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Spannend! Diese Kinder lauschen – Wilhelm Hopf ist ein toller Vorlese-Opa.

Spendenaktion

„Ich habe das Gefühl, gebraucht zu werden“

München - Viele bedürftige Rentner schämen sich für ihre Armut – und verstecken sich förmlich. Mit unserer Patenschafts-Aktion bekommen sie wieder die Chance, mehr vom Leben zu haben: etwa als „Vorlese-Paten“. Ein Tag mit Alt und Jung.

Mittwoch ist Vorlese-Tag. Da radelt Annemarie Menzing (Name geändert) zum Nachbarschafts-Treff im Münchner Osten. Jeden Nachmittag warten dort zwölf Vorschulkinder auf sie. Und die sind schon beim Mittagessen gespannt: Welche Geschichte hat die Vorlese-Oma heute dabei?

Diesmal ist es eine Geschichte vom Herbst. Es geht um Wind, um herabfallende Blätter, um Heuschrecken und Eichhörnchen. Die Kinder können gar nicht genug bekommen. Toll, was in der Natur alles passiert! Annemarie Menzing, 70, sagt: „Das Vorlesen tut mir gut. Ich komme raus aus meiner Wohnung und habe das Gefühl, wieder gebraucht zu werden.“ Ein schönes Gefühl – vor allem, wenn der Alltag sonst hart ist.

550 Euro Rente pro Monat hat Annemarie Menzing zum Überleben. Ohne staatliche Grundsicherung stünde sie auf der Straße. Ihr Mann war einst ein erfolgreicher Fliesenleger. Er steckte Jahrzehnte lang alle Gewinne in die Firma – statt zumindest einen Teil davon in die Altersvorsorge. Wenn Annemarie Menzing, die stets im Betrieb mitarbeitete, beunruhigt nachfragte, antwortete er: „Brauchst keine Angst zu haben. Du bist versorgt.“ Dann kam die Scheidung – und kurz darauf die Firmenpleite. 15 Jahre hat Annemarie Menzing noch gearbeitet, danach wurde sie schwer krank. Gesund zu werden kostete Geld, viel Geld. „Es reichte nicht mehr fürs Alter“, sagt sie.

Der Verein Lichtblick Seniorenhilfe half ihr. Er übernahm zum Beispiel einen Teil der Zahnarztkosten. Zudem bekommt Annemarie Menzing monatlich 35 Euro aus der Patenschaftsaktion (siehe Kasten). „Das mag nicht viel sein, aber mir hilft es, um Medikamente gegen meine Schwindelanfälle zu bezahlen“, erzählt sie. Über den Verein kam sie auch zu ihrer neuen Aufgabe: dem Vorlesen. „Es ist schön, den Kindern eine Freude zu machen.“

Das empfindet auch Wilhelm Hopf, 68. Früher, da hat er seinen eigenen Kindern vorgelesen. Die sind aber längst groß, deshalb geht Hopf jetzt zu den Kleinen. Eigene Enkel hat er noch nicht. Ja, es sei schön, unter Leute zu kommen.

Seit rund zwei Jahren gibt es den Nachbarschafts-Treff im Münchner Osten. „Wir gehen mit offenen Augen und Ohren durch die Siedlung und schauen: Wo gibt es einen Bedarf?“, erzählt Walburga Hopf, die Leiterin des „Maikäfertreffs“. Vor gut zwölf Monaten hat sie das Lesepaten-Projekt ins Leben gerufen – mit Unterstützung von Lichtblick Seniorenhilfe. Der Verein finanziert nun Bücher und engagiert eine Psychologin, Maria Bollu. Die bereitet bedürftige Rentner in einem Workshop aufs Vorlesen vor. „Die Senioren gehen sehr mit, sie bringen sich voll ein“, sagt sie. Es sei ja nicht so einfach, die Kinder zu begeistern. Annemarie Menzing, Wilhelm Hopf und vielen anderen gelingt das sehr gut: Weil sie hier das Gefühl haben, mal etwas geben zu können.

Felix Barth

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