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Die Zuwendung zu alten Menschen kommt in der Pflege oft zu kurz. Aber auch die Pflegekräfte haben es schwer.

Hungerlohn für Pflegekräfte

München - In Sonntagsreden wird die Tätigkeit von Pflegekräften gelobt. Ihre Arbeit findet aber oft weder in der Gesellschaft noch auf dem Gehaltszettel Anerkennung. Auf einem Symposium machten Mitarbeiter-Vertreter ihrem Ärger Luft.

Die heile Welt bei den Wohlfahrtsverbänden ist ins Wanken geraten. Zunder gab es in München beim Symposium der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (LAGFW) und der Gewerkschaft Verdi auch aus den eigenen Reihen. Da wurde nicht nur Kritik an der Sozialpolitik ganz allgemein geübt, die Mitarbeiter nahmen sich auch ihre Arbeitgeber zur Brust. Die Zeit der Selbstbeweihräucherung sei vorbei. Vor allem aber müsse endlich der gegenseitige Unterbietungswettbewerb aufhören.

Die „Soziale Arbeit“ ist ins Gerede gekommen. Stets aufs Neue wird zwar ihr hoher Wert betont, in barer Münze zahlt sich das für die im Sozialsektor tätigen Menschen aber nicht aus. Verdi-Mann Dominik Schirmer wartete mit Zahlen auf: Einer Untersuchung zufolge müssen 72 Prozent der Altenpfleger mit einem Bruttogehalt von unter 2000 Euro auskommen. Damit schrammten sie an der Armutsgrenze entlang. Auch wenn über 90 Prozent der Beschäftigten von einem hohen Sinngehalt ihrer Arbeit sprächen, leben könnten sie davon nicht.

Attraktiv macht dies einen solchen Beruf für junge Leute nicht gerade. Der bayerische Diakonie-Chef Ludwig Markert warnte eindringlich davor, mit ehrenamtlichen Kräften als Lückenbüßern fehlende Arbeitskräfte in diesem und anderen sozialen Feldern auffüllen zu wollen.

Ob in kirchlichen Verbänden oder anderen – überall hat das Wettbewerbsprinzip Einzug gehalten. In manchen greift auch das „Prinzip Schlecker“ um sich. Mitarbeiter werden an eine Leihfirma weiter gereicht und dann zu niedrigeren Löhnen beschäftigt. Pflegekritiker Claus Fussek appellierte an die Verantwortlichen: „Legt auf den Tisch, was gute Pflege kostet.“ Es dürfe doch nicht sein, dass die Mitarbeiter von Wohlfahrtsverbänden von ihrem Gehalt nicht leben könnten. Zugleich kritisierte Fussek die Zusammensetzung der Vorstände in den Verbänden, in denen meist auch Politiker säßen. Er vermisst die Kampfbereitschaft und zitierte den Kabarettisten Dieter Hildebrandt: „Wer überall die Finger drin hat, kann keine Faust mehr ballen.“

Die sechs in der LAGFW organisierten Verbände sollten sich auf einen Flächentarifvertrag einigen, verlangte ein katholischer Diakon. Bei Schrauben und Muttern werde auch auf einheitliche Größen geachtet. Wer darunter liege, sei eben ein „sozialer Bastard“. Der Verdi-Vertreter plädierte in die selbe Richtung und versicherte Caritas und Diakonie: „Wir haben nicht vor, das kirchliche Selbstbestimmungsrecht zu kassieren.“ Vielmehr solle ihr Selbstverständnis integriert werden. Ein erster Schritt wäre schon mit der Einführung eines Mindestlohns getan.

Barbara Just

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