Jugendliche Schüler testen sich vor dem Unterricht
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Seit an den Schulen getestet wird, steigen die Inzidenzwerte in der Altersgruppe der Kinder und Jugendlichen.

Inzidenzwerte steigen bei Kindern und Teenagern

Immer mehr Jugendliche infiziert - Landratsämter können sich die hohen Zahlen erklären

  • Katrin Woitsch
    vonKatrin Woitsch
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In keiner Altersgruppe sind die Inzidenzwerte aktuell so hoch wie bei den Kindern und Jugendlichen. Auch viele Landratsämter beobachten das kritisch - haben aber eine Erklärung dafür.

München - Die 15- bis 19-Jährigen sind inzwischen die am stärksten von Corona*-Neuinfektionen betroffene Altersgruppe in Bayern, wie Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) gestern sagte. Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in dieser Altersgruppe liege derzeit bei 321,3, bei den Zehn- bis 14-Jährigen bei 242. Dafür sinken die Inzidenzwerte bei der Gruppe der Über-80-Jährigen großteils in den niedrigen zweistelligen Bereich.

Corona in Bayern - Impfungen bei Inzidenzwerte für Senioren zu sehen

Eine Entwicklung, die auch viele Landratsämter genau beobachten. „Wir listen die Zahlen auf unserer Internetseite sehr detailliert nach Altersgruppen auf“, berichtet Christina Walzner aus dem Landratsamt München. Der Inzidenzwert für die Senioren liegt dort bei 20, für die Kinder und Jugendlichen bei 272. Überraschend sei das nicht, sagt Walzner. Die Senioren im Landkreis seien bereits zum Großteil geimpft. „Es gibt zwar noch vereinzelt Corona-Infektionen in dieser Altersgruppe, aber nur mit milden oder gar keinen Symptomen.“ Und in den Schulen werde nun verstärkt getestet. „Dadurch wird nun sichtbar, was wir früher nicht ermittelt haben“, sagt sie. Denn bevor die Mutationen auftauchten, hatten Kinder nur selten Symptome, wenn sie sich infiziert hatten – deshalb ließen sich in dieser Altersgruppe wohl auch weniger testen.

Die Inzidenzwerte der Kinder und Jugendlichen liegen deutlich über den Landkreiswerten.

Auch andere Landratsämter erklären sich die Zahlen so. „Wir sehen an den Inzidenzen der Altersgruppen deutlich, dass die Impfung wirkt“, sagt Martin Huber, Sprecher des Landratsamts in Altötting. Dort liegt die Inzidenz bei den Über-80-Jährigen bei 16. Das sind faktisch zwei Fälle. Auch im Kreis Dachau, der mit 247 aktuell eine hohe Inzidenz hat, ist die Inzidenz der Senioren gering, für die Kinder und Jugendlichen mit 256 aber sehr hoch. „Die ansteckendere britische Mutation hat bei uns im Landkreis einen Anteil von 85 Prozent“, sagt Sprecher Wolfgang Reichelt. Deshalb hält er mehr Ansteckungen in den Schulen für wahrscheinlich.

Die Inzidenzwerte in der Altersgruppe der Senioren liegen im zweistelligen Bereich

Auch Prof. Dr. Johannes Hübner, Leiter der Abteilung für pädiatrische Infektiologie am Haunerschen Kinderspital München, geht davon aus, dass die Inzidenzwerte durch die Schnelltests an den Schulen gestiegen sind. „Wo viel getestet wird, wird auch viel gefunden“, sagt er. Es gebe jedoch nach wie vor keine Hinweise darauf, dass Kinder Treiber der Pandemie seien oder das Ansteckungsrisiko in Schulen besonders hoch ist. Debatten darüber, ob Eltern früher geimpft werden sollten, hält Hübner deshalb für falsch. „Nichts deutet darauf hin, dass Kinder ansteckender sind“, betont er. Daran habe sich auch durch die Mutationen nichts geändert.

Allerdings hofft Hübner darauf, dass bald auch ein Impfstoff für Kinder freigegeben wird. Gerade für Kinder mit chronischen Erkrankungen wäre jedes Virus ein Risiko, sagt er. Die britische Mutation habe bisher aber keinen Einfluss auf die Zahl seiner jungen Corona-Patienten im Klinikum, berichtet er. „Wir haben nach wie vor im Schnitt zwei Fälle pro Monat. Die Infektion verläuft bei den meisten Kindern und Jugendlichen mit milden Symptomen.“

Interaktive Inzidenzkarte

Hier finden Sie eine Karte zu den Inzidenzen aller Altersgruppen für jeden Landkreis (berechnet nach Fallzahlen des RKI für 100 000 Einwohner der jeweiligen Altersgruppe).

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