Hundetrainerin Isabel Boergen mit einem Hund auf einer Wiese
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Hundetrainer wie Isabel Boergen sind grade sehr gefragt, weil sich viele Menschen im Lockdown einen Hund gekauft haben. Doch Trainer und Hundeschulen dürfen aktuell höchstens online unterstützen.

Ärger über unsinnige Lockdown-Regel

Hundetraining nur online: Helfer und Halter sind verärgert

  • Katrin Woitsch
    vonKatrin Woitsch
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Sehr viele Menschen haben sich in der Pandemie einen Hund gekauft. Doch Hundetrainer dürfen aktuell in Bayern nicht arbeiten. Die Gründe sind schwer nachvollziehbar.

  • Hundetrainer dürfen während des Lockdowns in Bayern nur noch online arbeiten
  • Anfragen gibt es mehr denn je, weil sich viele Menschen in der Pandemie einen Hund gekauft haben
  • Verband fürchtet eine große Hunde-Abgabewelle in einigen Monaten

Isabel Boergen hätte gerade mehr zu tun denn je. Sie betreibt in München die mobile Hundeschule „Weltstadt mit Hund“. Die Anfragen haben sich in der Pandemie mehr als verdoppelt, berichtet sie. Und das wundert die 41-Jährige kein bisschen. Schließlich haben sich im vergangenen Jahr die Hundeanmeldungen in München verdreifacht. Bayernweit ist der Trend ähnlich. Viele Menschen nutzen das Homeoffice, um sich ein Haustier zu holen. Andere legen sich einen Hund zu, um nicht zu vereinsamen. Viele der neuen Hundebesitzer sind überfordert mit der Erziehung ihres neuen Mitbewohners. Doch Hundetrainer wie Isabel Boergen dürfen nicht helfen. Zumindest nicht in Bayern.

„Bayern ist eines von drei Bundesländern, dass die Hundeschulen als außerschulische Bildungseinrichtung kategorisiert“, erklärt sie. Und die dürfen wie Musik- oder Volkshochschulen im zweiten Lockdown nur online arbeiten. Die Kategorisierung ist falsch, sagt Boergen und verweist auf die EU-Norm. Das bestätigt der Internationale Berufsverband der Hundetrainer und Hundeunternehmer (IBH). „Im ersten Lockdown waren Hundetrainer noch als Dienstleister eingestuft“, erklärt die Vorsitzende Kirsten Berger. Weil die Entscheidung im Ermessensspielraum der Länder liegt, dürfen Hundetrainer nun in 13 Bundesländern arbeiten – in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen aber nicht. Das Gewerberecht sei nicht ausschlaggebend, es gehe um Kontaktvermeidung – so lautet die offizielle Begründung zum Beispiel aus NRW, berichtet Berger.

Auf lange Sicht werden wir viele verhaltensproblematische Hunde haben. Und überforderte Halter.

Kirsten Berger, Vorsitzende des Berufsverbands der Hundetrainer und Hundeunternehmer

Die Münchner Hundetrainerin Isabel Boergen kann darüber nur den Kopf schütteln. Sie könnte problemlos Abstand halten und Hundebesitzer und ihre Tiere beim Gassigehen begleiten – sogar mit Maske. Doch das ist verboten. „Meinen Kunden kann ich das nicht vermitteln“, sagt sie. Privat dürfte sie Hundehalter treffen, auch Spaziergänge sind ja erlaubt – aber den Hund beobachten und Tipps geben darf sie nicht. Boergen versucht nun, online zu helfen so gut es geht. Ideal sei das nicht, sagt sie. Zumal viele der Tiere über den Welpenhandel oder den Tierschutz zu ihren neuen Besitzern kamen und traumatisiert sind. „Bei Angst und Aggressionen kann man online kaum helfen.“ Boergen möchte die Hundebesitzer nicht allein lassen – aber hohe Strafen für Verstöße gegen die aktuelle Regelung will sie nicht riskieren. Anfragen von Hundehaltern, ob sie nicht heimlich helfen könnte, kommen ständig, berichtet sie. Vermutlich lehnen nicht alle bayrischen Hundetrainer das so strikt ab. Das sie langsam ihre Ersparnisse aufbrauchen muss, ist aber nicht Boergens einzige Sorge. „Viele Halter googeln jetzt einfach, wie sie ihren Hund richtig erziehen müssen“, glaubt sie. Und das könnte langfristig ein Problem werden, fürchtet sie.

Das vermutet auch die IBH-Vorsitzende Kirsten Berger. „Auf lange Sicht werden wir viele verhaltensproblematische Hunde haben“, prognostiziert sie. „Und viele überforderte Halter.“ Online-Angebote könnten das nur teilweise abfangen. Sowohl Boergen als auch der Verband haben sich bereits an Ministerien und Ämter gewandt – es kamen nur standardisierte Antworten zurück. Berger rechnet nicht damit, dass sich an der Regelung für Hundetrainer bald etwas ändern wird. Sie geht davon aus, dass die Tierheime in einigen Monaten sehr voll sein werden. „Es wird eine große Abgabewelle geben.“

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