Hungerstreikende Flüchtlinge entlassen

Denkendorf -  Hungerstreikenden Flüchtlingen aus der Gemeinschaftsunterkunft in Denkendorf bei Ingolstadt aus dem Krankenhaus entlassen. Die Diskussion geht aber weiter:

Die beiden Flüchtlinge aus der Gemeinschaftsunterkunft in Denkendorf, die wegen eines Hungerstreiks im Krankenhaus waren, sind am Montagvormittag wieder entlassen worden. Wie eine Sprecherin der Regierung von Oberbayern in München mitteilte, brachte eine Betreuerin die beiden am Mittag zurück in die Unterkunft.

Am Vorabend hatten Bewohner der Unterkunft einen Arzt gerufen, weil ein Mann und eine Frau die vom Hungerstreik stark geschwächt waren. Sie kamen in eine Klinik. “Wir werden weiterhin nichts essen“, sagte ein Bewohner der Unterkunft der Nachrichtenagentur dpa. “Wir sind nicht glücklich und haben zu viel Kummer.“ Seit vergangenem Dienstag lehnen 25 Bewohner der Unterkunft die umstrittenen Essenspakete ab. Sie demonstrierten so gegen eine ihrer Ansicht nach mangelhafte Lebensmittelversorgung, ihre schlechte Unterbringung und Beschränkungen ihrer Bewegungsfreiheit, teilte der Bayerische Flüchtlingsrat mit.

Flüchtlinge demonstrieren für bessere Lebensbedingungen

In Augsburg hatten am Donnerstag etwa 100 Flüchtlinge mit einem Protestzug durch die Innenstadt für die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen demonstriert. Mit den im Juli vom Landtag beschlossenen Leitlinien zur Neuregelung der Lagerpflicht für Flüchtlinge und dem Erlass von Mindeststandards sei nun alles geregelt, sagte eine Sprecherin des bayerischen Sozialministeriums. Nun müssten die Regierungen der Bezirke diese Richtlinien umsetzen. Die Unterbringung der Flüchtlinge in Denkendorf entspreche den Leitlinien, sagte eine Sprecherin der Regierung von Oberbayern.

Unterkünfte sollen repariert werden

Was den Zustand der Unterkünfte angehe, versuche man, alles Notwendige zu reparieren. Die Essenspakete stellten Fachleute zusammen, religiöse und ethnische Bedürfnisse würden dabei berücksichtigt. Außerdem unterliege das Essen ständigen Kontrollen. “Ob es jemandem schmeckt, ist dann die andere Frage“, sagte die Sprecherin. Ob die Flüchtlinge Geld statt Essenspaketen erhalten könnten - eine Forderung vieler - müsse der Bund entscheiden. Alexander Thal vom Bayerischen Flüchtlingsrat kritisiert die “jahrelange Unterbringung von Flüchtlingen in Lagern. Das ist eine bayerische Spezialeinrichtung. In dieser Härte gibt es das in keinem anderen Bundesland“, sagt er. Er schlägt vor, Flüchtlinge in Wohnungen auf Hartz-IV-Niveau ziehen zu lassen. In anderen Bundesländern wie Berlin oder Nordrhein-Westfalen dürften Flüchtlinge das nach drei Monaten. Das sei oft auch günstiger als die Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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