6000 Stück vernichtet

Hygieneskandal um Wiesn-Brezn

  • schließen

Landshut - Schon wieder wurden in einer Großbäckerei gravierende Hygienemängel festgestellt. Das niederbayerische Unternehmen beliefert unter anderem die Wiesn mit Brezn – im Auftrag von Müller-Höflinger. 6000 Brezn wurden vorsorglich vernichtet.

Gleich an zwei Standorten des Großbäckers Heinz in Altdorf bei Landshut klopften am Freitagmorgen die Kontrolleure an. In Dreier-Teams untersuchten sie die Hallen, immer zwei Spezialisten vom Landratsamt Landshut und einer der Spezialeinheit des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Wenig später wurde die Produktion in den Fabriken Altdorf und Gündlkofen vorübergehend eingestellt.

Die Liste der Beanstandungen ist lang. Starke Verunreinigungen der Fußböden im Produktionsbereich, aufgesprungene Isolierungen an Kühlschränken, fehlende Bodenfliesen, kaputte Arbeitstische, beschädigte Gewürzbehälter, Fehler bei der Dokumentation. Nach Informationen unserer Zeitung fanden die Kontrolleure der Behörden offenbar auch Schädlinge, aber nicht im Bereich der Produktion. Gerade einmal sieben Monate sind seit dem Lebensmittel-Skandal um die mittlerweile insolvente Müller-Brot GmbH vergangen – nun stoppte die nächste Großbäckerei wegen Hygienemängeln ihre Produktion. Freiwillig und nur für ein paar Stunden, wie es von Seiten des Großbäckers heißt. Am Abend hätten alle Produktionslinien wieder ihren Betrieb aufnehmen können, teilte das Landratsamt auf Anfrage mit. Die Behörde bemühte sich um Schadensbegrenzung. „Es handelte sich um eine risikoorientierte Kontrolle, die routinemäßig vorgenommen wird“, sagte Elmar Stöttner, Sprecher des Landratsamtes. Dennoch verhängte das Amt ein Bußgeld, über die Höhe wird geschwiegen. Das LGL habe man zur Unterstützung angefordert, weil ein Betrieb dieser Größenordnung schwierig zu kontrollieren sei. Auch in der Vergangenheit hatten Landratsamt und LGL das Unternehmen, das nach eigenen Angaben rund 250 Mitarbeiter beschäftigt, mehrmals kontrolliert. Dabei festgestellte Mängel seien aber „stets abgestellt worden“.

Die Großbäckerei Heinz beliefert rund 250 Großhandelskunden in Deutschland und betreibt 23 eigene Filialen. Einer ihrer Kunden ist das Münchner Unternehmen Müller-Höflinger. Eva Müller, die Tochter des Müller-Brot Gründers, und der Münchner Bäckereibesitzer Franz Höflinger kauften vor ein paar Monaten Teile des insolventen Müller-Brot-Filialnetzes. Vor einer Woche teilten sie mit, die Wiesn mit rund einer halben Million Brezn beliefern zu wollen. Dazu mieteten sie in der Backfabrik Heinz Kapazitäten an, stellten unter anderem Personal der alten Müller-Brot-Fabrik in Neufahrn an.

Eva Müller, deren Firma „Evi’s Brezn“ auf der Wiesn fünf Zelte beliefert, gibt sich gelassen. „Herr Heinz hat mich informiert, aber soweit ich das verstanden habe, hat das mit meinen Brezn nichts zu tun.“ Ihr Partner Franz Höflinger, der für den Einkauf verantwortlich ist, bestätigt das. „Es gibt keinen Hygieneskandal“, sagt er. Als er vergangenen Freitag von den Beanstandungen bei der Kontrolle erfahren habe, beschloss er, vorsichtshalber keine Brezn-Rohlinge abzunehmen, die zwischen Mittwoch und Freitag in der Bäckerei Heinz produziert worden waren. Die 6000 Brezn, die der Zulieferer freiwillig vernichtete, konnten von anderen Bäckereien zugekauft werden. Insgesamt werden Müller und Höflinger für die Wiesn von zehn bis zwölf verschiedenen Zulieferern mit tiefgefrorenen Brezn-Rohlingen beliefert, die sie in der Großmarkthalle fertigbacken lassen und dann an die Wirte verkaufen. Bei jeder Lieferung entnehme man Proben, um die Qualität der Waren sicherzustellen. Eva Müller betont, ihr Betrieb werde nach dem Skandal bei Müller-Brot besonders streng kontrolliert.

Rückendeckung erhielten Müller und Höflinger auch vom Sprecher der Wiesn-Wirte, Toni Roiderer. „Evi Müllers Produkte haben hervorragende Qualität“ sagt er. „Unter den Wirten ist das kein Thema.“ Bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten sehen sie die Sache ernster. Funktionäre machten sich am Mittwochabend noch auf den Weg in die Fabrik in Altdorf. Für nächste Woche ist eine Mitarbeiterversammlung angekündigt.

Alle Infos zum Hygiene-Skandal bei Müller-Brot erhalten Sie hier.

von P. Wehner, P. Vetter und A. Gerke

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Fiese Nummer: Bayernfan klaut kleinem Mädchen signiertes Trikot
Dieser dreiste Dieb hat zwar keinem Kind den Lolli geklaut, dafür aber einem 12-Jährigen Mädchen ein signiertes Trikot ihres Herzens-Vereins. Die Polizei sucht nach dem …
Fiese Nummer: Bayernfan klaut kleinem Mädchen signiertes Trikot
„Mein Wort ist hier Gesetz“: Der Fall des „Reichsbürgers“ Wolfgang P.
Verschwörungstheoretiker, Neonazi oder doch einfach nur Spinner? Was den „Reichsbürger“ ausmacht, lässt sich oft nicht so leicht sagen. Doch eines ist sicher: …
„Mein Wort ist hier Gesetz“: Der Fall des „Reichsbürgers“ Wolfgang P.
Über 30 Grad: Mega-Sommer-Wochenende rollt auf Bayern zu
Sonnige Zeiten in Bayern: Es steht ein sommerliches Wochenende bevor. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sorgt ein Hoch ab Freitag nahezu überall in Bayern …
Über 30 Grad: Mega-Sommer-Wochenende rollt auf Bayern zu
Opposition deckt auf: 630 Tonnen Kerosin über Bayern abgelassen
Immer wieder müssen Flugzeuge über Bayern Treibstoff ablassen, um in kritischen Situationen ihr Gewicht zu verringern. Die SPD kritisiert, dass es kaum Daten zu solchen …
Opposition deckt auf: 630 Tonnen Kerosin über Bayern abgelassen

Kommentare