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Wie hygienisch sind Bayerns Backstuben? Auch 2016 fanden die Kontrolleure des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit wieder gravierende Mängel.

Kontrolleure wehren sich gegen Kritik

Hygiene: Besorgter Blick in die Backstube

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Nach dem Fall Sieber und den Ekel-Funden bei bayerischen Großbäckereien stellte das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit unter besonderer Beobachtung seinen Jahresbericht vor. Die Opposition zürnt, denn bei Bäckereien finden die Kontrolleure nach wie vor viele gravierende Mängel.

München – Mit Spannung war der Jahresbericht des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) erwartet worden. Denn angesichts der Foodwatch-Veröffentlichungen über die unappetitlichen Funde in manchen bayerischen Großbäckereien der vergangenen Jahre stellten sich viele Verbraucher die Frage: Wie sieht es aktuell in den Backstuben aus? Hier kann das Landesamt mit den Zahlen von 2016 kaum beruhigen – zum Ärger der Landtags-Opposition.

Wie aus dem Bericht hervorgeht, kontrollierte die Spezialeinheit des LGL im vergangenen Jahr 63 Bäckereien, Konditoreien und Backbetriebe. Bei 75 Kontrollen gab es 72 Beanstandungen. In 19 Fällen wurden die vorgefundenen Mängel als gravierend oder gravierend in einem Teilbereich eingestuft. Damit liegt die Beanstandungsquote wie schon in den vergangenen Jahren unverändert hoch. Unter den Funden waren laut Bericht Metallsplitter im Fladenbrot, eine Stecknadel in einem Nougattaler oder ein Kabelstück in einem Vollkornbrot. Zu den häufigsten Mängeln neben Reinigungsdefiziten zähle Schädlingsbefall. Die betroffenen Betriebe nennt das LGL nicht.

„Ein ärgerliches Ergebnis“

„Ein ärgerliches Ergebnis“, sagte LGL-Präsident Andreas Zapf gestern bei der Vorstellung des Berichts im bayerischen Landtag. „Hier sind ganz klar die Betriebe gefordert.“ Der Opposition geht dieser Appell allerdings nicht weit genug. SPD, Grüne und Freie Wähler forderten unisono mehr Transparenz bei der Veröffentlichung von Kontrollergebnissen. Derzeit werden die Ergebnisse betroffener Unternehmen nur veröffentlicht, wenn für den Verbraucher eine Gesundheitsgefahr besteht. Die Veröffentlichung weiterer Kontrollergebnisse hat der Bayerische Verwaltungsgerichtshof 2013 gestoppt. Seitdem warten die Länder auf eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts oder ein überarbeitetes Bundesgesetz. Auch Andreas Zapf bemängelte: „Uns fehlt eine Rechtsgrundlage.“ Allerdings müsse man sich die Frage stellen, ob man in unserer Gesellschaft eine Prangerliste wolle.

Zapf verteidigte seine Behörde im Landtag außerdem gegen die anhaltende Kritik nach dem Lebensmittelskandal bei Bayern-Ei oder den Listerien-Funden bei der Metzgerei Sieber aus Geretsried. „Eine Totalkontrolle ist nicht möglich“, betonte der LGL-Präsident. Die Vorwürfe des SPD-Abgeordneten Florian von Brunn, die Behörde habe die Mängel nicht rechtzeitig erkannt oder Proben zu spät verschickt, bezeichnete er als „unfair“. Man sitze regelrecht auf der Anklagebank, wenn man etwas finde. Seine Mitarbeiter stünden massiv unter Druck. Dabei hätten die Lebensmittel in Bayern ein hohes Maß an Sicherheit. Bei knapp 70.000 untersuchten Proben im Jahr 2016 seien nur 0,3 Prozent wegen gesundheitlicher Risiken beanstandet worden. Auch hier liegt die Quote auf dem Niveau der Vorjahre.

Die Listerien-Funde bei der Firma Sieber sorgten für Kritik an den Kontrollbehörden. Der LGL-Chef bezeichnete die Vorwürfe im Landtag als „unfair“.

Zierer: Schwierig, gravierende Mängel abzustellen

Während die CSU-Fraktion die Behörde für ihre Arbeit lobte, äußerte die Opposition deutliche Kritik. Für Florian von Brunn war die Vorstellung des Berichts „der Versuch der Rechtfertigung für das Versagen der CSU-Ministerien in Bund und Land“. Benno Zierer (Freie Wähler) sagte, die erneut hohe Beanstandungsquote bei bayerischen Bäckereien zeige, wie schwierig es sei, gravierende Mängel abzustellen. Und die Grünen-Abgeordnete Rosi Steinberger ist der Meinung, dass das LGL falsche Schwerpunkte bei seinen Kontrollen setzte. Statt allein vier Sachverständige für die Kontrolle von Weinproben abzustellen, sollten sich die Mitarbeiter mehr auf die gesundheitlich relevanten Themen konzentrieren. Das sei eben die Vorgabe, antwortete ihr der Behördenchef.

Abseits der schon im Vorfeld diskutierten Themen, machte Zapf auf weitere Kontrollschwerpunkte aufmerksam. So wurde 2016 mehr als die Hälfte aller untersuchten Olivenöle beanstandet. Teilweise wurden Verkaufsverbote verhängt. Und auch bei Haselnüssen wurde vermehrt geschummelt, seit die Preise auf dem Weltmarkt deutlich angestiegen sind. Je kleiner die Nüsse gemahlen werden, desto häufiger wird offenbar mit Erdnüssen oder Mandeln „gepanscht“. All das erregt das Gemüt allerdings weit weniger als das tägliche Brot aus Bayerns Backstuben.

Lesen Sie dazu: Kommentar: Hygienemängel in Bayerns Bäckereien offenlegen

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