Immer mehr Buddhisten in Bayern

München - Im überwiegend katholischen Bayern haben die Buddhisten immer größeren Zulauf. Im großen Münchner “Diamantweg-Zentrum“ gibt es mindestens einmal wöchentlich Einführungsabende.

Die Mitgliederzahl buddhistischer Zentren habe sich in den vergangenen 20 Jahren nahezu verfünffacht, sagte der Vorsitzende der “Buddhistischen Zentren Bayern der Karma Kagyü Linie e.V.“, Manfred Kessler, in München. Heute bezeichnen sich seinen Angaben zufolge rund 30 000 bis 35 000 Menschen in Bayern als Buddhisten. Im großen Münchner “Diamantweg-Zentrum“ gebe es wegen des wachsenden Interesses inzwischen mindestens einmal wöchentlich Einführungsabende für Neu-Buddhisten. “Wir sind bereits vor Jahren in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, sagte der 42-Jährige.

“Man denkt immer, Bayern ist hoch-katholisch und dass es da Berührungsängste gibt, aber das ist nicht so“, sagte Kessler kurz vor dem bayernweit geplanten Tag der offenen Tür an diesem Sonntag in 15 buddhistischen Zentren. “An diesem Tag der offenen Tür kann man sich in entspannter Atmosphäre anhören, was Buddhismus eigentlich ist.“

Denn da - so hat der buddhistische Lehrer beobachtet - gibt es oft viele falsche Vorstellungen. “Die meisten, die sich nicht mit Buddhismus auskennen, nehmen an, Buddha ist ein zweiter Jesus. Das stimmt natürlich nicht. Bei uns gibt es auch keinen schöpfenden Gott.“ Und auch der Stellenwert von Tieren im Buddhismus sei den meisten erstmal fremd. “Wir schließen alle fühlenden Wesen ein - und da sind auch Tiere inklusive.“

Deutschlandweit gebe es bis zu 350 000 bekennende Buddhisten, sagt Kessler. “Man denkt vielleicht, im katholischen Bayern gibt es weniger als im Norden - aber das stimmt nicht.“ Die Verteilung im Bundesgebiet sei ausgeglichen - die Wege zur Erleuchtung seien aber immer unterschiedlich. “Verschiedene Köpfe brauchen verschiedene Hüte“, betonte Kessler. “Im Kommunismus beispielsweise regierten eher Eifersucht und Neid, im Kapitalismus eher Gier und Anhaftung. Kapitalismus ist zwar materiell gesehen deutlich erfolgreicher, aber auf dem Weg zur Buddhaschaft, dem finalen Ziel eines praktizierenden Buddhisten, ist beides unnütz.“

dpa

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