+
Das große Putzen: ein Mitarbeiter von Müller-Brot in Neufahrn. 

Lebensmittel-Bericht im Landtag

Hygiene-Pranger ab September

München - Verdorbener Thunfisch, schimmlige Pistazien und ein geplanter Internet-Pranger für Schmuddel-Betriebe. Die Behörden ziehen für 2011 Bilanz in Sachen Lebensmittelsicherheit.

69 000 Euro Buß-und Zwangsgelder verhängten die Behörden vergangenes Jahr gegen Müller-Brot – und trotzdem wussten die Verbraucher nichts über die Zustände in der Back-Fabrik in Neufahrn (Kreis Freising). Das soll sich nicht mehr wiederholen. „Mängel, wie sie bei Müller-Brot festgestellt wurden, müssen zukünftig veröffentlicht werden“, erklärte Michael Höhenberger, der im bayerischen Umweltministerium zuständig ist für den Bereich Gesundheit, gestern im Landtag. Ab 1. September müssen die Ämter Produkte und Hersteller publik machen – bei wiederholten oder schweren Hygiene-Mängeln und wenn ein Bußgeld von mindestens 350 Euro droht. Die Vorbereitungen dazu liefen derzeit, eine für alle Verbraucher zugängliche Internet-Plattform für solche Informationen sei geplant. Dies ist Teil des neuen Verbraucherschutzgesetzes, das bereits im Februar gebilligt wurde.

Höhenberger und Andreas Zapf, Präsident des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), stellten gestern im Landtag den LGL-Jahresbericht vor. In der 150 Seiten starken Bilanz geht es jedoch freilich nicht nur um Müller-Brot. Alles in allem seien die Lebensmittel in Bayern auch 2011 sehr sicher gewesen, fasste Andreas Zapf die Ergebnisse zusammen. Von allen untersuchten Lebensmitteln wurden 0,3 Prozent (0,4 Prozent im Jahr 2010) als gesundheitsschädlich beurteilt. Das sind 200 von insgesamt 70 000 untersuchten Proben. Darunter fielen etwa Salmonellen in Hackfleisch und Glassplitter in Marmelade. Im Fokus der Kontrolleure standen unter anderem Bäckereien. „In sieben von 30 Bäckereien und Konditoreien wurden gravierende Mängel gefunden“, sagte Michael Höhenberger. Dazu zählten zum Beispiel Schädlinge. Bei den bayerischen Brauereien wurde ebenfalls kontrolliert. In vier von 23 Betrieben fanden die Behörden dem Bericht zufolge stark verschmutzte Anlagen, in einer Brauerei wurden Schädlinge im Malzbereich festgestellt.

Ein weiterer Schwerpunkt der LGL-Kontrollen 2011 war der Thunfisch in Gaststätten. 149 Proben wurden untersucht, davon 35 original verschlossene und 114 geöffnete Dosen. In neun dieser Proben fanden sich giftige Stoffwechselprodukte, sogenannte Histamine, in gesundheitsschädlicher Konzentration. Diese Produkte mussten vernichtet werden. Ursache war meist, dass der Fisch aus großen Dosen bis 1,7 Kilogramm stammte und nach dem Öffnen nicht kühl genug gelagert wurde. Auch die Spezialeinheit Lebensmittelsicherheit des LGL, eine nach dem Gammelfleisch-Skandal in Niederbayern gegründete Experten-Gruppe, kam häufig zum Einsatz. In 30 von 391 Betrieben stellten sie gravierende Mängel fest. Doch nicht nur heimische Betriebe wurden untersucht – auch Import-Ware nahmen die Kontrolleure unter die Lupe. Bei 436 Proben von Nüssen und Feigen, die nach Bayern eingeführt werden sollten, mussten 24 Lieferungen wegen Schimmelpilzen abgewiesen werden, darunter türkische Pistazien.

Der LGL-Bericht listet sehr viele Details auf – über die Anzahl und die Gesamthöhe der verhängten Bußgelder gibt es jedoch keine Angaben. „Dafür gibt es keine Statistik“, sagte Michael Höhenberger. In keinem Bundesland.

von Patrick Wehner

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Motorradfahrer stößt mit Lastwagen zusammen und stirbt
Zell am Main - Ein Motorradfahrer ist in Unterfranken frontal mit einem Laster zusammengeprallt und gestorben. Der Biker wollte gerade Überholen, als es zu dem schlimmen …
Motorradfahrer stößt mit Lastwagen zusammen und stirbt
Mann findet große Geldsumme und reagiert sehr edelmütig
Biessenhofen - Von wegen, das Geld legt nicht auf der Straße: Ein 57-Jähriger hat bei einem Bahnübergang im schwäbischen Biessenhofen einen satten Geldbetrag gefunden. …
Mann findet große Geldsumme und reagiert sehr edelmütig
Sattelzug kippt um und verursacht hohen Schaden
Auf der A7 verursachte ein Sattelzug einen Unfall mit hohem Sachschaden. Dem Fahrer wurde nicht grundlos der Führerschein entzogen.
Sattelzug kippt um und verursacht hohen Schaden
Drogenkurier mit fünf Kilogramm Amphetamin erwischt
Eine Verkehrskontrolle beim Autobahnkreuz Nürnberg wurde einem ungarischen Drogenkurier zum Verhängnis. Seine Ware wird er wohl nicht mehr transportieren können.
Drogenkurier mit fünf Kilogramm Amphetamin erwischt

Kommentare