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Ackerland ist nicht nur heiß begehrt unter Landwirten. Auch immer mehr Spekulanten kaufen Land als gute Geldanlage.

Viele Bauern können nicht mithalten

In Oberbayern zahlen Anleger astronomische Summen für Ackerland 

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München - Ackerland wird immer teurer – private Käufer und Spekulanten haben es als Investitionsobjekt entdeckt. In Oberbayern werden schon jetzt beinahe astronomische Summen bezahlt. Viele Bauern können da nicht mithalten.

Explodierende Bodenpreise machen den Bauern im Freistaat zu schaffen. Zusammen mit dem weiter steigenden Flächenverbrauch durch Wohnungsbau und andere Baumaßnahmen bedeuteten sie eine noch knappere Verfügbarkeit von Land, sagte der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes, Walter Heidl. Private Investoren suchten anstatt auf dem abgegrasten Wohnungsmarkt der Städte zunehmend auf dem Land nach Acker- und Grünland oder Waldflächen. „Es gibt eine sehr hohe Nachfrage. Das ist kein Wunder, wenn ich mir die Zinssätze ansehe“, sagte Heidl.

Neben Privatanlegern greifen auch Kommunen zu, um Wohnungen zu schaffen oder Verkehrswege zu bauen, teilweise investieren auch Banken. Das stelle bäuerliche Familienbetriebe vor enorme Herausforderungen, schilderte Heidl. Viele Landwirte könnten sich Land nicht mehr leisten.

Verkauf von landwirtschaftlicher Fläche ab einem Hektar muss genehmigt werden

Die Bauern hoffen nun auf Effekte des neuen Bayerischen Agrarstrukturgesetzes, das der Landtag noch vor Weihnachten in einer Marathon-Debatte durchgebracht hatte. Seit dem 1. Januar bedarf der Verkauf von landwirtschaftlichem Boden nun bereits ab einem Hektar einer Genehmigung. Bisher waren es zwei Hektar. Der Bayerische Bauernverband (BBV) hatte sich für diese Änderung eingesetzt, um land- und forstwirtschaftlichen Grund und Boden besser vor Investoren zu schützen. Denn Inflationsangst und hohe Immobilienpreise in den Städten locken seit einigen Jahren immer mehr Nichtlandwirte, die Ackerland und Wald als Geldanlage oder gar als Spekulationsobjekt entdecken.

Während ein Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche in Bayern gemäß den Daten des Statistischen Landesamtes im Jahr 1974 durchschnittlich noch 9991 Euro kostete, waren es 2014 bereits 41 440 Euro und im vergangenen Jahr 47.358 Euro pro Hektar. Dabei gibt es massive regionale Unterschiede: In Oberfranken sind es 21.549 Euro, in Oberbayern im Durchschnitt aktuell 84 857 Euro und im Landkreis Ebersberg sogar über 150.000 Euro.

„Wer früh in dieses Geschäft eingestiegen ist, hat damit die beste Anlage bekommen, die es je gegeben hat“, sagt Anton Kreitmair, CSU-Landtagsabgeordneter und BBV-Bezirkspräsident für Oberbayern. „Das Problem ist, dass die Fläche oft vor Ort verloren geht.“ Weil ein weit entfernt wohnender Besitzer in der Regel schlicht an den Meistbietenden verpachtet. „Im Forstwaldbereich ist es extrem“, sagt Kreitmair. Weil viele Bürger in kleine Flächen investieren, werde der Forst derzeit zerstückelt. „Und dann wird es schwierig mit der Bewirtschaftung. Da wohnt der Besitzer dann in München und weiß gar nicht, wie man sich richtig um den Wald kümmert.“

Gutverdiener aus München und Umland sichern sich Flächen

„Es kommt immer wieder vor, dass Gutverdiener, zum Beispiel Ärzte, aus München im Umland zuschlagen“, sagte Peter Rospital, Geschäftsführer der BBV-Geschäftsstelle für die Landkreise München und Ebersberg. „Etwa bei alten Hofstellen, die vielleicht mal ein Alterssitz werden könnten.“ Auch Waldflächen seien beliebt. „Das Problem ist, dass sich manche dann nicht darum kümmern.“ Je näher am Ballungsraum, desto beliebter seien die Grundstücke. „Viele Bauern können solche Flächen dann nicht mehr finanzieren“, sagte Rospital.

Auch in der Heimatzeitung finden sich immer wieder Kleinanzeigen zum Thema. Zuletzt wurden etwa fünf Hektar Grünland im Unterallgäu angeboten – mit dem Hinweis, es könnte als Kapitalanlage dienen. Angegebener Preis: 300 000 Euro Verhandlungsbasis. Ein anderer sucht nach Ackerland – und gibt auch gleich mit an, einen Spitzenpreis zu zahlen.

Landwirte, die Fläche benötigen, könnten aber über einen Umweg trotz branchenfremder Interessenten zum Zug kommen, sagte Heidl. Denn die BBV LandSiedlung, ein Tochterunternehmen des Bauernverbandes, übt als gemeinnütziges Siedlungsunternehmen das Vorkaufsrecht für Landwirte aus. Allerdings muss dennoch derselbe Preis gezahlt werden – und die Bieter sind laut Heidl bereit, hohe Summen zu zahlen. Könne die Preisspirale daher nicht gestoppt werden, müsse erneut der Gesetzgeber handeln.

Sabine Dobel und Dominik Göttler

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