die Sperrstunde auf 2 oder 3 Uhr festzulegen. „Das ist einfach nicht zeitgemäß“, retourniert der Präsident.

Gallus selbst war gestern nicht zu sprechen. Vermutlich ist es einigen Delegierten recht, wenn sich der Ex-Präsident eine Weile zurückhält. „Wir haben jetzt einen neuen Start“, sagt Angela Inselkammer aus Aying, die ebenfalls neu ins Präsidium gewählt wurde. „Das sehen wir positiv.“

Thomas Schmidt

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