Ihre Hunde hungerten neben der Leiche

Traunstein - Ein Mensch liegt zehn Monate tot in einer Wohnung, niemand vermisst ihn. Der Fall der Traunsteinerin Dorena Weber, die offenbar im Oktober 2010 ums Leben gekommen ist, beschäftigt nicht nur die Bürger im Südosten von München.

Was steckt dahinter? Eine tragische Drogengeschichte? Ein Verbrechen? Am Montag wurde der Leichnam, der in einem Küchenschrank entdeckt worden war, in der Münchner Rechtsmedizin erneut obduziert – ein Ergebnis steht aus. Ein Grund: der starke Verwesungsgrad. Gleichzeitig wurden mehr Details über die Lebenssituation der Toten bekannt.

Die Frau stapelte etwa in der Wohnung alles Mögliche: Fernseher, weitere Elektrogeräte, Kleidung. Ihren Vermieter störte dies nicht, aber als er im November 2010 laut Trostberger Tagblatt ein klägliches Winseln aus der Wohnung hörte, fasste er sich ein Herz und betrat die Wohnräume.

Darin entdeckte er die zwei schwarzen Hunde, die seiner Mieterin und ihrem damaligen Freund gehörten. Von der Frau keine Spur. Die Tiere hungerten. „Ich habe damals auch das Licht ausgedreht und den Fernseher ausgeschaltet, der Tag und Nacht lief“, erinnert er sich gegenüber dem Trostberger Tagblatt. Die folgende Woche fütterte der Mann täglich die Hunde und ging mit ihnen Gassi. Dann aber gab er den Schäfer-Retriever und den kleinen schwarzen Vierbeiner mit Absprache der Polizei ins Tierheim. „Wir konnten uns nicht länger um sie kümmern.“

Zu dieser Zeit war die Wohnung schon verwahrlost, es stank erbärmlich. Der 55-Jährige glaubte aber, dass dies von den Exkrementen der Hunde und von Essensresten herrührte. „Dass jemand tot in der Wohnung liegt, daran habe ich nicht annähernd gedacht.“

Später traf er auch zufällig den Freund der Frau, dieser habe ihm erzählt, dass Dorena in München sei. Da er in der Folge monatelang weder von der 28-Jährigen noch von dem Mann etwas sah oder hörte, es aber weiter und schärfer roch, betrat er mit Rücksprache seines Anwalts erneut das Zimmer – zum Ausräumen. Er hatte bereits kiloweise Müll entfernt, als er sich die Elek­trogeräte vornahm: „Da waren ja drei Fernseher drin.“ Einer stand auf einem am Boden liegenden Küchenkasten, der mit Zellophan umwickelt war. Darauf auch noch eine Decke. Wie sich herausstellte, handelte es sich um Dorena Webers unwürdiges Grab. Die Polizei kann sich übrigens aus ermittlungstaktischen Gründen nicht zur Auffindesituation äußern.

tz

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