Kein Biss, kein Maulkorb

Hunde verängstigen Anwohner

Raubling - Was muss passieren, damit Hunde als gefährlich eingestuft und zu Leinen- oder gar Maulkorbzwang verdonnert werden? Bei zwei Fällen in Oberbayern machen die Anwohner gerade ganz unterschiedliche Erfahrungen.

In Raubling (Kreis Rosenheim) sollen zwei Jagdhunde eines älteren Ehepaares seit 2008 mehrere Tiere angefallen haben. Gestern gab es deswegen eine Verhandlung vor dem Münchner Verwaltungsgericht. Am 6. November 2011 biss einer der Deutsch Drahthaare zum wiederholten Mal zu – ein Hund starb. Bereits 2008 hatte eines der Tiere zwei Terrier angegriffen und eine Katze totgebissen.

Nach einer weiteren Attacke auf einen Hund im Februar 2009 hatte die Gemeinde Raubling das Ehepaar darüber informiert, dass die Jagdhunde von nun an mit Leine zu führen seien. Die Rasse Deutsch Drahthaar gilt als kinderlieb. Mit 40 Kilo Körpergewicht und Jagdtrieb hat so ein Tier aber viel Kraft. Wenn sie wie im Raublinger Fall auf Beiß-Modus schalten, sind solche Hunde nur schwer zu halten. Nach dem 6. November 2011 wurden die Auflagen daher durch eine Maulkorbpflicht ergänzt.

Das Ehepaar hatte gegen die Auflagen und ein Zwangsgeld von 750 Euro vor dem Verwaltungsgericht geklagt. Sorglos hatte der 77-Jährige mit einem der Tiere weiterhin Spaziergänge ohne Leine gemacht. „Bisher waren es Hunde, aber was, wenn der auch mal ein Kind beißt?“, fragte eine Zeugin. Auf Anraten des Gerichts hat die Gemeinde nun genehmigt, dass der Hund zumindest außerhalb von Wohnbereichen frei laufen darf – mit Maulkorb und nur, wenn in 200 Metern Entfernung kein anderer Hund zu sehen ist.

In Eurasburg (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) beschäftigt ein anderer Fall gerade den Gemeinderat. Es geht um zwei Schäferhunde, die viel Zeit hinter Gitterzäunen verbringen. Immer öfter laufen die Tiere nach Auskunft verängstigter Eurasburger aber frei herum – ohne Maulkorb. „Die Postbotin ist von einem der Zähne fletschenden Tiere bedroht worden“, so eine Anwohnerin. Auch soll eine Reiterin attackiert worden sein. So lange nichts passiert ist, könne man nichts unternehmen, sagt dazu Eurasburgs Bürgermeister Michael Bromberger.

Denn bei der Gemeinde gemeldet wurde kein Vorfall. Zudem gibt es einen Kontrollbericht des Veterinäramts, das die Hunde 2011 unter anderem als nicht aggressiv einordnete. In beiden Fällen stellen sich Beteiligte die selbe Frage: „Was muss denn noch geschehen?“ Im Fall der Raublinger Jagdhunde fragte das der Richter die Hundehalterin. Diese vermutete ausdauernd eine „Hetzkampagne“ der Raublinger Bürger, anstatt die Gefahr einzugestehen, die von ihrem Tier nach den Beiß-Attacken nachweislich ausginge, wie es der Richter formulierte. Die Eurasburger warten derweil noch auf eine Reaktion der Gemeinde.

Von Johannes Markmann und Nina Daebel

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