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Ende einer Reise: die jungen Afghanen im roten Klein-Lkw, fotografiert kurz nach ihrer Entdeckung.

Illegal durch Europa - bis zum Inntaldreieck

Rosenheim - Ihre Reise begann in Afghanistan, sie endete für acht Flüchtlinge vergangenen Freitag abrupt am Inntaldreieck. Wieder einmal hat die Polizei eine „Großschleusung“ verhindert. Die Einzelheiten einer Odyssee.

Der klapprige rote Hyundai mit dem deutschen Kurzzeit-Kennzeichen, der sich da die Salzburger Autobahn Richtung München hinaufquälte, muss den Beamten schnell aufgefallen sein. Vielleicht auch, weil der Kleintransporter verdächtig überladen war. Es war stockdunkel, Freitag 1.45 Uhr, da stoppten die Fahnder der Bundespolizei den Klein-Lkw kurz hinter dem Inntaldreieck. Im Laderaum, unter Decken notdürftig verborgen, kauerten sieben Afghanen und ein Iraker – alle ohne Ausweis. Auffallend: Die Afghanen sind sehr jung, sechs zwischen 16 und 18, einer sogar erst 14. Der Iraker ist 35.

Für die Bundespolizisten beginnen schwierige Ermittlungen: Sie wollen die verschlungenen Wege der Flüchtlinge rekonstruieren. Dass es sich um einen organisierten Einschleusungsversuch handelt, steht für die Polizei außer Frage: Befragt mittels Dolmetschern, gaben die Flüchtlinge an, mehrere tausend Euro pro Person an verschiedene Schleuser gezahlt zu haben. Keiner kannte den anderen. Es handele sich um einen „zusammengewürfelten Haufen“, sagt Bundespolizei-Sprecher Rainer Scharf. Offenbar waren die Afghanen mit verschiedenen Transporten unterwegs – von Afghanistan nach Iran, von dort weiter in die Türkei, Griechenland und auf dem Landweg mit Lkw bis nach Italien. Einer soll per Schnellboot transportiert worden sein. Statt der Tauernautobahn wählten die Schleuser für ihre Gruppe den Brenner zur Weiterfahrt nach Deutschland.

Jetzt ist die Reise zu Ende. Das jugendliche Alter überrascht niemanden, der mit Flüchtlingen zu tun hat. Zum Beispiel den Leiter des Kreisjugendamtes Rosenheim, Johannes Fischer. In Afghanistan, sagt Fischer, gebe es „keine Zeit, erwachsen zu werden“. Schon mit 14 schicken Familienclans junge Angehörige auf die Reise. „So eine Flucht kostet zwischen 7000 und 15 000 Dollar.“ Ihn erinnern die Afghanen an die sogenannten „Schwabenkinder“ – bettelarme Tiroler Bauernkinder, die bis in die 1950er Jahre ins Allgäu regelrecht verkauft wurden. Die Rosenheimer „Schwabenkinder“ von heute sind Afghanen.

Fischers Behörde ist für den 14-Jährigen zuständig. Er ist jetzt in einer Jugendwohngruppe in Rosenheim. Gesundheits-Check, Ermittlung möglicher Angehöriger in Deutschland, die Bestellung eines Vormunds aus dem Jugendamt – da kommt viel Behördenkram auf den 14-Jährigen zu. Parallel beginnt ein Asylverfahren – wenn der junge Afghane Glück hat, kann er in Deutschland bleiben. Auch die anderen aufgegriffenen Flüchtlinge werden nicht abgeschoben – jedenfalls nicht sofort. Sie haben Asylantrag gestellt. Bis darüber entschieden ist, dauert es Monate. Solange leben sie in Flüchtlings-Unterkünften, zunächst in München, später vielleicht in den Landkreisen. Eine Afghane hat kein sogenanntes Schutzersuchen gestellt und wird Richtung Italien „zurückgeschoben“, wie es im Behördendeutsch heißt.

Nur auf den Fahrer des Transporters, einen 26-jährigen Afghanen mit italienischer Aufenthaltserlaubnis, kommt ein Strafverfahren zu. Er sitzt jetzt in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim. Vorwurf: Einschleusen von Ausländern unter unmenschlichen Bedingungen.

Die Bundespolizei fahndet derweil weiter: Am Wochenende wurden im Raum Rosenheim 16 Flüchtlinge gestoppt – auch Afghanen waren unter ihnen.

Dirk Walter

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