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Fahrrad st att Dienstwagen: Ingolstadts Oberbürgermeister Christian Lösel radelt oft durch seine Stadt. 

Auszeichnung für Fahrradfreundlichkeit

Ingolstadts OB im Interview: „Radverkehr nimmt stark zu“

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Ingolstadt - Wenn es ums Radfahren geht, ist Ingolstadt vielen anderen bayerischen Kommunen voraus. Die Stadt bekam neben Landshut und dem Kreis Fürth ein Zertifikat für ihre Fahrradfreundlichkeit.

Wenn es ums Radfahren geht, macht den Bayern so schnell keiner was vor. Unter den zehn Kommunen in Deutschland, in denen pro Einwohner die meisten Radkilometer gefahren werden, sind acht bayerische. Erst diese Woche hat Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) drei weitere Auszeichnungen für Fahrradfreundlichkeit verliehen. Sie gingen an den Landkreis Fürth sowie die Städte Landshut und Ingolstadt. Der Ingolstädter Oberbürgermeister Christian Lösel ist selbst bei jeder Gelegenheit mit dem Rad unterwegs. Er berichtet, warum in seiner Stadt die Bedingungen dafür optimal sind.

-Wie oft sind Sie in Ingolstadt mit dem Fahrrad unterwegs?

Relativ häufig, sehr oft gemeinsam mit meiner Familie. Im Sommer beteiligt sich die Stadt für drei Wochen an der Aktion „Stadtradeln“. In dieser Zeit gilt es, ausschließlich mit dem Rad zu fahren – mit Ausnahme von überregionalen Strecken.

-Wie zufrieden sind Sie als Radfahrer mit der Fahrradfreundlichkeit Ihrer Stadt?

In einer großen Stadt gibt esnatürlich immer etwas, das man noch verbessern kann. Und das machen wir auch. Dabei setzen wir auf die Hilfe unserer Bürger.

-Wie machen Sie das?

Wir haben einen Mängelmelder eingeführt. Das ist eine App, durch die die Ingolstädter mit dem Smartphone Mängel fotografieren und den Standort markieren können, um sie dann mit einem kurzen Text an die Verwaltung zu schicken. Die Verwaltung kann Ihnen auch eine Rückmeldung schicken, da sie ja mit den Informationen die E-Mail-Adressen bekommt.

- Wie ist die Idee dazu entstanden?

Vor zweieinhalb Jahren hatten wir hier eine Bürgerbeteiligung. Es ging eigentlich gar nicht um den Fahrradverkehr, sondern um die Innenstadt. Obwohl unser Beschwerdemanagement sehr gelobt wurde, haben wir festgestellt, dass viele Bürger nicht wissen, an wen sie sich mit Beschwerden oder Anregungen wenden können. So ist die Idee für eine städtische App entstanden.

-Wie lange dauert die Bearbeitung, wenn ein Mangel gemeldet wird?

Das hängt sehr vom Mangel selbst ab. Kleinigkeiten wie zum Beispiel grobe Verschmutzungen werden innerhalb von 72 Stunden beseitigt. Etwa die Hälfte aller Themen sind innerhalb von sieben Tagen bearbeitet, 90 Prozent innerhalb von 14 Tagen.

-Wo ist Ingolstadt anderen Kommunen voraus, wenn es um Fahrradfreundlichkeit geht?

Wir haben ein sehr gutes Fahrradleitsystem entwickelt, das wir in alle Ortsteile ausweiten wollen. Die Schilder sind flexibel, das heißt unter den Hauptschildern können unterschiedliche Wegmarken angebracht werden. Zum Beispiel Infos zum Donauradwanderweg oder dem Weg zur Tourist-Info. Darüber hinaus haben wir seit einigen Jahren ein Programm, um Geh- und Radwege abzusenken. Ursprünglich ist es mit Blick auf Senioren mit Gehhilfe oder Eltern mit Kinderwagen entstanden. Diese Maßnahmen tragen aber auch zur Sicherheit für Radfahrer bei, die Infrastruktur wird insgesamt verbessert.

-Wo sehen Sie noch Handlungsbedarf?

Gerade haben wir besprochen, dass die Kapazitäten für die Fahrradabstellanlagen grundsätzlich aufgestockt werden müssen. Das machen wir zwar bereits alle paar Monate, aber wir hinken schnell wieder hinterher.

-Weil immer mehr Ingolstädter mit dem Rad unterwegs sind?

Ja, wir können wirklich beobachten, dass der Radverkehr immer stärker zunimmt. Das haben wir wissenschaftlich untersuchen lassen. Aktuell liegt der Anteil der Radfahrer in Ingolstadt bei 21 Prozent. Wir wollen das noch weiter verbessern – auf 25 Prozent. Das ist ein sportliches Ziel. Aber die E-Bike-Welle kommt uns dabei zugute.

-Hilft Ihnen auch das Zertifikat, um mehr Ingolstädter fürs Radeln zu begeistern?

Natürlich – dieses Zertifikat und die anderen, die wir zuvor bekommen haben. Auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club hat uns in seiner Beurteilung als fahrradfreundliche Kommune eingestuft. Dadurch bekommen wir natürlich Aufmerksamkeit – und die ist wiederum ein Kriterium, um positive Bewertungen zu bekommen. Aber natürlich sind die Bürger auch leichter zum Radeln zu mobilisieren, wenn sie sehen, dass auch ihr OB und die Stadträte oft das Rad benutzen.

Interview: Katrin Woitsch

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