Zu unrecht in Haft

Bauernfamilie klagt in Straßburg gegen Bundesrepublik

Ingolstadt - Vor zehn Jahren wird in Oberbayern ein Landwirt getötet, die Familie muss ins Gefängnis - zu unrecht. Jetzt wollen die Angehörigen Entschädigung und verklagen die Bundesrepublik.

Zehn Jahre nach dem Fehlurteil des Landgerichts Ingolstadt wegen der Tötung eines Landwirts kämpft dessen Familie vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) um Haftentschädigung. Das Oberlandesgericht (OLG) München lehnt es ab, der Witwe des Mannes und ihren Kindern Geld für die Jahre zu zahlen, die unschuldig im Gefängnis saßen. Dagegen legten ihre Anwälte nun Beschwerde wegen eines Verstoßes gegen die europäische Menschenrechtskonvention bei dem Straßburger Gericht ein. Das Verfahren richtet sich gegen die Bundesrepublik Deutschland, wie Anwalt Klaus Wittmann am Mittwoch einen Bericht der Münchner „Abendzeitung“ bestätigte.

Der Landwirt aus Neuburg an der Donau war 2001 zunächst spurlos verschwunden. 2005 wurden die Witwe, ihre beiden Töchter und der Freund eines der Mädchen wegen Totschlags zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Sie hatten gestanden, den Bauern erschlagen, zerstückelt und teils an die Hofhunde verfüttert zu haben, die Geständnisse aber widerrufen.

2009 wurde die weitgehend unversehrte Leiche des Mannes zufällig aus der Donau geborgen - der Tote saß hinterm Steuer seines Autos. Im Wiederaufnahmeverfahren vor dem Landgericht Landshut wurde das Quartett freigesprochen. Haftentschädigung lehnt das OLG aber ab mit dem Argument, die Familie sei durch ihre Geständnisse selbst schuld an der Verurteilung.

Rubriklistenbild: © dpa

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