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Nur wenige Ärzte haben Ersatzimpfstoffe vorrätig und können ihre Patienten versorgen wie dieser Mediziner.

Engpass beim Grippe-Impfstoff

Impfchaos: Aufregung in Bayerns Praxen

München/Freising/Schongau - Der Engpass bei Grippe-Impfstoffen strapaziert die Nerven von Ärzten und Apotheker. Sie werden von verunsicherten Kassenpatienten bestürmt – können aber nicht impfen, weil der Impfstoff immer noch fehlt.

Kassenpatienten müssen in vielen Fällen doch weiter auf einen Grippeimpfstoff warten. Da der Hersteller Novartis Vaccines wohl erst Ende November liefern kann, stecken die Ärzte in einem Dilemma. Sie dürfen jetzt zwar Impfstoffe anderer Hersteller verordnen. Doch diese sind für viele Praxen und Apotheken nicht sofort verfügbar.

Um Geld zu sparen, hatten die gesetzlichen Krankenkassen in Bayern einen Exklusivvertrag für ihre Versicherten abgeschlossen. Demnach hatte Novartis etwa 1,9 Millionen Impfdosen für Bayerns Kassenpatienten eingeplant – aber bislang nicht geliefert. „Wir brauchen den Impfstoff aber jetzt und nicht erst, wenn wenn die Impfsaison vorbei ist“, sagt Wolfgang Adolf, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassenverbände in Bayern (ARGE). Darum habe man beschlossen, auch die Kosten für Impfstoffe anderer Hersteller zu übernehmen – auch wenn das „viele Millionen Euro extra“ koste.

„Grippeschutz-Impfung für Bayern sichergestellt“, meldete die ARGE daher am Montag – und löste damit in vielen bayerischen Arztpraxen und Apotheken Chaos aus. Auf den Ansturm der Impfwilligen war man dort nicht vorbereitet.

In der Praxis des Freisinger Hausarztes Dr. Reinhard Bungartz gaben sich am Dienstag Impfwillige die Klinke in die Hand. „Wir stehen gewaltig unter Druck“, klagt der Freisinger Mediziner. „Ich muss in der Praxis ständig Fragen besorgter Patienten beantworten. Unter der Hausärzteschaft herrscht Aufruhr.“ Denn: Nur wenige Ärzte haben Ersatzimpfstoffe vorrätig. Und auch mit der Bestellung klappt es meist nicht, wie der Steingadener Arzt Dr. Ernst Weeber feststellen musste. Seit Dienstag versuche sein Praxisteam einen der Ersatzimpfstoffe zu bekommen. „Keinen einzigen konnten wir sofort haben“, sagt er. Seine Praxis sei lediglich auf eine Warteliste gesetzt worden. Unter fünf Allgemeinärzten, die unsere Redaktion am Dienstag per Zufallsprinzip anrief, waren nur zwei, die eine Impfung bereits für den kommenden Tag anbieten konnten. In einer Praxis nördlich von München wurde gleich nach dem Versicherungsstatus gefragt. Auf die Antwort „gesetzlich“ folgte der schlichte Hinweis der Sprechstundenhilfe: „Dann können Sie sich erst Ende Oktober impfen lassen.“ Hintergrund: Der Exklusivvertrag, der mit dem Hersteller Novartis Vaccines abgeschlossen wurde, betrifft nur die gesetzlichen Kassen und damit die Kassenpatienten. Privatpatienten konnten von Anfang an Impfstoffe anderer Hersteller erhalten.

Auch die Patienten einfach mit Rezept zur nächsten Apotheke zu schicken, klappt oft nicht. Denn auch da herrscht vielerorts Mangel. „Wir haben uns auch heute Morgen um Impfstoff bemüht und es auch direkt bei Herstellern versucht“, sagt Anja Loepthin von der Apotheke in der Postbank in München. Bekommen hat sie keinen. Selbst die Anfrage bei einem Großhändler in Hamburg blieb ohne Erfolg. „Die anderen Hersteller haben die Produktion kleingefahren“, meint Loepthin.

„Momentan herrscht große Aufregung bei den Ärzten“, gibt denn auch Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassenverbände in Bayern, Wolfgang Adolf, zu. Doch habe man die Information über die weitere Verzögerung erst am Freitag von Novartis erhalten und sofort reagiert. Jetzt dauere es natürlich etwas, bis Apotheken und Ärzte die benötigten Impfstoffe ordern und zugeliefert bekommen. Doch geht Wolfgang Adolf davon aus, dass „in wenigen Tagen“ wieder Impfstoff vorhanden sein werde.

Eine realistische Prognose? Die Nachfrage bei einem Großhändler lässt Zweifel aufkommen: Auch Kurt Eichenseer vom Arzneimittelgroßhändler Hageda Stumpf in München hat Probleme, an Impfstoff zu kommen. Von Ratiopharm sei er mehrfach vertröstet worden. Jetzt habe er eine Zusage vom Hersteller „Abbot Arzneimittel“ für nächste Woche. Doch könnten es zu wenige Impfdosen sein. „Die haben nicht für Bayern produziert“, sagt er. Schließlich habe man mit den etwa 1,9 Millionen Impfdosen von Novartis gerechnet.  

Andrea Eppner, Helmut Hobmaier und Franziska Bär

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