Das Verwaltungsgebäude der Molkerei soll neu errichtet werden, daneben ein Hundertwasser-Turm.

Hundertwasser-Turm in Andechs kommt!

Andechs - Die Debatte um den Andechser Hundertwasser-Turm ist vorerst beendet – zumindest in punkto lokalpolitischer Hickhack. Mit knapper Mehrheit sprach sich der Gemeinderat für eine um vier Meter abgespeckte Version aus.  

Die Abstimmung verlief kurios bis dramatisch, und Schuld hatte die Bürgermeisterin Anna Neppel … Die Molkerei Scheitz, die fern des berühmten Heiligen Berges liegt, plant ein unter einem begrünten Hügel verstecktes Verwaltungsgebäude mit einem 24 Meter hohen Turm. Ideengeber ist der verstorbene Wiener Künstler Friedrich Hundertwasser. Heimat- und Denkmalschützer sehen den Plan kritisch, und im Dezember fiel der Antrag der Molkerei auch durch.

In der Sitzung am Donnerstagabend lobte nun Bürgermeisterin Neppel das Projekt, versicherte, dass die abgespeckte Form – ursprünglich war sogar ein 36 Meter hoher Turm geplant – nun ganz den Vorgaben des Gemeinderats entspreche und dass auch die Fraktionen damit leben könnten. Sie erwähnte allerdings auch, dass sie unter Druck stehe, da eine Liste mit 134 Unterschriften gegen den Erweiterungsbau vorliege. Außerdem habe Abt Johannes Eckert vom Kloster Andechs eine entsprechende Stellungnahme abgegeben, so Neppel. Dem gegenüber standen 350 Unterschriften von Biobauern, Bürgern und Mitarbeitern der Molkerei, die sich hinter das Projekt und den Erhalt von Arbeitsplätzen stellen. Während der Diskussion deutete dann auch alles auf eine mehrheitliche Zustimmung hin.

Für einen echten Gemeinderats-Knaller sorgte jetzt aber die Rathaus­chefin höchstselbst: Trotz ihres anfänglichen Lobs stimmte sie ohne Begründung gegen den Beschlussvorschlag der eigenen Verwaltung. Und mit ihr ihre Fraktion der Bürgergruppe und zwei Räte von der SPD. Während die Gegner der Scheitz-Pläne applaudierten, griffen sich die mehrheitlich vertretenen Befürworter fassungslos an den Kopf. Auf Flehen von Firmenchefin Barbara Scheitz, die schon ein Vermögen in die Planung gesteckt hat, wurde ein Antrag auf einen 20-Meter-Turm nachgeschoben. Den lehnten Neppel und die SPD ebenfalls ab, die Mehrheit aber nicht mehr. Doch ob der Turm nun wirklich gebaut wird, hängt von der Hundertwasser-Stiftung ab. Ob sie dem kleingestutzten Türmchen zustimmt?

Uli Singer

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