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„Den Inzellern geht es wieder gut“, sagt der Zweite Bürgermeister von Inzell, Hans Egger.

„Ich habe heute noch Angst im Dunkeln“

Inzell - In der Nacht vom 4. auf den 5. August 2009 bebte die Erde in dem Dorf Inzell-Breitmoos (Kreis Traunstein). Ein Rentner-Ehepaar hatte sich in die Luft gesprengt. Wie haben die Nachbarn die Tragödie verkraftet?

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Der Winter war lang, und das war auch gut so. Der Schnee verschluckte alles. Eine dicke weiße Schicht lag wie ein Schleier über dem Grundstück, kaum etwas erinnerte noch an die furchtbare Nacht. Aus einem „Schlachtfeld“ (so beschreiben es die Nachbarn) war über die langen Winterwochen ein unscheinbares Stück Land geworden. Über 240 Tage sind seit jener Nacht im August vergangen. 240 Nächte, in denen nichts passiert ist. Und die doch anders sind, als es die 100 Einwohner von Breitmoos lange gewohnt waren.

Explosion in Inzell

Inzell: Wohnhaus abgebrannt

Nach den Aufräumarbeiten gab es in dieser Kapelle eine Andacht. Davor stehen Gertraud Bauer und ihr Sohn Christian.

Um 2 Uhr am frühen Mittwoch Morgen rumpelte es gewaltig. Danach: Feuer. Rauch. Ein großer Haufen Schutt. Ein Blitzschlag, wie manche Nachbarn vermuten, gar ein Meteroit? Und dann, wo sie am Abend noch ein schickes Haus haben stehen sehen: Nichts. Totale Zerstörung. Kein Stein steht mehr auf dem anderen. Schuld daran war aber keine Botschaft des Himmels, sondern eine ganz und gar irdische Handlung. Johannes M., 75, hatte sich, seine Frau Christa, 67, und sein Haus in die Luft gesprengt. Kein Dynamit, kein TNT. Nur Benzin. Dass außer den Hausbewohnern niemand, nicht mal eine Katze, verletzt oder gar getötet wurde – „ein Wunder“. Da sind sich die Breitmooser einig.

Bilder vom Tag danach

Trümmerfeld nach Explosion

Die Häuser in der direkten Nachbarschaft sind alle betroffen: Geborstene Fensterscheiben, verzogene und eingedrückte Haustüren, abgedeckte Dachziegel, Risse im Putz. Noch in über 200 Metern Entfernung liegen Trümmerteile. Die im Freien geparkten Autos? Schrott.

Die äußeren Schäden sind in ein paar Wochen alle behoben, die Versicherungen zahlen. Vielleicht wartet noch jemand auf ein Fenster, „aber auch mit der Übergangslösung, die momentan verbaut ist, kann man leben“, sagt Klaus Koch, 65, der mit seiner Frau Rosi, 63, nur 50 Meter weit weg wohnt. Das Schlimmste sind aber nicht kaputte Türen oder Fenster. Das Schlimmste ist die Erinnerung.

„Ich habe heute noch Angst, wenn es dunkel ist“, erzählt Gerlinde Hobmaier, 69. Die Nerventabletten hat sie inzwischen zwar abgesetzt, aber „in den Keller gehe ich immer noch nicht alleine.“ Und erst vor kurzem, da sei beim Spazierengehen ein Hubschrauber vorübergeflogen „und der Krach hat mich sofort wieder an diese Nacht erinnert“. Vor dem Sommer ist ihr besonders bange: „Wenn es gewittert, das wird sehr schwer für mich.“

Nachbarin Gertraud Bauer, 50, sagt: „Mein Sohn Christian hat zwei Wochen nur bei uns geschlafen. Bis Januar waren wir mit ihm bei einem Jugendpsychologen, das hat uns sehr geholfen.“ Geholfen hat auch, dass die Inzeller nach der Tragödie zusammengerückt sind. „Ich habe das Gefühl, dass die Nachbarn seither mehr miteinander reden“, meint Bauer.

Der Zweite Bürgermeister von Inzell, Hans Egger, sagt, es sei immer noch „unbegreiflich, wie man so etwas tun kann“. Er findet aber auch: „Den Inzellern geht es wieder gut.“

Über Johannes M. und seine Tat gehen die Meinungen freilich auseinander. Der eine Nachbar beschreibt ihn als „lustigen Zeitgenossen, immer ein flotten Spruch auf den Lippen“ und ein anderer Anwohner findet: „Immerhin hat er gesprengt, als keiner unterwegs war.“ Für die große Mehrheit aber steht fest: „Der wollte sich mit einem Denkzettel verabschieden. Andere so zu gefährden, ist das Letzte.“

Warum die Rentner sich in die Luft sprengten, ist bis heute nicht geklärt. Sie hatten wegen eines Wohnungskaufs Schulden, ihr Inzeller Anwesen sollte zwangsversteigert werden.

Maximilian Haupt

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