Immer mehr Stimmen für neue Olympia-Bewerbung

München - Aufgeben gilt nicht! Viele deutsche Winter- und Sommersportverbände plädieren laut einer dpa-Umfrage trotz der Abfuhr durch das IOC von München 2018 für eine erneute Olympia-Bewerbung.

Josef Fendt, Präsident des internationalen Rodel-Verbandes, setzt sich trotz der vier vergeblichen Versuche für eine zweite Kandidatur Münchens beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) ein: “Ich sage: Jetzt erst recht. Wir sollten es 2022 wieder versuchen.“ Die Bewerbung sei stark gewesen. “Wenn es nach den Kriterien gehen würde, die wir uns wünschen, hätten wir gewinnen müssen.“

Für Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Skiverbandes (DSV), ist die Niederlage von Durban kein Scheitern Münchens gewesen. “Die Bewerbung und das gesamte Konzept waren und sind olympiawürdig“, meinte er. “Um den höchsten Gipfel zu erklimmen, muss man manchmal auch einen etwas steinigeren Umweg gehen.“ Sein Generalsekretär Thomas Pfüller wünscht sich, dass sich die Vertreter aus Politik, Industrie und Wirtschaft, die sich während der Bewerbungsphase für München engagiert haben, “nicht enttäuscht“ zurückziehen.

Präsident Werner von Moltke vom Deutschen Volleyball-Verband (DVV) sprach sich auch für einen neuen Anlauf Münchens aus. “Man sollte es auf jeden Fall ein zweites Mal probieren“, sagte der DVV-Chef. “Es hat uns allen wehgetan“, sagte von Moltke zur deutlichen Abstimmungsniederlage (25:63) gegen Pyeongchang/Südkorea. Bei einer möglichen Kandidatur für die Winterspiele 2022 sieht er aber auch noch Verbesserungspotenzial: “Die Anfangsphase hätte sicherlich etwas besser laufen können.“

Nichts überstürzen will der Vorsitzende des Deutschen Sportjugend und Präsident des Deutschen Basketball-Verbandes, Ingo Weiss, bei der Entscheidung über eine neue Bewerbung. “Jetzt eine schnelle und spontane Entscheidung zu treffen, wäre total falsch. Wir müssen zuerst ganz in Ruhe analysieren“, sagte das Mitglied des DOSB-Präsidiums. Bei der Wahl haben nach seiner Ansicht nicht nur objektive Kriterien eine Rolle gespielt. “Die Entscheidung war auch ein bisschen Mitleid beim dritten Antritt von Pyeongchang.“

Für Michael Ilgner, Vorsitzender des Vorstandes der Stiftung Deutsche Sporthilfe, sollte München eine neue Chance bekommen: “Dieses großartige Konzept, verbunden mit der Idee, exakt 50 Jahre nach den Sommerspielen von München zurück in das Herz des Wintersports zu gehen, hätte es sicherlich verdient.“ Offenbar gehe es beim IOC nicht nur um die Beurteilung der Konzeption, sondern ebenso um die Erschließung neuer Märkte und das Zeichen, dass Ausdauer und langfristiges Engagement für das IOC belohnt werden. “Ich denke, mit etwas Abstand kann man das sogar nachvollziehen“, meinte Ilgner.

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Ursachenforschung zur geringen Resonanz von Münchens Kandidatur beim IOC hat dessen deutscher Vizepräsident Thomas Bach betrieben. “Nach den Gesprächen mit meinen Kollegen ist klar, dass es eine Grundsatzentscheidung war“, befand der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). “Die einzige Erklärung, die ich im Moment habe, ist, dass die Entscheidung für Pyeongchang schon vor längerer Zeit festgeklopft war.“

Wie Bach sieht auch Christa Thiel, Präsidentin des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV), keinen Grund zur Eile für eine Entscheidung über einen weitere Olympia-Kandidatur: “Das muss man sehen und muss es nicht übers Knie brechen. Es gibt ausreichend Fristen, um eine Entscheidung zu treffen.“

dpa

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