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Dieser Hund hat in Langenpreising ein Reh gerissen und es mitsamt Kitz getötet. Der Kreisjagdverband erstattete Anzeige. 

Tiere töteten Rehe

Jäger zu Wildriss: Hund und Halter müssen ausgebildet werden

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München - Nach mehreren Fällen von Wildriss durch Hunde in der Region haben wir mit einem Experten gesprochen: Jäger Thomas Schreder fordert eine Ausbildungspflicht für Tier und Mensch. 

Mit dickem Bauch läuft es sich schlecht. Deshalb werden trächtige Rehe zur leichten Beute für Hunde. 

So war es Mitte März bei Langenpreising (Kreis Erding), wenige Tage später hetzte ein Hund bei Kollbach (Kreis Dachau) ein Reh zu Tode. Solche Fälle häufen sich. Um ein Zeichen zu setzen, habe man den in Langenpreising sofort der Polizei gemeldet, sagt Oberbayerns Jäger-Chef Thomas Schreder. Ein Gespräch über wildernde Hunde und die Pflicht der Halter.

Herr Schreder, steckt in unseren Hunden noch mehr Wolf, als uns lieb ist?

Wild erkennt einen Hund als Nachkommen des Wolfs, also als natürlichen Feind. Deshalb nimmt es immer panisch reißaus. Das heimische Rehwild, das momentan trächtig ist, bräuchte aber Ruhe, um das Jungtier im Mutterleib groß werden zu lassen. Drohende Gefahr durch Hunde ist genau das Falsche. Mit einem dicken Bauch läuft es sich außerdem schlechter. Eine hochträchtige Rehgeiß kann nicht mehr so schnell fliehen.

Wildernde Hunde sind zunehmendes Problem

Sie sagen, wildernde Hunde seien ein „zunehmendes Problem“. Wie macht sich das bemerkbar?

Leider werden uns immer häufiger entsprechende Nachrichten zugespielt. Da gibt es zum Beispiel Fotos, auf denen ein Hund gerade einen Fötus aus dem Leib eines Rehs gerissen hat. Wir haben einen ganzen Ordner voll damit. Ich glaube nicht, dass ein Halter möchte, dass sein Tier so etwas tut. Deswegen wollen wir darauf aufmerksam machen.

Haben Sie Fallzahlen?

Bei Fuß: Thomas Schreders Hund folgt ihm aufs Wort. Doch der Jäger weiß, dass nicht alle Hunde so gut folgen. Die Fälle von wildernden Hunden häufen sich.

Die werden nicht dokumentiert, weil die Fälle einfach unterschiedlich gemeldet werden. Da sind bestürzte Revierpächter, die sich bei uns mit Fotos melden. Da sind Anzeigen bei der Polizei, so wie wir es jetzt gemacht haben. Es gibt aber auch Passanten, die anrufen, weil sie gesehen haben, wie ein Hund ein Reh hetzt.

Und die Hundehalter?

Ich mache das seit 13 Jahren und habe noch keine Mitteilung von einem Halter bekommen, der sagte: „Mein Hund hat gerade gewildert.“ Ich bin selbst Hundehalter. Wenn das Tier blutend zu mir käme, würde ich zuerst schauen, was mit ihm los ist. Geht es ihm gut, weiß der Hundehalter natürlich trotzdem nicht, wo das Blut herkommt. Da kann man nichts machen.

Ist jeder Hund gleich gefährlich?

Wenn ein Rauhaardackel vor einem Keiler steht, ist wahrscheinlich eher der Hund in Gefahr. Der Hund muss dem Wild erkennbar nachstellen und auch gefährlich werden können – so steht es im Gesetz. Aber natürlich kann auch ein Dackel einen kleinen Hasen aufspüren. Gerade junge Tiere haben noch keinen Fluchtreflex, sondern ducken sich weg. Eine potenzielle Gefahr ist da. Es gibt auch viele Fälle von Katzen, die Junghasen mitnehmen. Gefährdet ist alles, was gerade seine Jungen zur Welt bringt, von der Ente bis zum Reh. Wir haben jetzt draußen Kinderstube.

Hundebesitzer müssen in der Haltung geschult werden

Ein Besitzer könnte Ihnen entgegnen, dass sein Hund, wenn schon nicht in der Stadt, dann wenigstens im Wald von der Leine soll.

Wenn ich mir einen Hund zulege, muss ich ihn ausbilden. Die Jäger tun das längst. Wenn ich mit meinen Hunden draußen im Revier laufe und ein Hase taucht auf, dann bleibt mein Hund stehen. In der Regel ist es so, dass die Hunde außerhalb der Jagd seltenst ausgebildet sind. Ich erlebe täglich, dass Hunde über Felder laufen und die Hundehalter machtlos daneben stehen. Die Ausbildung des Hundes ist das A und O.

Ist das ein politischer Appell?

Ich plädiere schon dafür, dass Hunde und Hundehalter eine Ausbildung durchlaufen müssen. Wir bilden unsere Jagdhunde im Interesse der Wildtiere aus. Wir als Jäger sind ja auch deren Anwälte. Es gibt aber auch Menschen, die Angst vor Hunden haben. Der Halter muss einfach die Verantwortung übernehmen und dafür sorgen, dass andere nicht durch den Hund beeinträchtigt werden. Das gilt fürs Wild genauso wie für andere Besucher, etwa im Park.

Sie warnen auch davor, dass wildernde Hunde eine Gefahr für den Verkehr sein können. Wie das?

Diese Schnappschüsse von Hunden sind einfach tierisch

Am aktuellen Fall des gerissenen Rehs lässt sich das gut aufhängen. Der „Tatort“ war knapp 150 Meter von einer stark befahrenen Straße entfernt. Dort passieren immer wieder Wildunfälle. Die Jäger montieren Reflektoren und bringen Duftzäune an, um das Wild von der Straße fernzuhalten. Wenn es aber gehetzt wird, ist das alles sinnlos. Unfälle sind möglich. Wir machen uns jedenfalls Gedanken darüber.

Da haben Sie als Jäger wenig Handhabe...

Der Jagdschutzparagraf im Jagdrecht gibt uns die Möglichkeit, wildernde Hunde zu erschießen. Als Jäger ist man da in einer Zwickmühle. Warte ich, bis der Hund das Reh gebissen hat und erschieße ihn dann, ist das Reh nicht gerettet. Erschieße ich ihn, bevor er zubeißt, läuft das Reh weg, der Hund liegt mausetot da und ich habe keinen Beweis. Wir wollen diesen Paragrafen nicht anwenden.

Sie fordern deshalb: Hunde besser an die Leine. Gilt das nur jetzt in der Brut- und Setzzeit?

Das heimische Wild bringt seine Jungen von März bis Mitte Juni zur Welt, teils bis in den Juli hinein. Ich muss immer gewährleisten können, dass mein Hund keinen Schaden anrichtet. Die Tiere müssen unter Kontrolle sein.

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