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IQB-Bildungstrend

In Mathe eilt Bayern Bremen davon. Trotzdem raten Experten: Mehr anstrengen! 

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Bayerns Viertklässler sind in einer Leistungsuntersuchung in Deutsch und Mathematik bundesweite Spitzenreiter. Bildungsexperten raten trotzdem zu mehr Anstrengungen.

MünchenPlatz 1 in Mathematik sowie den Deutsch-Kompetenzbereichen Zuhören und Rechtschreibung, Platz 2 in Lesen – zum zweiten Mal nach 2011 nimmt Bayern die Spitzenposition im IQB-Bildungstrend ein. IQB steht für Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen. Es ist eine bundesweite Einrichtung, die Schul-Ländervergleiche mit eigenen Tests durchführt. Für die neue Untersuchung waren von Mai bis Juli 2016 gut 29.000 Schüler an 1508 Schulen in Deutschland getestet worden, davon 1773 Grundschüler an 90 Schulen in Bayern. Mit Werten von 73 Prozent (Mathematik) sowie ähnlichen Werten im Fach Deutsch in den Kompetenzbereichen Lesen (74 Prozent), Zuhören (77 Prozent) und Orthografie (68 Prozent) ist der Anteil der bayerischen Schüler, die den Regelstandard erreichen, weit über den bundesweiten Durchschnittswerten. Zum Teil klaffen die Ergebnisse der Bundesländer weit auseinander, so zum Beispiel beim Anteil der Schüler, die in Mathe nicht den Mindeststandard erreichen: Das sind 8,3 Prozent in Bayern, aber 35,4 Prozent in Bremen.

Für die bayerischen Ergebnisse gab es am Freitag viel Lob: „Das ist eine große Leistung – gerade angesichts der wachsenden Zahl von Kindern mit Zuwanderungsgeschichte“, sagte Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) in München. Als „großes Kompliment für unsere Grundschullehrer“ interpretierte Simone Fleischmann vom Lehrerverband (BLLV) das Ergebnis. Doch es gibt auch kritische Stimmen von den weiterführenden Schularten. Bayern dürfe sich nicht ausruhen, mahnte der Chef des Bayerischen Philologenverbands, Michael Schwägerl. Gymnasiallehrer beobachten „zum Beispiel einen Rückgang beim Wortschatz“ bei den Fünftklässlern. Problematisch sei die auch in Bayern mancherorts übliche Methode des Schreibens nach Gehör. Ähnlich urteilte der Chef des Realschullehrerverbands, Jürgen Böhm („Alarmsignal“).

Wenig in den Fokus gerieten am Freitag weitere Ergebnisse der Studie, etwa die Geschlechterdifferenz: Mädchen sind nach wie vor viel besser in Deutsch als Buben – die punkten dafür in Mathe.

Kommentar des Autors Dirk Walter:

Nach der Pisa-Katastrophe nun der Grundschul-Schock: Es schien ja so, als hätten die Schulen aus dem niederschmetternden Pisa-Test von 2001 gelernt. Seit Jahren wiesen alle nachfolgenden Bildungsstudien nach oben. Und nun dieser alarmierende Leistungsabfall der Viertklässler. Klar hängt das auch mit der steigenden Zahl an ausländischen Grundschülern zusammen. Hier ist mehr Engagement nötig. Zuwanderungskinder benötigen übergangsweise spezielle Vorbereitungsklassen, spezielle Lehrer, regelrechte Sprachentrainer. Der normale Grundschul-Besuch von acht bis zwölf reicht nicht. Nach einem Wahlkampf, in dem es nur noch um Abschiebung und Flüchtlingskriminalität ging, wäre es fatal, wenn die Integrations-Bemühungen nachließen. Das kann man aus der Studie lernen. 

Doch die Zuwanderung erklärt die schlechten Noten nicht allein. So sind die ostdeutschen Länder, wo der Ausländeranteil gerade mal gut zehn Prozent beträgt (Bayern: 35 Prozent), nur im unteren Mittelfeld gelandet. Das könnte auch das Ergebnis einer kuschligen Grundschulpädagogik sein. Wahrscheinlich wird erst ein genauer Blick in die Lehrpläne zeigen, ob sich trotz vieler Warnungen fragwürdige Lehrmethoden eingeschlichen haben – zum Beispiel das Schreiben nach Gehör oder die Ächtung von Diktaten. Grundschule muss auch leistungsorientiert sein, allem Wehklagen über das Grundschul-Abitur (das es nur noch in Bayern gibt) zum Trotz. Das haben manche vielleicht übersehen.

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