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Die wegen versuchten Mordes angeklagte Afitap D. unterhält sich zu Prozessbeginn im Sitzungssaal des Landgerichts in Aschaffenburg (Unterfranken) mit ihrem Anwalt Klaus W. Spiegel.

Prozess: Fünffache Mutter schoss auf Ehemann

Aschaffenburg - Eine 48 Jahre alte Mutter von fünf Kindern muss sich vor dem Landgericht Aschaffenburg wegen versuchten Mordes verantworten.

Heimtückisch soll die Frau gehandelt haben, als sie im vergangenen November versucht haben soll, ihren Ehemann umzubringen. "Das Geschoss verfehlte das Ziel knapp", sagt Oberstaatsanwalt Walther Schmidt. Der 52 Jahre alte Mann, der sich von seiner Frau getrennt hatte, überlebte den Angriff unverletzt.

Die gelernte Altenpflegerin reagiert kaum sichtbar, als die Anklage verlesen wird. Selten schaut sie herüber, als ihr Noch-Ehemann unter Tränen vom Tatmorgen berichtet. "Es war dunkel", erzählt der Mann über den 27. November 2008 im unterfränkischen Röllbach (Landkreis Miltenberg), als er gegen 5.00 Uhr zur Arbeit fahren will. Mit der Fernbedienung öffnet er sein Auto, steigt ein. Die Angeklagte soll ihrem Ehemann hinter einer Mülltonne aufgelauert haben. Als der damals 51-Jährige im Wagen sitzt, reißt jemand die Beifahrertür auf. Ein Kopftuch habe die Täterin getragen, sagt das Opfer. Nach kurzem Wortwechsel soll die 48-Jährige mit einer Pistole auf ihren Ehemann gezielt und abgedrückt haben. "Sie hat ein Mal geschossen", berichtet der Maschineneinsteller. "Ich habe geschrien."

Zu Prozessbeginn fällt es dem Mann sichtlich schwer, gegen die gebürtige Türkin auszusagen. "Die Frau ist meine Frau, sie ist meinen Kindern Mutter." Tränen laufen dem gestandenen Mann mit dem Schnauzer über das Gesicht, die Worte sind kaum verständlich. "Ich habe meine Frau verloren, ich habe meine Kinder verloren, ich habe alles verloren." Erst später kann er mit temperamentvoller Stimme dem Schöffengericht schildern, wie er die Attacke erlebt hat. Nach Worten von Oberstaatsanwalt Schmidt durchschlug die Kugel eine Autoscheibe, dann den Rollladen eines nahen Hauses und landete im Schlafzimmer eines Anwohners. Verletzt wurde niemand. Anschließend soll die Angeklagte geflüchtet sein, wurde aber wenig später an ihrem Arbeitsplatz in Alzenau (Landkreis Aschaffenburg) festgenommen.

Warum die Frau auf ihren türkischstämmigen Mann, der mittlerweile deutscher Staatsbürger ist, geschossen haben soll, blieb zunächst unklar. Möglicherweise war die 48-Jährige sauer wegen einer neuen Partnerin ihres Mannes, denn bei dem kurzen Wortgefecht unmittelbar vor dem Schuss soll die Angeklagte geschrien haben: "Du gehen in Türkei heiraten." Der Mann räumt später zögernd ein: "Ich will eine Frau in der Türkei heiraten" - allerdings erst nach der Scheidung von der Altenpflegerin, die er 1990 geheiratet hat.

Die bis zu ihrer Verhaftung in Hessen lebende Angeklagte sagt zu Prozessauftakt nichts zum Tattag, macht sich lediglich Notizen. Vor der Verhandlung hatte sie die Vorwürfe bestritten, vermutet nach Worten der Vorsitzenden Richterin gar ein Komplott ihres ehemaligen Partners, der ihr etliche Gewaltausbrüche während der Ehe vorwirft.

Bereits vor drei Jahren hatte die Angeklagte für Schlagzeilen gesorgt. Während einer Gerichtsverhandlung in Aschaffenburg wegen Diebstahls hatte sie gedroht, sich umzubringen. Sie hantierte mit einer Benzin gefüllten Flasche, ein Feuerzeug hatte sie im Schuh versteckt. Die Frau konnte aber überwältigt werden.

Der Prozess wegen versuchten Mordes soll am Mittwoch fortgesetzt werden. Insgesamt sind sechs Verhandlungstage angesetzt. Wegen der Sprachprobleme der zerstrittenen Eheleute sind Dolmetscher anwesend. 

dpa

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