Immer mehr Bayern sind internetsüchtig

München - Mittlerweile sind 560 000 Menschen in Deutschland internetsüchtig, wie eine neue Studie zeigt. Auch in München ist das Problem groß.

Da wird gesurft, gechattet und gezockt. Stundenlang und ohne Pause. Die Gefahr Internet wird immer größer. Mittlerweile sind 560 000 Menschen in Deutschland süchtig, wie eine neue Studie der Bundesdrogenbeauftragten Mechthild Dyckmans zeigt. Auch in München ist das Problem groß: „Die Zahl der Süchtigen und Gefährdeten dürfte hier in der Stadt bei gut 30 000 liegen“, so der Psychologe und Internetexperte Dr. Oliver Seemann.

Besonders junge Menschen sind von der Internetsucht betroffen, so die Studie. Sie sind im Alter zwischen 14 und 24 Jahren, zum Teil haben sie die Kontrolle über ihre Internetnutzung verloren. Im Extremfall werden Schule, Beruf und soziale Kontakte vernachlässigt. „In der virtuellen Welt finden sie Erfüllung und Anerkennung, die ihnen möglicherweise im wirklichen Leben verwehrt bleiben“, so Mechthild Dyckmans am Montag.

Ein Trend, den auch Christoph Teich, Leiter der Münchner Suchtberatungsstelle Tal 19, bestätigt. „Bei unserer Hotline rufen oft Eltern an, die einfach nicht mehr weiterwissen, weil sich ihr Kind nur noch für den Computer interessiert.“ Um gut 500 extreme Fälle von Internetsucht kümmert sich Teichs Beratungsteam im Jahr. „Und die Zahl der Fälle steigt ohne Zweifel stetig an.“

Internetsüchtige verbringen am Tag durchschnittlich vier Stunden im Netz. Auffällig ist, dass in der Altersgruppe der 14- bis 16-Jährigen deutlich mehr Mädchen (4,9 Prozent) als Jungen (3,1 Prozent) abhängig sind. Die Mädchen nutzen vorwiegend soziale Netzwerke im Internet (77,1 Prozent) und eher selten Online-Spiele (7,2 Prozent). Die jungen Männer nutzen seltener soziale Netzwerke (64,8 Prozent) und häufiger Spiele (33,6 Prozent) als Mädchen. Süchtige sind oft gereizt und aggressiv, wenn sie nicht online sind.

Noch größer als die Zahl der Süchtigen im Land ist die Zahl der sogenannten „problematischen Internetnutzer“: In Deutschland gelten rund 2,5 Millionen Menschen als gefährdet. Am Tag sind sie etwa drei Stunden online. Genau deswegen fordert die Bundesdrogenbeauftragte nun auch mehr Beratungs- und Behandlungsangebote. In München finden Süchtige unter der Telefonnummer 089/28 28 22 Hilfe.

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Wann das Surfen gefährlich wird:

Internetsucht: wann ist man betroffen? Experten haben hierzu einen Fragenkatalog entwickelt:

- Ist Surfen für Sie ein Zwang – Tag und Nacht?

- Haben Sie kaum mehr soziale Kontakte?

- Haben Sie durch das Internet schon Probleme im Job oder im Freundeskreis?

- Sind Sie online, obwohl Sie wissen, dass es negative Folgen für Sie hat?

- Wenn einer oder gar mehrere Punkte auf Sie zutreffen, sollten Sie eine Hilfestelle aufsuchen.

Der große Facebook-Knigge

Der große Facebook-Knigge

Rubriklistenbild: © dpa

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